Keine Chance auf Bewährung

Güstrower muss nach Morddrohungen für sechs Monate ins Gefängnis

svz.de von
25. September 2015, 05:46 Uhr

Die Jugendstrafkammer des Landgerichtes Rostock verhandelte jetzt über einen Berufungsantrag des Güstrowers Fabian M. (22). Als er 15 war, schlug er einen Mann halbtot und erhielt dafür wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung eine Jugendstrafe von fünfeinhalb Jahren, die er bis zum letzten Tag verbüßte. Am 5. Juni 2013 kam er auf freien Fuß, wurde aber bis zum 5. Juni 2018 mit entsprechenden Auflagen unter Führungsaufsicht gestellt. Er durfte keinen Tropfen Alkohol trinken, musste sich regelmäßig einer Alkoholkontrolle unterziehen und den 14-tägigen Kontakt zu seiner Bewährungshelferin einhalten. Das ging nicht lange gut. Am 3. Juni 2014 wurde er wegen Bedrohung und Verstoß gegen die Führungsaufsicht zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Am 14. Juli 2015 stand er erneut vor Gericht. Wieder lautete der Vorwurf Bedrohung und Verstoß gegen die Führungsaufsicht in drei Fällen. „Ich bringe dich um, du wirst sterben, ich schlage dich tot“, hieß es in den SMS-Nachrichten, die er seiner Ex-Freundin schickte. Sie nahm die Todesdrohungen vor dem Hintergrund seiner Vergangenheit sehr ernst. Fabian M. wurde drei Mal positiv auf Alkohol getestet. Das Amtsgericht Güstrow verurteilte den 22-Jährigen diesmal zu einer dreimonatigen Haftstrafe.

Gegen dieses Urteil hatte er Einspruch eingelegt. Sein Ziel: eine Bewährungsstrafe. Der Vorsitzende Richter stellte Fragen über Fragen, die der 22-Jährige nur widerwillig beantwortete. Seine Ausbildung zum Teileinrichter habe er nicht fortgesetzt, weil er ganz von vorne anfangen sollte, was er nicht wollte. Außerdem habe er nur Kreuzworträtsel lösen müssen. „Ich gebe mir Mühe, mein Leben in geordnete Bahnen zu bekommen“, sagte er. Seine Bewerbungen seien alle erfolglos.

Der Vorsitzende Richter verlas den Bericht der Güstrower Bewährungshelferin. Die Zusammenarbeit würde sich schwierig gestalten, heißt es darin. Zur Alkoholkontrolle an jeden zweiten Tag erscheine er nicht. Er habe keine Alkoholprobleme, antwortet der Angeklagte. Außerdem würde er die Mitarbeiterin der forensischen Einrichtung nicht mögen. Bis zum Februar 2015 hätte er die 14-tägigen Kontakttermine meistens eingehalten, schreibt die Bewährungshelferin. Aber seit April sei der Kontakt völlig abgebrochen und sein Lehrverhältnis gekündigt worden, weil er nicht zur Arbeit erschien.

„Sie haben Todesdrohungen verschickt“, sagte der Richter. Wenn das Gewaltdelikt auch schon Jahre zurückliege, so sei sein damaliges Opfer doch fürs Leben gezeichnet. „Für eine Bewährungsstrafe lässt uns das Gesetz überhaupt keinen Raum“, erklärte die Staatsanwältin. Der Verteidiger zog mit Zustimmung seines Mandanten die Berufung gegen das Güstrower Urteil zurück. Damit muss Fabian M. eine sechsmonatige Haftstrafe verbüßen. Denn der Widerruf des Urteils von 2014 kommt noch hinzu.


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