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SVZ-Vereinsserie : Junge Menschen dringend gesucht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrower John-Brinckman-Gesellschaft will Werk des niederdeutschen Dichters pflegen und bewahren.

Mit „Plattdüütsch inne Brinckmanschaul“ steht die nächste Veranstaltung der John-Brinckman-Gesellschaft am kommenden Freitag im Güstrower Brinckmangymnasium im Kalender. Der bekannte niederdeutsche Autor Wolfgang Mahnke wird aus seinen Werken lesen und einige Arbeiten von Kollegen vorstellen. Für Wolfgang Siegmund, seit 16 Jahren Vorsitzender der John-Brinckman-Gesellschaft, hat diese Reihe der plattdeutschen Lesungen in der Schule große Bedeutung. Nicht nur, dass das Gymnasium den Namen des niederdeutschen Dichters trägt. An der damaligen Realschule erhielt Brinckman nach seiner Flucht aus Goldberg 1849 eine Anstellung als „interimistischer Hilfslehrer“.


Plattsnacker werben auf MV-Tag


Zwei Tage nach der Veranstaltung in der Schule tritt der Verein beim MV-Tag auf. Die in der Gesellschaft organisierten „Güstrower Plattsnacker“ werden am Sonntag um 12.35 Uhr auf der Bühne im Schlossgarten aus Brinckmans Erzählung „Vagel Grip“ lesen, informiert Siegmund. Verstärkung erhalten die Plattsnacker durch Schüler der Kerstingschule, die beim Plattdeutsch-Wettbewerb des Landes den ersten Preis errungen hatten. Darüber hinaus wird Siegmund während eines Interviews den Verein vorstellen.

Gegründet wurde die John-Brinckman-Gesellschaft als eingetragener Verein am 6. Februar 1990 in Hamburg. Das in der Satzung festgeschriebene Ziel bestand in der Pflege, Bewahrung, Neuentdeckung und Erforschung des literarischen Werkes des niederdeutschen Dichters. Zur 1. Vorsitzenden wurde mit Margaret Block-Jakobs die Tochter des Rostocker Chronisten, Archivars und Schriftstellers Theodor Jacobs (1896 bis 1947), gewählt. Im Jahr 2000 verlegte die Gesellschaft ihren Sitz nach Güstrow. Die Geschäftsstelle wurde zunächst in Brinckmans ehemaligem Wohnhaus in der Hansenstraße 19 eingerichtet und wechselte später ins John-Brinckman-Gymnasium.

Einen bedeutenden Beitrag leistete der Verein bei der Vorbereitung des 200. Geburtstages des Dichters am 3. Juli 2014. Schon ein Jahr vorher hatte die Gesellschaft unter dem Motto „Brinckman 200“ zu Veranstaltungen und Aktionen aufgerufen, mit denen das Werk Brinckmans bekannt gemacht und für den Erhalt der plattdeutschen Sprache eingetreten werden sollte. Dazu gründete die Gesellschaft einen Festausschuss, dessen Leitung Dieter Kölpien übernahm. „Wir haben einen Flyer mit über 40 Veranstaltungen, Lesungen oder Vorträgen im gesamten Land zusammengestellt“, erinnert sich der Güstrower. Höhepunkt des Ehrungsmarathons war die vom Verein beantragte und von der Güstrower Stadtvertretung beschlossene postume Verleihung der Ehrenbürgerschaft an John Brinckman.

Mit einem von Wolfgang Siegmund, Dieter Kölpien und Behrend Böckmann unterzeichneten Spendenaufruf kam zudem die Sanierung der Gedenkstätte für Brinckman auf dem Güstrower Friedhof in Gang. „Durch viele Beiträge der Güstrower und zwei Großspenden der 50-Hertz-Stiftung und der Stadtwerke Güstrow gelang die von der Steinmetz-Firma Borgwardt ausgeführte Sanierung der Grabanlage“, sagt Kölpien. Auf seine Initiative hin wurde der Schwung der Spendenaktion ausgenutzt und auch der Brunnen „Voss un Swinegel“, der eine Szene der Brinckman-Erzählung „Dat Brüden geiht üm“ darstellt, instand gesetzt.


Zahl der Mitglieder sinkt seit Jahren


Bei allem Engagement der Gesellschaft für die Dichterehrung erfüllte sich eine Hoffnung des Vorsitzenden, neue Mitstreiter für den Verein zu finden, nicht. „Die Zahl der Mitglieder sinkt seit Jahren, der Altersdurchschnitt steigt. Was wir dringend brauchen, sind junge Menschen, die das Erbe des Dichters bewahren und neue Sichten entdecken“, sagt Wolfgang Siegmund. Zum Auftritt am MV-Tag nächstes Wochenende will der Vereinsvorsitzende dafür werben. Denn das nächste Jubiläum kündigt sich an. 2020 wird es 150 Jahre her sein, dass John Brinckman in Güstrow verstarb. Wer wird dann die Ehrungen organisieren?  




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