zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

17. Oktober 2017 | 17:25 Uhr

Ernst Barlach : Keramik Barlachs im Fokus

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Die Güstrower Ernst-Barlach-Stiftung eröffnet am Internationalen Museumstag ihre Hauptausstellung im Ausstellungsforum-Graphikkabinett.

von
erstellt am 18.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Farbenfrohe, fantasievolle Keramik ist von Sonntag an in der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow zu sehen. Keramische Werke Ernst Barlachs und seine kurze Lebensstation in Höhr im Westerwald sind in der diesjährigen Hauptausstellung der Barlach-Stiftung das Thema. Über mehrere Jahrzehnte, bis hin in die 1930er Jahre, spielte die Keramik in Barlachs Schaffen eine Rolle.

Eine konzentrierte „keramische Phase“ gab es von 1902 bis 1908. Er arbeitete zunächst mit der Kunsttöpferei von Hermann Mutz in Altona zusammen, später mit dessen Sohn Richard Mutz in Berlin. Eine ganze Reihe der schönsten Plastiken und Gefäße, die damals entstanden sind, vor allem in Steinzeug, wird im Ausstellungsforum-Graphikkabinett gezeigt. Große Vasen mit reizvollen Masken-Verzierungen sind dabei, auch Reliefs und figürliche Plastiken – alles mit farbigen Glasuren nach alten japanischen Vorbildern, zum Teil auch mit Überlaufglasur. „Es sind Stücke mit einer wunderbaren Farbigkeit – diese sieht man viel zu selten“, sagt Inge Tessenow von der Barlach-Stiftung.

Aufgrund seiner Spezialkenntnisse auf dem Gebiet der Keramik erhielt Barlach eine Empfehlung ins Rheinland, als Lehrer an die Königliche keramische Fachschule in Höhr im Westerwald. Erstmalig widmet die Barlach-Stiftung Güstrow eine Ausstellung und Publikation dem Frühwerk Ernst Barlachs. Dabei insbesondere dieser Station in seinem Leben, die bisher kaum beachtet wurde, für seine künstlerische Entwicklung aber wichtig war. In Höhr sah sich Barlach jedoch mit den nüchternen Tatsachen des Schulbetriebes konfrontiert. „Der feste Stundenplan mit 26 Wochenstunden Unterricht – auch am Sonnabend – lies Barlach kaum Zeit um selbst noch künstlerisch tätig zu sein“, fasst Inge Tessenow zusammen.

Dass Barlach als junger Lehrer sein Amt loyal und verantwortungsbewusst mit menschlichem Feingefühl und pädagogischem Gespür ausübte, belegen seine Zeichnungen und Taschenbücher, die zeichnerische Studien für den Unterricht und schriftliche Notizen festhalten, sowie seine Briefe und weitere Dokumente. Vieles, darunter bislang wenig oder gänzlich Unbekanntes, wird in der neuen Ausstellung gezeigt. Barlachs Vorliebe für Figürliches wurde indes von dem Direktor der Fachschule kritisiert, ging es doch vor allem um die traditionelle Ausrichtung des Lehrstoffes auf Gefäßkeramik. In ihr wurde nach wie vor das Betätigungsfeld der künftigen Absolventen gesehen. Obwohl in den Jahren, bevor Barlach an die Schule kam, der Unterricht erneuert und umstrukturiert worden war, hielt man doch noch sehr an alten Lehrmeinungen fest. Barlach erlebte in Höhr auf eine Phase des Übergangs.


Hauptausstellung ist bis September zu sehen

Die Lehrmethoden des 19. Jahrhunderts hatte Barlach auf der Gewerbeschule in Hamburg selbst kennengelernt. Dort richtete sich die Übung im Zeichnen nach künstlerischen Vorbildern, Kartons und plastischen Modellen. Schon seit seiner Studienzeit in Dresden bevorzugte Barlach die frei-kreative Methode. Er arbeitete nach der Natur und befand sich auf dem Weg in die Moderne. Wenn das Naturstudium an der Fachschule in Höhr auch eine gewisse Rolle spielte, war Barlach der Ansicht, dass es wichtig ist, den Schülern genügend Zeit zu lassen, eigene Ideen zu entwickeln und sich zu erproben. Für den damals 34-jährigen Ernst Barlach bestand keine Aussicht, dass sich an der in Höhr vorgefundenen Situation, zu Bedingungen hin, die es ihm ermöglichten, Lehrtätigkeit und eigene künstlerische Arbeit zu vereinbaren, etwas ändern würde. Barlach war konsequent. Souverän in seinen Entscheidungen, gab er die Stelle schon nach einem halben Jahr wieder auf, weiß Inge Tessenow.

„Wir wollen zeigen, dass diese Zeit eine wichtige Etappe seines Lebens und Schaffens war – nicht allein die bekannte Russland-Reise 1906“, macht Tessenow weiter deutlich. Die Taschenbücher Barlachs aus seiner Zeit in Höhr enthalten mehrere figürliche Skizzen, die in ihrer Gestaltfindung eine auffallende Verknappung zeigen. Die figürlichen Zeichnungen Barlachs weisen in auf Zukünftiges hin. Im Prozess der Abstraktion, der Formreduktion, zu der ihn die keramische Arbeit inspiriert, findet Barlach neue gestalterische Möglichkeiten.

Die Präsentation zu Barlachs frühem Schaffen auf dem Gebiet der Keramik und seinem Aufenthalt im Rheinland gibt über wichtige Stationen in seinem Leben Aufschluss. Die neue Schau „Ernst Barlach. Auf dem Weg in die Moderne – Stationen der Frühzeit – Keramik in Altona und Berlin, Lehrer in Höhr“ ist von Sonntag an bis zum 4. September in der Barlach-Stiftung zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Internationalen Museumstag um 11.30 Uhr. Es sprechen Ulf Tielking, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Barlach-Stiftung, Stiftungsgeschäftsführer Volker Probst und Kuratorin Inge Tessenow.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen