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Friedliche Revolution : Kerzen als Mittel zur Freiheit

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Erinnerungstafel zur friedlichen Revolution gestern Abend am Güstrower Amtsgericht enthüllt / Friedensgebet im Dom

von
erstellt am 28.Okt.2014 | 06:00 Uhr

20 000 Menschen zogen am Abend des 27. Oktober 1989 vor die Güstrower SED-Kreisleitung auf den Franz-Parr-Platz, heute das Amtsgericht. Bevor die Demonstration gegen das antidemokratische und autoritäre Regime in der DDR im Dom ihren Abschluss fand, zündeten sie Kerzen auf den Fenstersimsen und Treppen der Kreisleitung an. Diese Kerzen haben Spuren am Gebäude hinterlassen. Genau dort erinnert seit gestern Abend eine Gedenktafel an den gewichtigen Beitrag der mutigen Güstrower Bürger zur friedlichen Revolution von 1989.


Öffnung lenkt Blick auf Kerzenspuren


Auch gestern zogen wieder zahlreiche Güstrower wie vor 25 Jahren mit Kerzen an den historischen Ort. Enthüllt wurde die Erinnerungstafel von Joachim Hennings vom Kunst- und Altertumsverein Güstrow, der das neue Denkmal initiierte, und dem Künstler Jörg Herold, der die Tafel schuf. Die obere Öffnung der Glastafel fokussiert den Blick auf die Kerzenspuren, die untere zeigt ein Foto des Güstrowers Eckhard Sturz von der damaligen Demonstration. Hennings hatte sich seit Jahren für dieses Denkmal stark gemacht, war selbst damals bei den Güstrower Freitagsdemonstrationen dabei. Von der künstlerischen Umsetzung zeigte er sich gestern begeistert: „Die Glastafel ist wirklich ganz toll gelungen, ganz nach der Devise: ,Mehr Sein als Schein’“.

Regina Erbentraut, Vorsitzende des Kunst- und Altertumsvereins, beschwor gestern mit Blick auf die Revolution 1989 und die neue, durch Spenden der Güstrower finanzierte Erinnerungstafel die „Wirkungsmacht der kleinen Lichter“. Der Verein wollte keine herkömmliche Inschriftentafel, sondern das Denkmal sollte die Bedeutung der Kerzen für die friedliche Revolution symbolisieren. Mit der oberen Öffnung der Glastafel werde jetzt direkt auf diese authentischen Kerzenspuren der damaligen Demonstrationen in Güstrow hingewiesen. „Die Kerze ist das Leitsymbol der friedlichen Revolution“, sagte Regina Erbentraut. Und das komme durch die Glastafel hervorragend zur Geltung. „Wir dürfen nie vergessen, was wir den Demonstranten von damals zu verdanken haben“, so Regina Erbentraut. Auch dafür stehe die Tafel.

Einer dieser Demonstranten war damals auch der Güstrower Volker Mischok, heute Domprediger in Schwerin. Gestern rief er allen den bedeutenden 27. Oktober 1989 noch einmal ins Gedächtnis. „Diesen Tag werde ich nie vergessen.“ Er erinnerte an die „lange Lichterkette, die den Schlossberg hinaufgezogen“ sei. Vor der SED-Kreisleitung habe sich ein „Lichtermeer“ ausgebreitet. „Es war ein Akt der Befreiung von uns aus, Befreiung aus einer Starre, die uns alle erfasst hatte. Endlich wehte frische Luft, wir spürten den Mut zum Lebendigsein und zur Freiheit“, sagte Mischok. Noch heute freue er sich, „dass wir damals all unseren Mut zusammengenommen haben, um frei zu werden – und dass wir das auch geschafft haben“.


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