zur Navigation springen

Inselseekanal Güstrow : Kein baden, angeln und Boot fahren

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Joachim Jäckel kritisiert Zustand des Güstrower Inselseekanals. Ursache: Fischaufstieg Kirch Rosin

Joachim Jäckel konnte im Güstrower Inselseekanal früher baden, angeln und Boot fahren. Das ist jetzt nicht mehr möglich, weil der Kanal zu wenig Wasser führt und total verkrautet ist. Das hat er bisher noch nicht erlebt. Seit 1973 hat er dort sein Grundstück, von der Stadt gepachtet. Was an Unterhaltung am Kanal gemacht wird, reicht ihm nicht. Ein einmaliges Entkrauten wie im August genügt nicht, um Abhilfe zu schaffen. „Ich möchte, dass das verändert wird“, sagt unser Leser im „Heißen Draht“.

SVZ-Recherchen ergaben, dass mehrere Behörden Verantwortung tragen: der Wasser- und Bodenverband „Nebel“, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu), der Landkreis als Untere Wasserbehörde und die Stadt Güstrow. Nach Meinung von Joachim Jäckel nimmt sie aber keiner im Sinne der Anlieger wahr.


Nötig wäre dreimaliges Entkrauten im Jahr


Der Wasser- und Bodenverband informiert, dass der Kanal einmal im Jahr entkrautet wird. Dreimal wäre jedoch nötig. Dafür fehlt aber das Geld. Hier könnte die Stadt einspringen und helfen, sagt Verbandsingenieur Ulf Schade. Der Verband hat die gesetzliche Pflicht, den Wasserdurchfluss zu gewährleisten. Das geschehe, aber nicht zur Zufriedenheit der Anlieger, wie Schade einräumt. Denn der Verband hat auch für Wasser im Mühlbach und im Stadtgraben zu sorgen. Hauptprobleme, so der Verband, seien der Fischaufstieg Kirch Rosin und der Durchfluss der Nebel, der Priorität habe. Für den Fischaufstieg werden zwei Drittel des Wassers vom Teuchelbach benötigt, nur ein Drittel geht Richtung Inselsee und Kanal. Damit könne das benötigte Stauziel von 30 bis 35 Zentimetern nicht erreicht werden, stellt Ulf Schade fest. Das wiederum müsse von der Stadt beantragt werden. Die Entscheidung darüber fällt der Landkreis. Bei einem so genannten Durchfluss-Monitoring sei das beratschlagt worden.

Schade: „Über allem allerdings schwebt die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Die gibt die Sanierung der Nebel von der Quelle bis zur Ostsee vor. Deshalb ist auch die Fischtreppe in Kirch Rosin gebaut worden. Danach hat eben die Nebel Vorrang.“ – Und der Inselsee und der Kanal müssen darunter leiden. Sagen die Anlieger.

Dörte Kolbow, Abteilung Naturschutz, Wasser und Boden des Stalu, bestätigt die Wasserverhältnisse im Kanal, den Konflikt und die Ursachen dafür, wie sie der Verband SVZ dargestellt hat. Gleichzeitig betont sie, dass das Stalu im Gegensatz zum Verband und dem Landkreis keine unmittelbare Zuständigkeit hat.


Stalu bestätigt Ursache und Konflikt


Kolbow: „Wir sind als wasserwirtschaftliche Fachbehörde für den landeskundlichen Messdienst, d.h. das Erfassen von Gewässerdaten im Landesmessnetz und für die Bewirtschaftungsplanung nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie zuständig.“ Darüber hinaus würden für Projekte zum Umsetzen der Bewirtschaftungsplanung nach der Richtlinie im Stalu die Fördermittel ausgereicht, so Kolbow.

Kay-Uwe Neumann, Landkreis-Sprecher, stellt fest, dass der Wasser- und Bodenverband „Nebel“ für die Gewässerunterhaltung verantwortlich ist. Der Landkreis könne in Fragen der Unterhaltung nicht restriktiv regulierend in die Arbeit eingreifen, so Neumann. Mit dem Entkrauten des Kanals im August sei der hydrologische Abfluss gewährleistet.

Auch Kay-Uwe Neumann erklärt, dass der jetzige Zustand mit dem Bau der Fischtreppe bei Kirch Rosin und der neuen Wasserverteilung zusammenhängt. Das Verfahren wird durch ein Monitoring begleitet. Neumann: „Die Wasserverteilung ,bevorteilt’ die Nebel für ihre ökologische Durchgängigkeit. Beim Inselseekanal ist sie ohnehin nicht durch den Absturz Mühle an den Barlachstuben gegeben.“ Dazu würden die Wasserstände kommen, die derzeit unter dem mittleren Niedrigwasser liegen. Neumann: „Der Durchfluss ist gering und begünstigt das Wachstum. Das gilt auch für den Inselseekanal.“ Er bestätigt, dass die Stadt Güstrow einen Antrag auf Eröffnung eines Staurechtsverfahrens gestellt hat. Neumann: „Der wird bearbeitet.“

Karin Bartock, Stadt-Sprecherin, erklärt dazu: „Gegenstand des Antrags ist in Absprache mit dem Stalu ein Anstau im Inselsee im Winter um zusätzlich fünf Zentimeter.“ Die Niederschläge der kommenden Wintermonate sollen außerdem genutzt werden, um im Frühjahr/Sommer so viel wie möglich Wasser abgeben zu können und damit die Wassermenge im Inselseekanal zu erhöhen, so Karin Bartock. Das soll den kritisierten Zustand verbessern.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen