Klosterhof Güstrow : Kapelle und Friedhof entdeckt

Archäologe Holger Fries (l.) und Michael Schirren vom Landesamt übergaben die Klosterhof-Baustelle an Bauleiter Jens Theege (Mitte) vom Ingeneurbüro Baupartner zurück. Fotos: Regina Mai, Christian menzel
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Archäologe Holger Fries (l.) und Michael Schirren vom Landesamt übergaben die Klosterhof-Baustelle an Bauleiter Jens Theege (Mitte) vom Ingeneurbüro Baupartner zurück.

Denkmalamt beendet Ausgrabungen auf dem Güstrower Klosterhof und muss Beweis für Klostergebäude schuldig bleiben.

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21. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Abgeschlossen sind die archäologischen Untersuchungen auf dem Klosterhof in Güstrow. Archäologe Dr. Holger Fries und Dr. Michael Schirren vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege übergaben jetzt das Terrain wieder an die Bauleitung. Die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft Güstrow-Parchim (AWG) wird auf dem Gelände Wohnhäuser errichten lassen. „Es war uns möglich im großen Buch der Geschichte ein wenig zu blättern. Wir haben wertvolle Erkenntnisse zur Stadtgeschichte gewonnen“, betont der Dezernatsleiter.

Aus historischen Schriften ist bekannt, dass es auf dem Areal einst unter anderem eine Heiligblutkapelle, eine Synagoge, einen Klosterfriedhof, eine Brauerei und Vorratsgebäude gegeben hat. „Die genaue Lage einzelner Gebäude ist nicht bekannt. Ohnehin weiß man nie, was noch da ist“, sagt Schirren. In den vergangenen fast vier Monaten konnten Fries und seine Grabungsmitarbeiter u.a. die Existenz des Klosterfriedhofes im 14. und 15. Jahrhundert und die Heiligblutkapelle nachweisen. Erst zuletzt waren Reste des Gotteshauses im Bereich des Grabungsfeldes nahe am Vorplatz des Finanzamtes gefunden worden. Fries spricht von bemaltem Fensterglas. Die Kapelle war 1333 erbaut und beim großen Stadtbrand 1503 zerstört worden. Keinen zweifelsfreien Nachweis kann Fries für ein Klostergebäude führen und doch vermutet er, dass so genannte Ausbruchsgruben einen Hinweis darauf geben könnten. Diese Gruben interpretiert der Archäologe als einen Hinweis darauf, dass Gebäude komplett abgetragen und selbst die Fundamente herausgenommen wurden. Dies dürfte Ende der 20er-Jahre im 17. Jahrhundert gewesen sein, als der kaiserliche Feldherr des Dreißigjährigen Krieges, Albrecht von Wallenstein, als Herzog im Güstrower Schloss residierte und am Klosterhof Vorratslager erbauen ließ. „Das aus wirtschaftlichen Gründen. Die Materialien wurden wieder verwendet – eine Art frühneuzeitliches Recycling“, erklärt Fries.

Nahe Armesünderturm Erstbebauung um 1600

Auf dem untersten Baufeld in Richtung Armesünderturm waren der Archäologe und sein Team in relativ geringer Tiefe auf Reste der Erstbebauung um 1600 gestoßen. Geborgen wurden Fundamente eines Kachelofens und dazu passende Bruchstücke von Ofenkacheln. Überraschend war der Fund eines Splitterbunkers aus der NS-Zeit auf dem obersten Baufeld nahe der Baustraße. Darüber gebe es keinerlei Aufzeichnungen, auch in Gesprächen habe man nichts dazu erfahren können. „So schnell gerät Geschichte auch mal in Vergessenheit“, stellt Schirren fest.

Holger Fries blickt auf „total spannende Monate“ am Klosterhof zurück. „Wir können die Siedlungsgeschichte der Stadt wieder um einige Mosaiksteine oder Puzzleteile vervollständigen“, betont der Archäologe. Bedeutende Funde seien sicher neben bereits Genanntem die 44 Grabstätten gewesen, persönlich habe er sich über das Pilgerzeichen aus der Zeit zwischen 1250 und 1339 gefreut. Mag sein, dass die Heiligblutkapelle Ziel des Pilgers gewesen war. Durch die Kapelle habe das Pilgerwesen im 14. Jahrhundert in Güstrow einen großen Aufschwung genommen, vermutet Fries.

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