Gedenktafel : Kerzenspuren erinnern an friedliche Revolution

Er war damals dabei: Der Güstrower Joachim Hennings demonstrierte am 27. Oktober 1989 mit und zeigt die Rußspuren der Kerzen an der Fassade des heutigen Amtsgerichts.
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Er war damals dabei: Der Güstrower Joachim Hennings demonstrierte am 27. Oktober 1989 mit und zeigt die Rußspuren der Kerzen an der Fassade des heutigen Amtsgerichts.

Gedenktafel soll noch dieses Jahr an Güstrower Demonstrationen im Spätherbst 1989 erinnern

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29. März 2014, 06:00 Uhr

Der 27. Oktober 1989 war ein besonderer Tag für Güstrow. 20 000 Menschen zogen vor die SED-Kreisleitung am Franz-Parr-Platz, heute das Amtsgericht. Auf Fenstersimsen und Treppen des Gebäudes zündeten sie Kerzen an. Es war ihre Art zu sagen: Keine Gewalt! Mit dieser ersten Großdemonstration leiteten diese Mutigen die friedliche Revolution in Güstrow ein. Fortan sollte die Bevormundung, die Entmündigung der Menschen durch das SED-Regime der Geschichte angehören. An die ereignisreichen Tage der Revolution im Herbst 1989 in Güstrow soll jetzt eine Tafel am Amtsgericht erinnern.

Noch heute sind einige der Rußspuren der Kerzen an der Fassade des Amtsgerichts zu sehen. Bei der Renovierung wurde bewusst ein kleiner Teil auf der linken Seite des Gebäudes ausgespart. Hier soll die Erinnerungstafel angebracht werden. Es handelt sich um eine Glastafel, auf deren Diagonalen Öffnungen sind. Die obere fokussiert den Blick auf die Kerzenspuren, die untere zeigt ein Schwarz-Weiß-Foto von Eckhard Sturz aus der Revolutionszeit. „Für dieses Kunstwerk konnten wir den international bekannten Künstler Jörg Herold aus Leipzig gewinnen“, sagt Regina Erbentraut, Vorsitzende des Kunst- und Altertumsvereins Güstrow, der sich des Denkmals angenommen hat. „Sein Entwurf entspricht dem Wunsch nach einem zeitgemäßen und unpathetischen Gedenken an das für die Teilnehmer brisante Geschehen am 27. Oktober 1989“, sagt sie. Herold habe den Auftrag für die Erinnerungstafel selbst als „Herzenswunsch“ bezeichnet.

„Es soll ein Denkmal für die Güstrower Bürger sein“, unterstreicht Joachim Hennings vom Kunst- und Altertumsverein. Er war selbst damals am 27. Oktober und den folgenden Demonstrationen dabei. „Es war wie eine innere Befreiung. Ein Knoten ist geplatzt, obwohl man nicht wissen konnte, wie es ausgeht“, erinnert er sich.

Doch für die Realisierung dieses wichtigen Denkmals benötigt der Kunst- und Altertumsverein noch Spenden. Die Kosten betragen 5000 Euro. Demnächst sollen in Güstrow Spendenlisten ausliegen. Die Spender werden in die für 2015 geplante Broschüre zu der Gedenktafel aufgenommen. Am 27. Oktober, dem 25. Jahrestag der Güstrower Revolution, soll die Erinnerungstafel angebracht werden.

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