Fotoausstellung : Klassentreffen „Güstrower Kinder“

„Erkennst du dich wieder?“, fragt Barbara Seemann (rechts) ihre ehemalige Schülerin Brita Hoefer, damals Theege.
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„Erkennst du dich wieder?“, fragt Barbara Seemann (rechts) ihre ehemalige Schülerin Brita Hoefer, damals Theege.

Barbara Seemann begleitete ihre Schulklasse über vier Jahrzehnte mit dem Fotoapparat. Ausstellung in Textilreinigung Güstrow

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16. November 2015, 06:00 Uhr

Ein Wiedersehen der besonderen Art feierten am Sonnabend etwa 20 ehemalige Schüler, die 1971 als Klasse 1b in der gerade neu gebauten Ernst-Barlach-Oberschule in Güstrow eingeschult wurden. Klassenlehrerin war damals Barbara Thalmann, heute Seemann. „Es war für mich die erste 1. Klasse, die ich als Klassenlehrerin übernahm“, erinnert sich die heute 76-Jährige. Die gelernte Fotografin machte die üblichen Bilder von der Einschulung, einer Klassenfahrt, von Zeugnisausgaben, Pioniernachmittagen, Treffen mit der Patenbrigade und porträtierte ihre Schüler. Und das Jahr für Jahr. Mit der Zeit reifte der Gedanke, daraus eine Langzeitstudie zu entwickeln. Also besuchte und fotografierte sie ihre Schüler regelmäßig, auch als diese längst im Beruf tätig waren und Familie hatten. Entstanden ist so über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten eine Dokumentation von der Entwicklung einer Schulklasse. 2009 wurden die Fotos erstmals unter dem Titel „Güstrower Kinder“ im Ausstellungsforum der Ernst-Barlach-Stiftung gezeigt.

„Dann kam eine Anfrage des Norddeutschen Rundfunks, die daraus einen Dokumentarfilm machen wollen“, sagt Barbara Seemann. Also wurde die komplette Ausstellung in den Räumen der Textilreinigung Güstrow in der Speicherstraße aufgebaut. Dessen Geschäftsführer Michael Trost gehörte zu den Schülern der damaligen 1b. „Diese Ausstellung kann zu den Geschäftszeiten unserer Firma von der Öffentlichkeit besichtigt werden“, versichert Trost. Seinen ehemaligen Klassenkameraden stellte er am Sonnabend während eines Rundgangs den Betrieb, in dem über 20 Mitarbeiter tätig sind, vor. Herzlich begrüßten die teils von weit angereisten Ex-Schüler, die heute um die 50 Jahre alt sind, ihre Klassenlehrerin und ihre ehemalige Horterzieherin, Ute Helling. Die 72-Jährige, die heute bei Koblenz lebt, hatte zuvor versucht, ihre alte Schule zu besuchen. „Es ist mir nicht gelungen, die Ernst-Barlach-Oberschule ist abgerissen worden“, stellt sie etwas traurig fest.

Viel hatten Schüler und Lehrer einander zu erzählen. „Jeder ist seinen Weg gegangen und hat etwas aus seinem Leben gemacht. Das ist ein tolles Gefühl“, sagt Barbara Seemann. Gemeinsam mit ihrem Mann Uwe stellten sie ein Klassenfoto nach, wie es damals in der 4. Klasse entstanden war. Überwältigt zeigte sich Brita Hoefer, damals Theege, von dem Wiedersehenstreffen. „Wir hatten so ein Glück, dass Frau Seemann nicht nur unsere Klassenlehrerin, sondern auch eine gelernte Fotografin war“, schwärmt die ehemalige Schülerin, die heute in Niedersachsen lebt.

Michael Trost ist ebenfalls auf den Geschmack gekommen. Die mit vielen Fotos dekorierten Wände der Wäscherei gefallen ihm so gut, dass er künftig weitere Ausstellungen unter dem Motto „Kunst am alten Hafen“ organisieren will. Die Schau „Güstrower Kinder“ ist aber mindestens bis Ende Januar zu sehen.  


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