Lohmen : Kinder begleiten die Mutter zur Reha

Melanie Alfonso freute sich sehr, dass sie bei ihrer achtwöchigen Reha ihre Tochter Shary nach Lohmen mitnehmen konnte. Das war für sie und Sechsjährige sehr schön. Links Kinderbetreuerin Manuela Ursachi. Fotos: hans-jürgen kowalzik (3)
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Melanie Alfonso freute sich sehr, dass sie bei ihrer achtwöchigen Reha ihre Tochter Shary nach Lohmen mitnehmen konnte. Das war für sie und Sechsjährige sehr schön. Links Kinderbetreuerin Manuela Ursachi.

Reha-Klinik „Garder See“ Lohmen schafft mit Dachausbau elf weitere Zimmer – Auch Aufenthaltsraum mit Spielecke und Küche geschaffen.

svz.de von
05. Januar 2018, 05:00 Uhr

Auf dem Gelände der Reha-Klinik „Garder See“ Lohmen sind am C-Trakt gerade die Rüstungen gefallen und Maler und Elektriker verlassen als letzte Gewerke die Baustelle. „Wir haben unsere Klinik durch den Ausbau eines Dachgeschosses um elf Zimmer erweitert, die ausschließlich für alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern genutzt werden. Darunter sind Einzel- und Doppelzimmer sowie kleine Suiten“, erklärt Geschäftsführer Dr. Rainer Fähnrich. Im Juli begannen die Bauarbeiten. Ab Januar werden die Zimmer genutzt. Die Klinik investierte dafür über 500 000 Euro.

Unterstützung des Genesungsprozesses

Nach der Einrichtung einer Betreuung von 21 Kinderkrippen- und Kindergartenkindern vor zwei Jahren erweitert die Klinik damit ihr Angebot in dieser Richtung. „Wir reagieren damit auf Hinweise der Kostenträger, damit alleinerziehende Mütter, die ihre Kinder nirgends unterbringen können, aber eine Reha-Kur erhalten müssen, diese antreten können“, begründet der Geschäftsführer diesen Schritt der Klinik. Außerdem helfe das den Müttern bzw. Eltern, wenn sie ihre Kinder gut versorgt in unmittelbarer Nähe wissen. Fähnrich: „Diese von unserer Klinik angebotene Betreuung unterstützt den Genesungsprozess und die angestrebte Rückkehr in die Häuslichkeit und das Arbeitsleben.“

Acht bis 16 Kinder immer in der Klinik

Dass der Bedarf da ist, beweisen Zahlen. „Wir haben immer zwischen acht und 16 Kinder vom Baby- bis ins Schulalter in unserer Einrichtung“, berichtet Verwaltungsleiter Mathias Behrens. Für die Betreuung der Krippen- und Kindergartenkinder wurden Mitarbeiter eingestellt. Die Schulkinder werden zum Unterricht in die Krakower Schule gefahren. Eingerichtet wurde ein kleiner Speisesaal für Mütter bzw. Eltern mit ihren Kindern. Zu den neuen Zimmern gehört ein Aufenthaltsraum. Behrens: „Dort haben wir eine kleine Spielecke und eine kleine Küche eingerichtet.“

Das alles gibt es aber nicht zum Nulltarif. Für die Klinik bedeutet das zusätzlichen Aufwand und Kosten, die sich jedoch lohnen. Für Fähnrich trägt dieses zusätzliche Engagement dazu bei, dass sich die Lohmener Klinik Alleinstellungsmerkmale schafft. „Das müssen wir auch. Eine Reha-Klinik braucht mindestens eine 90-prozentige Auslastung, um wirtschaftlich agieren zu können“, stellt der Geschäftsführer heraus. Mit über 300 Betten steht in Lohmen die größte Reha-Klinik des Landes. „Die gut zu betreiben, ist eine echte Herausforderung für die 200 Mitarbeiter in den Disziplinen Psychosomatik, Orthopädie sowie Onkologie, Pulmologie und Gastroenterologie“, so Mathias Behrens.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Lohmen nun einmal nicht an der Ostsee liegt, sondern ländlich gelegen ist. „Daher denken wir ständig über neue Angebote nach, die unsere Klinik noch interessanter machen, Patienten zu uns holen und vor allem den Patienten helfen gesund zu werden“, betont Fähnrich. Zu der Mutter-Eltern-Kinder-Betreuung gesellen sich daher neue Therapieangebote. Auch das wünschen sich die Kostenträger. Erfolgreich ist die Klinik z.B. mit therapeutischem Bogenschießen. Fähnrich: „Beim Bogenschießen wird Konzentration verlangt. Die Patienten, so unsere Erfahrung, kommen dabei zur Ruhe, disziplinieren sich. Wir haben medizinische Erfolge.“

Ziel: heilpädagogisches Reiten

Die möchten Fähnrich und Behrens auch mit einem ganz neuen Therapieangebot erreichen: mit heilpädagogischem Reiten. Über ein halbes Jahr ist das bis jetzt in einer Probephase gelaufen. Mit Erfolg. Das Medium Pferd wirke sich positiv auf die Patienten aus, so Fähnrich. In der Probezeit gab es bei Patienten Interesse und Akzeptanz. Positiv ist die Einschätzung der Ärzte. Das Reiten entwickle Energie, helfe den Orthopäden, fördere das Gleichgewicht und trage zum Muskelaufbau bei. Fähnrich: „Außerdem passt das in die dörfliche Landschaft und wäre ein Hingucker.“

Die Vorstellungen sind schon ziemlich weit gediehen: Es sollen Ställe und eine kleine Reithalle gebaut werden. Es würden eigene Pferde angeschafft sowie Therapeuten und Tierpfleger eingestellt, so der Geschäftsführer. Im nächsten Jahr möchte die Klinik dieses Angebot realisieren. Dazu wurde bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises eine Bauvoranfrage gestellt. Fähnrich: „Leider ist das Ergebnis noch nicht so wie wir uns das vorstellen. Es gibt wohl Probleme, weil die Klinik im Landschaftsschutzgebiet liegt. Aber wir sind im Gespräch und gehen von einer positiven und einvernehmlichen Lösung aus.“





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