zur Navigation springen

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“ : Kein Fernseher und Handy, aber Natur pur

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: der Fotograf, Grafiker und Bildhauer Jim Schütz aus Neu Ziddorf

Als Jim Schütz 1975 nach Neu Ziddorf zog, zählte der zur Gemeinde Dahmen gehörende Ort gerade mal vier Einwohner. Durch Zuzug und Geburten ist die Zahl inzwischen auf 15 gestiegen. Fernseher, Handy oder Computer hat Jim Schütz nicht, dafür Telefon, Radio und die üppige Landschaft der Mecklenburgischen Schweiz direkt vor der Haustür. Die nutzt der 70-Jährige für tägliche, ausgedehnte Spaziergänge, den Skizzenblock in der Tasche und den Blick auf Naturmaterialien gerichtet, die sich zu künstlerischer Weiterverarbeitung eignen.

Geboren wurde Schütz in Wiepke in der Altmark. Nach dem Studium Kunsterziehung/Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin machte er sich als Fotograf und Grafiker selbstständig. Der Verband bildender Künstler, dem er schon früh beitrat, führte ihn als Foto-Grafiker. Die Selbstständigkeit hat er immer geschätzt. „Ich bin als Künstler nicht reich geworden, aber ich hatte immer die Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich machen wollte“, erzählt er. Seinen beiden Töchtern habe er einen Rat mit auf den Lebensweg gegeben, der ihm selbst Maxime gewesen sei: „Wenn du die Wahl hast, ob Arbeit Geld einbringen oder Spaß machen soll, dann wähle den Spaß.“


Humor und eine Portion Schalk


Diese Haltung findet sich in vielen seiner Arbeiten, in denen er Land und Leute thematisiert, aber dabei Humor und eine kräftige Portion Schalk vermittelt. Verloren ging ihm diese Lebensfreude auch nicht, als ihn ein Augenleiden zwang, mit Grafiken kürzer zu treten und das Autofahren ganz aufzugeben. Seit er nach der Wende auf der anderen Seite des Teiches ein Haus bauen musste, hat er sich verstärkt der Holzbildhauerei zugewandt. Die Weiden ums Grundstück nutzt er als Grundstock für seine „komischen Vögel“, die verschiedentlich in der Landschaft stehen. Weißdorn und Eiche verarbeitet er besonders gern. Um die alte Mühle in Teterow finden sich viele seiner Kleinplastiken. Den Motorradfahrer, der jetzt den Weg zu Europas schönster Grasbahn weist, hat er geschaffen. In Ausstellungen in Lelkendorf, der Ziddorfer Wassermühle oder im Speicher von Groß Köthel waren seine Arbeiten zu sehen. Zwei Steinarbeiten finden sich auf dem Skulpturenweg Görtzhausen-Burg Schlitz.

Die meisten der neueren Plastiken hat er aus seiner „Wundermasse“ geschaffen. Das ist eine Mischung aus fettem Lehm, Sägespänen und noch einigen geheim gehaltenen Zutaten. Mit Acrylkleister und Kupferfarbe angestrichen, wirke die Skulptur wie Bronze, beteuert er. „Auf Wunsch bekomme ich auch noch die Patina hin“, schmunzelt Jim Schütz, der eigentlich Herrmann Schütz heißt. „Aber unter diesem Namen kennt mich kein Mensch“, sagt er und lacht. Der Spitzname „Jim“, den ihn eine Kommilitonin beim Kartoffeleinsatz verpasst habe, sei damals mit nach Mecklenburg gereist.

In seinem Fundus hat der Mann mit dem charakteristischen Schnauzbart noch gut 120 Fotos aus seiner Fotografenzeit. Die hatte er in Ausstellungen „Landleben in Mecklenburg (1977-89)“ gezeigt und denkt mit dem Lehmstedt-Verlag über die Herausgabe eines Bildbandes nach. Das noch zu lösende Problem: die Negative müssen dafür digitalisiert werden.

An seinen Holzplastiken arbeitet Jim Schütz im Winter im geräumigen, auch als Küche genutzten Atelier, im Sommer im Freien unter selbst gebauten Dachkonstruktionen. Mit Bildhauerkollegen aus der Region – Wilfried Duwentester, Ralph Wedhorn, Arndt Weigend – trifft er sich gelegentlich zu privaten Pleinairs. Seit kurzem hat Jim Schütz eine weitere Passion gefunden: Er führt Besuchergruppen durch den Park von Burg Schlitz. Die Spazierstöcke, die er dabei an seine Gäste verteilt, hat er natürlich selbst geschnitzt.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen