SVZ-Vereinsserie : Kino und Jugendarbeit Hand in Hand

Nur noch selten legt Uwe Höppner in die TK 35 Filme ein. Meist erfolgt das Abspielen über Blue-Ray.  Fotos: Christian Menzel
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Nur noch selten legt Uwe Höppner in die TK 35 Filme ein. Meist erfolgt das Abspielen über Blue-Ray. Fotos: Christian Menzel

SVZ-Serie „Vereine in der Region“: Filmklub Güstrow lädt regelmäßig zu Vorführungen ein / Träger von Südstadtklub und „Alter Molkerei“ in Güstrow

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31. August 2015, 06:00 Uhr

Montags und dienstags ist immer Kinotag in Güstrow. An Montagen im Südstadtklub, an Dienstagen im Kinder-Jugend-Kunsthaus. Beginn ist jeweils 20.15 Uhr. Zwei Stunden vorher beginnt Uwe Höppner die beiden Einrichtungen in einen Kinosaal zu verwandeln. Er rückt Stühle zurecht, bringt die Leinwand in Stellung, installiert einen Beamer, richtet Bildformat und Ton auf dem Blue-Ray-Abspielgerät ein. „Die Filme liegen fast ausnahmslos digital vor. Die TK 35 brauche ich nur, wenn wir einen älteren Film zeigen wollen, beispielsweise einen ‚Augenzeugen’ von früher“, sagt Höppner. Die TK 35 ist eine tragbare Tonkinokofferanlage für eine Filmbreite von 35 Millimeter, die in den 1960er-Jahren von Carl Zeiss Jena hergestellt wurde.


Filmemacher ins Schloss eingeladen


Ganz so viele Jahre hat der Filmklub Güstrow noch nicht auf dem Buckel. Am 6. Dezember 1988 gründete sich der Kinder- und Filmklub Güstrow mit dem Ziel, jungen Leuten eine attraktive Freizeitbeschäftigung zu bieten. Oft wurden zu den regelmäßigen Veranstaltungen im Klubkino des Güstrower Schlosses Filmemacher eingeladen. Ein Höhepunkt war der Besuch Schweizer Regisseure während der Schweizer Filmtage in der DDR.

Kurz darauf wendete sich alles, die Finanzierbarkeit war in Frage gestellt, aber es sollte weitergehen. 1990 gründete sich der Filmklub als Verein, Jens-Hagen Schwadt übernahm den Vorsitz und bald wurden erste Projekte in Angriff genommen. Gab es 1991 noch 14 Veranstaltungen, zu denen 265 Besucher kamen, so erreichte der Klub 1994 zirka 10 000 Menschen mit kulturell wertvollen Filmen.

Aber es gab auch Rückschläge. Als die Landesausstellung „1000 Jahre Mecklenburg“ 1995 das gesamte Renaissanceschloss belegte, mussten Bibliothek und Klubkino weichen. Vergeblich hatte Vereinschef Schwadt Unterschriften gesammelt und Protestbriefe nach Schwerin geschrieben. Unruhig ging es weiter. Mal kam das Kino in der Landwirtschaftsschule Bockhorst unter, mal im Jugendklub Phönix, mal im Gurruh, mal in der Fachhochschule, mal im Theater, mal im Bürgerhaus. „Unser großer Trumpf ist unsere Flexibilität und ein in den Jahren aufgebautes Netzwerk. Damit haben wir noch immer Räume für unser Kino gefunden“, sagt Schwadt. Der mittlerweile auch wieder Filme im Schloss spielt. „Beispielsweise zeigen wir am 18. September im ehemaligen Wirtschaftsgebäude den Film ‚Abschied von Matjora’ im Begleitprogramm zur aktuellen Ausstellung“, blickt Schwadt voraus. Auf Festen, Festivals, zu Diskussionsveranstaltungen, auf dem Weihnachtsmarkt, zu Kinderveranstaltungen – überall ist der Filmklub gefragt. „Kino passt immer“, schmunzelt Schwadt. Nur das ambulante Kino ist weniger in der Region unterwegs, seit es die Filme digital gibt und die über 40 Spielstätten eigene Technik anschaffen konnten.


Klub als Träger der freien Jugendhilfe


Eine Zäsur im Vereinsleben brachte das Jahr 2006 mit sich. Neben Filmen widmete sich der Filmklub seitdem auch der Jugendarbeit. Von der Diakonie wurde der Jugendklub „Phönix“ übernommen, nachdem der Kreistag dem Filmklub die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe verliehen hatte. Drei Jahre später kam die Trägerschaft für den Jugendklub in der Südstadt dazu. Nach der Schließung des Jugendhauses in der Rostocker Chaussee ist der Verein zudem dabei, eine mobile Jugendarbeit für die Nordstadt aufzubauen. „Das alles funktioniert nur, weil in den Jugendklubs sehr engagierte und kreative Mitarbeiter interessante Projekte realisieren“, sagt Schwadt. So beteiligt sich der Südstadtklub auch in diesem Jahr an dem Landesprojekt „Zeitensprünge“. Erfolgreich absolviert wurde das erste Jahr einer Kooperation mit dem Jugendweiheverein. Im Jugendklub „Alte Molkerei“ wurden u. a. beim Umbau der Skaterbahn mitgewirkt und ein Jugendband-Sampler über Güstrows Musikszene erarbeitet.  


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