AfD-Parteitag Güstrow : Klares Zeichen für mehr Toleranz

Mit seinem Schreiben für Toleranz und Aufgeschlossenheit erreicht Erich-Alexander Hinz mehr als 20  000 Menschen.
Mit seinem Schreiben für Toleranz und Aufgeschlossenheit erreicht Erich-Alexander Hinz mehr als 20 000 Menschen.

Weil er den AfD-Parteitag in seinem Hause nicht absagen kann, wirbt Hotelier für Aufgeschlossenheit

svz.de von
24. November 2015, 21:00 Uhr

Das hat Hotelier Erich-Alexander Hinz nicht erwartet, als er am Sonntag ein kleines, unscheinbares Schreiben im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlichte. „Schon nach 24 Stunden hatte ich damit mehr als 20 000 Menschen erreicht – damit habe ich nicht gerechnet“, erzählt Erich-Alexander Hinz, Betreiber des „Kurhaus am Inselsee“ und des „Strandhaus am Inselsee“.


„Wir beurteilen Menschen nicht nach ihrer Herkunft“


Mit dem offenen Brief positioniert sich der Güstrower Hotelier für Toleranz und Aufgeschlossenheit und schließt damit sowohl seine Familie als auch seine 74 Mitarbeiter ein. „Wir beurteilen Menschen nicht nach ihrer Herkunft, wir betrachten den Menschen als Person“, heißt es in dem Schreiben, das Gäste des Hauses auch an der Rezeption einsehen können.

Hintergrund für diese klaren Worte sei der Landesparteitag der AfD gewesen, der am Sonntag im Kurhaus abgehalten wurde, so Hinz weiter. „Der Vertrag für diese Veranstaltung ist bereits vor einem Jahr geschlossen worden. Damals hatte ich den Eindruck, die Partei sei noch dabei sich zu finden, sei europakritisch“, erklärt Erich-Alexander Hinz und fügt hinzu: „Doch die Ereignisse der letzten Monate haben mich zweifeln lassen.“

Mit dem offenen Brief, den er auch den AfD-Funktionären am Sonntag vorgelegt hat, möchte der Geschäftsmann sich einerseits von radikalen Tendenzen abgrenzen und andererseits die Aufgeschlossenheit seines Hauses verdeutlichen. Neben sieben Osteuropäern beschäftigt Hinz auch drei Frauen aus Algerien und zwei Tunesier in seinen Häusern am Inselsee. „Mir ist ganz egal, woher meine Mitarbeiter kommen. Wichtig ist, dass sie gute Arbeit leisten und es im Team gut passt“, sagt Hinz. Zudem seien die Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund auch eine Bereicherung – insbesondere im Hinblick auf ihre sprachlichen Kompetenzen.


Internetgemeinschaft lobt Positionierung

Um ein deutliches Zeichen zu setzen wurden die Teilnehmer des AfD-Parteitags bewusst durch nordafrikanische Servicekräfte bedient – Probleme gab es diesbezüglich aber nicht. Auf den offenen Brief hingewiesen, bedankten sich die Mitglieder der AfD für die Ehrlichkeit, erinnert sich Erich-Alexander Hinz an die Gespräche auf dem Parteitag.

Inzwischen wird das politische Statement des Hoteliers weiter im Internet verbreitet und erntet viele positive Reaktionen. So kommentiert Alexis Schwartz: „Gesicht zeigen in schlimmen Zeiten – das finde ich großartig!“ Steffen Heinze sagt: „Sehr schön. Genau meine Meinung.“ Auch Frank Ahrend gefällt das Schreiben. „Tolle Haltung“, schreibt er.

„Es hat aber auch andere Reaktionen gegeben – manch einer hat beispielsweise die Freundschaft auf Facebook zurückgezogen“, sagt Erich-Alexander Hinz, aber die Zustimmung würde überwiegen. Sogar der Geschäftsführer des Tourismusverbandes lobte die Einstellung und betonte, so Hinz, dass das gut für die Branche sei, die auch von ausländischen Fachkräften lebe.

Obwohl er zu seiner Entscheidung, den Parteitag nicht abzusagen, stehe, würde Erich-Alexander Hinz ihn zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber kein zweites Mal ausrichten. „Das war eine professionelle Entscheidung, weil wir den Vertrag vor langer Zeit geschlossen hatten. Aber grundsätzlich unterstützen wir rechtspopulistische Ansichten, wie sie teilweise bei der AfD vorkommen, nicht“, sagt Erich-Alexander Hinz entschlossen.

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