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Landkreis Rostock bis sechs Monate im Verzug : Jugendamt nicht mehr Herr der Lage

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Antragsstau beim Jugendamt des Landkreises Rostock: Fünf bis sechs Monate dauert es bis Anträge auf Stützung der Elternbeiträge für die Betreuung von Kindern in Tagesstätten durch den Landkreis bewilligt werden.

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erstellt am 15.Feb.2012 | 12:08 Uhr

Güstrow | Antragsstau beim Jugendamt des Landkreises Rostock: Fünf bis sechs Monate dauert es bis Anträge auf Stützung der Elternbeiträge für die Betreuung von Kindern in Tagesstätten durch den Landkreis bewilligt werden. Karen Larisch vom Bündnis für Familie Güstrow spricht von tausenden Anträgen. Das sei ein unhaltbarer Zustand. "Unhaltbar für die Eltern, die Träger von Kindertagesstätten, Tagesmütter und auch für die Mitarbeiter des Jugendamtes", betont Larisch.

Ein Wust an Bürokratie macht Larisch für die Situation verantwortlich. Jede Änderung bei der Einkommenssituation der Eltern und bei den Kita-Beiträgen führe dazu, dass neue Anträge gestellt werden müssen. Im Jugendamt könne man dem nicht mehr Herr werden. Ein Mangel an Personal als Ergebnis von notwendigen Einsparungen macht Larisch dafür verantwortlich.

Leidtragende seien die Träger von Kindertagesstätten. "Die warten auf ihr Geld", betont Larisch. Das treffe die Wohlfahrtsverbände ebenso wie die Tagesmütter. "Es ist ihr Einkommen", macht Larisch klar. Die Eltern kämen mit einer Bestätigung, dass der Antrag gestellt ist, in die Kita. Die Kinder werden betreut, aber auf das Geld müsse gewartet werden. Monika Zöllner bestätigt die prekäre Situation. "Außenstände, die in die Tausende gehen, können wir nur noch schwer verkraften", betont die Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten bei der Volkssolidarität, Kreisverband Mecklenburg-Mitte. Die Mitarbeiter in 14 Tagesstätten, in denen rund 1200 Kinder betreut werden, würden jeden Monat ihr Gehalt erwarten.

Für die Finanzierung der Kinderbetreuung gibt es in MV eine Drittellösung: Land/Landkreis, Kommunen und Eltern. Wenn aber die finanzielle Ausstattung der Eltern nicht ausreicht (z.B. Hartz-IV- oder Wohngeldempfänger), springt der Landkreis ein und stützt die Elternbeiträge bis zu 100 Prozent. Dabei geht es um eine Summe von rund vier Millionen Euro im Jahr für den Landkreis. Bei rund 10 500 Kita-Plätzen würden etwa 4000 Plätze gestützt, informiert Zühlsdorf-Böhm. Dabei sei die Region Güstrow mit rund 2800 Plätzen davon mehr als der nördliche Teil des Landkreises betroffen. Eine mehrere Monate dauernde Bearbeitung der Anträge sei hier schon Dauerzustand. Mit den Aufgaben, die sich aus dem Bildungs- und Teilhabepaket ergeben, habe sich die Situation insgesamt verschlechtert. "Diese zusätzlichen Aufgaben müssen mit dem gleichen Personal erledigt werden", erklärt die Kreissprecherin. Bearbeitungszeiten von fünf bis sechs Monaten sind nicht das, was der Bürger erwartet", gesteht Zühlsdorf-Böhm.

Eine Hand voll Anträge lägen noch aus dem August 2011 auf dem Tisch, rund 30 aus dem September. Die vier Mitarbeiter des Jugendamtes, die Anträge auf Stützung der Elternbeiträge bearbeiten, werden seit Wochenbeginn von zwei weiteren Mitarbeitern unterstützt. Morgen wird das Problem damit nicht gelöst sein, räumt Zühlsdorf-Böhm ein. Im Laufe eines halben Jahres aber wolle man den Antragsstau so auflösen.

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