Ausgrabungen Domplatz Güstrow : Keller zeugt von Wohlstand des Bauherren

Simone Nitsche und Holger Fries vermessen und notieren die archäologischen Funde.
Simone Nitsche und Holger Fries vermessen und notieren die archäologischen Funde.

Abschluss der archäologischen Untersuchungen am Domplatz 18 in Güstrow.

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05. April 2017, 21:00 Uhr

Freigelegt sind die Reste eines L–förmigen Kellers am Domplatz 18. Er dürfte zu einem Haus aus dem 16. Jahrhundert gehören und war bei Umbauten im 18. Jahrhunderts zum Teil verfüllt worden, berichtet Dr. Holger Fries, der in den vergangenen gut drei Wochen die archäologischen Untersuchungen des Grundstückes, das demnächst durch die Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) bebaut wird, leitete.

Schon vor einigen Jahren, als die Errichtung eines Neubaus anstelle des 2004 abgebrannten Hauses erfolgen sollte, waren Archäologen auf dem Grundstück tätig. Damals kratzten die archäologischen Untersuchungen nur an der Oberfläche, weil für den Neubau kein Keller vorgesehen war. „Was damals noch gefehlt hat, haben wir jetzt archäologisch erfasst“, sagt Fries. Er steht auf den Lehmfußboden des Kellers mit offensichtlichen Brandstellen. Vermutlich habe man ihn deshalb bei Umbauarbeiten im 18. Jahrhundert aufgegeben. „Allein die Größe des Kellers zeugt vom Wohlstand des Bauherren“, fügt der Archäologe hinzu. Ein großer Teil des Gebäudes war unterkellert, die Bauausführung aufwendig. Bauweise und Steinformate würden die Annahme aus der ersten archäologischen Untersuchung, dass am Domplatz im 16. Jahrhundert gebaut worden war, bestätigen. Damals war eine Münze von 1560 gefunden worden. Das passt generell zur baulichen Nachbarschaft – zwei Häuser weiter steht das Lühe’sche Haus, bekannt auch als Wallensteins Hofgericht (1583). Davor, so nimmt Fries an, hat es am Domplatz vermutlich Gärten gegeben. Gefunden habe man Pfostenlöcher und ein paar Gruben sowie einen Holzkasten in der Größe 1,80 mal 1,80 Meter. „Daran können wir keine mittelalterliche Bebauung festmachen“, betont Fries. Wahrscheinlicher sei ein Garten mit vielleicht einer leichten Bebauung. Im Holzkasten seien wohl im 14./15. Jahrhundert Küchen- und Gartenabfälle gelandet. Scherben und Glas aus dem Mittelalter würden darauf hinweisen.

Etwas ergiebiger war die Füllmasse im Keller. Fries berichtet von Ofenkacheln und Gebrauchskeramik, von Koch- und Tischgeschirr aus dem 18. Jahrhundert. Auch eine Handvoll Münzen und so genannte Rechenpfennige – münzartige Plättchen, die die Kaufleute zum Rechnen benutzten – fanden sich. Dass die Leute scheinbar zu allen Zeiten Geld verloren, ist für die Archäologen sehr praktisch. Die Münzen seien nicht wertvoll, aber von unschätzbarem Wert für die Datierung, erklärt der Archäologe.

Ende der Woche ist am Domplatz 18 alles vermessen, fotografiert und dokumentiert, bevor der Bagger anrückt und die Baugrube für den Keller des neuen Hauses aushebt. Der Archäologe wird noch einen Blick darauf werfen, erwartet aber unter dem Lehmboden des Kellers nichts mehr. Ende Mai könnte es losgehen. Derzeit warte man noch auf die Baugenehmigung, so WGG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt.

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