Mittelalterfund Güstrow : Kattrepel: Schmelzofen entdeckt

Mitten im Schmelztiegel: Holger Fries und Studentin Tine Karck säubern den Fund zur V ermessung.  Fotos: eckhard rosentreter (2)
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Mitten im Schmelztiegel: Holger Fries und Studentin Tine Karck säubern den Fund zur V ermessung. Fotos: eckhard rosentreter (2)

Archäologen finden Nachweise für mittelalterliche Metallverarbeitung in Güstrower Altstadt. Ein Experte bezeichnet dies als einen außergewöhnlicher Fund

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01. September 2015, 06:00 Uhr

Temperaturen von 1200…1300 Grad herrschten einst in der kleinen Straße Kattrepel in der Güstrower Altstadt. Das mag vor ungefähr 350 Jahren gewesen sein, so etwa in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, haben Archäologen jetzt herausgefunden.

Seit einem Monat graben bis zu fünf Experten im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege das kleine Stück Baulücke zwischen Langer Straße und Gleviner Mauer auf, mindestens einen Meter gehen sie in die Tiefe, schauen, was unsere Vorfahren uns hier hinterlassen haben. „In der Altstadt“, erzählt Dr. Holger Fries, „kann man immer mit Fundstellen rechnen.“ Hier hätten sie sogar einiges erwartet. Nach wochenlanger Grabung ist der Mittelalter- und Neuzeit-Archäologe jetzt aber begeistert: „Was wir da entdeckt haben, ist schon außergewöhnlich: ein Buntmetall-Schmelzofen.“ Fries zeigt auf eine rundliche, ausgeziegelte Aussparung im Erdreich: „Dies ist ein klarer Hinweis auf mittelalterliche Metallverarbeitung. Hier war ein sogenannter Grapengießer am Werk.“ Das müsse kurz nach der Wallenstein-Zeit gewesen sein, meint Fries. Prompt findet der Archäologe auch grüne Scherben, Reste eines Keramiktöpfchens, wie der Kenner gleich sieht.

Direkt daneben, an der Flanke zur Langen Straße, stand schon im 15. Jahrhundert ein Haus, erkennt Holger Fries am mittelalterlichen Lehmfußboden. In einem Meter Tiefe ruhend, stelle dieser noch heute guten Baugrund dar. Eine jetzt sichtbare Feldstein-Ummauerung sei im 17. Jahrhundert das Fundament für ein Haus gewesen. Auf der anderen Seite, an der Gleviner Mauer, müsse damals Garten gewesen sein, wie aufgefundene Spatenspuren nahelegen. Diese Stelle wurde erst im späten 18. Jahrhundert überbaut, und ein nachfolgender Bau stand bis nach der Wende.

Die Scherben und weitere Fundstücke werden geborgen und für die weitere wissenschaftliche Arbeit gesichert. Die Überreste des früheren Schmelzofens hingegen werden unter der Baggerschaufel in den nächsten Tagen für immer verschwinden. Platz entsteht für etwas Neues, die AWG schließt über dieser Stelle die Lücke im Kattrepel mit zwei Wohnhäusern.

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