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Güstrower Anzeiger

18. Oktober 2017 | 09:41 Uhr

Abschied : Keinen Tag zu früh in Rente

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Laages Kämmerer Karl-Heinz Schwarz verabschiedet sich mit 65 Jahren und vier Monaten aus dem Arbeitsleben

von
erstellt am 27.Okt.2015 | 18:42 Uhr

Mit 65 Jahren und vier Monaten geht Karl-Heinz Schwarz in Rente. Heute ist offiziell der letzte Arbeitstag des Kämmerers – exakt: Leiter des Geschäftsbereiches Haushalt und Finanzen – im Laager Rathaus. Seinem Schreibtisch sieht man es nicht an. Es sei noch so viel zu tun, erklärt er. Eigentlich habe er Anfang Oktober mit dem Aufräumen beginnen wollen. Dass das nicht klappte, mag auch damit zu tun haben, dass der Kämmerer nicht so ganz freiwillig geht. Er könnte auch noch weiterarbeiten. Der Abschied, muss er gestehen, falle ihm nach fast 23 Jahren schwer – der Abschied von der Arbeit und von Laage.

Dabei darf sich Karl-Heinz Schwarz, der in Gutow wohnt, langsam daran gewöhnen. Noch bis Jahresende ist er Geschäftsführer der Laager Wohnungsgesellschaft (LWG), wird also bis dahin noch in der Recknitzstadt zu tun haben. Und danach dürfte das Loch, in das er fallen könnte, auch gar nicht so große sein, denn auf die Frage nach dem Danach, kommen spontan viele Antworten. Er nennt das Interesse an der spanischen Sprache. Einmal in der Woche trifft er sich mit Gleichgesinnten. Dabei geht es nicht um das Erlernen der Sprache, sondern um Konversation. „Als ich bei den Türenwerken in Güstrow arbeitete, war ich auch für die Arbeiter aus Kuba zuständig“, erklärt er seine Affinität zur spanischen Sprache.

Dann hat er sich schon bei der Uni in Rostock eingeschrieben. Philosophie habe ihn schon immer interessiert. Aber zu DDR-Zeiten sei man über den dialektischen Materialismus nicht hinaus gekommen. Das soll sich für ihn ändern. Morgens wird er laufen, danach vielleicht in gutes Buch lesen. „Ich habe immer mehr Bücher gekauft, als ich lesen konnte. Die wollte ich lesen, wenn ich Zeit dafür habe“, erzählt der 65-Jährige. Und dann seien da auch die drei Enkelkinder in Stuttgart und das jüngste Enkelkind in Hamburg.


Kämmerer müssen nicht immer lächeln


Karl-Heinz Schwarz ist in der Nähe von Demmin geboren und in Stralsund aufgewachsen. Je nach Gefühlslage sieht er sich als Preuße oder Südschwede. (Gerade ist es 200 Jahre her, dass die schwedische Herrschaft endete und sie ihre Gebiete in Vorpommern an Preußen abtrat.) Er machte Abitur und lernte nebenbei den Beruf eines Maschinenschlossers auf der Stralsunder Werft, studierte Betriebswirtschaft in Rostock, lernte dort seine Frau Sabine kennen und kam mit ihr nach Güstrow. Dafür habe es nur ein Argument gegeben: Über den VEB Landmaschinenbau, wo seine Frau anfing, bekam man eine Wohnung. Karl-Heinz Schwarz leitete die Materialwirtschaft bei den Türenwerken, ein Job, der auch manchen Vorteil mit sich brachte, gesteht er.

Nach einem Abstecher in die Versicherungsbranche, kam ihm das Stellenangebot aus Laage im Februar 1993 gerade recht. „Für mich ein Glücksfall“, sagt er. Die kommunale Selbstverwaltung sei noch im Aufbau begriffen gewesen. „Finanzen, das liegt mir“, betont der 65-Jährige. Man müsse nur die richtige innere Einstellung dazu haben. Auch privat rechnet Karl-Heinz Schwarz. Und einen Vorteil des Kämmerers will er auch nicht verhehlen: „Man muss nicht den ganzen Tag freundlich lächeln.“ Er habe seine Arbeit immer gern gemacht und dabei nie auf die Uhr geschaut.


Herzenssache: Sportnachwuchs


Die Ansiedlung des Temic-Werkes (Gasgeneratoren/heute TRW) sei sehr spannend gewesen, die Wirtschaftsansiedlungen überhaupt. Sie seien heute ein Aushängeschild für Laage. Als Frühstarter bei der doppischen Haushaltsführung habe man zwar einige Nerven gelassen, sich aber „in der kommunalen Welt auch einen Ruf erarbeitet“, formuliert der scheidende Kämmerer. Als LWG-Geschäftsführer nennt er Kronskamp als größte Herausforderung. Nach zwei Privatisierungen, die eher schief gegangen waren, sei die Übernahme der Wohnungen durch die LWG schon abenteuerlich gewesen. „Heute sieht Kronskamp vernünftig aus. Darauf bin ich stolz“, sagt Karl-Heinz Schwarz.

Und da ist noch etwas, was ihm am Herzen liegt: die Unterstützung der LWG für den sportlichen Nachwuchs in Laage. Unterstützt werden beide Sportvereine. Wenn Karl-Heinz Schwarz sich am 13. November feierlich in Laage verabschiedet, möchte er keine Geschenke haben, sondern würde sich über eine Spende für den Sportnachwuchs freuen. Seinen Platz in der Verwaltung wird Diana Schmechel einnehmen. „Ich weiß, dass ich mir keine Sorgen machen muss“, sagt der scheidende Kämmerer.

 

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