zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

13. Dezember 2017 | 21:45 Uhr

Güstrow : Jubelfeier ohne Partnerschaften

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Beziehung zwischen Landkreis Rotenburg/Wümme und Güstrow endet nach 25 Jahren – formlos, aber nicht ganz ohne Befremden

25 Jahre nach der Deutschen Einheit scheint sich Einiges erledigt zu haben. Die Partnerschaft jedenfalls zwischen dem alten Landkreis Güstrow und dem Landkreis Rotenburg wird beendet. Das ist aus Mecklenburg-Vorpommern zu vernehmen – und im Rotenburger Kreishaus wird kein Einspruch erhoben.

So schreibt die Rotenburger Kreiszeitung kurz vor den Jubiläums-Feierlichkeiten am 3. Oktober. Auch zu den weiteren fünf Partnerschaften über Gebietskörperschaften hatte der Landkreis Rostock nach den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr sich neu positioniert (SVZ berichtete). Kreissprecher Kay-Uwe Neumann erinnert: Aufgeworfen im Präsidium des Kreistages, war die Frage an die Verwaltung gegeben worden, wie es nach der Güstrow-Doberan-Fusion mit den kreislichen Partnerschaften weitergehen soll. Die sei zu dem Schluss gekommen, alle offiziellen Partnerschaften einzustellen, da sie sich mit der Zeit überholt hätten.

Wie aber sieht man den Vorgang bei den Partnern? Das Lokalblatt aus dem Niedersächsischen gibt Auskunft über die Befindlichkeiten an der Wümme.

Symbolträchtig am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 setzten der damalige Rotenburger Landrat Hans-Cord von Bothmer und Oberkreisdirektor Gerhard Blume gemeinsam mit ihren Amtskollegen aus dem Landkreis Güstrow – Landrat Christian Beckmann und Kreistagspräsident Christian Gienapp – ihre Unterschriften unter die Partnerschaftsurkunde. „Gemeinsam wollen die Kreise sich um eine Lösung der zahlreichen Probleme bemühen, die sich im Zusammenhang mit der Einführung einheitlichen Rechts und vergleichbarer Verwaltungsstrukturen ergeben“, stand dort zur Zielsetzung der Vereinbarung. Kontakte auf politischer und administrativer Ebene, aktueller Informationsaustausch und Hilfestellungen im personellen wie sächlichen Bereich sollen dazu beitragen, hieß es. Verbindungen zwischen Gemeinden, kommunalen Einrichtungen sowie Vereinen und Verbänden beider Kreise würden nachdrücklich unterstützt. Und das geschah viele Jahre. So berichtet unter anderem der Rotenburger Seniorenbeirat von insgesamt zehn Treffen. Doch spätestens mit der Kreisreform in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2011 brach der Kontakt ab.


Constien: Ziele tragen heute nicht mehr


Aus den Kreisen Güstrow und Bad Doberan wurde der Landkreis Rostock. Als sich die politische Landschaft dort nach den Kommunalwahlen 2014 neu formierte, sei „das Bedürfnis entstanden, die Partnerschaftsbeziehungen des neuen Landkreises Rostock auf den Prüfstand zu stellen und insbesondere die aktuellen Beziehungen zu untersuchen“, ließ Güstrows Landrat Sebastian Constien (SPD) mitteilen. Die vertraglichen Partnerschaften sollten nicht weiter verfolgt werden, da diese „in aller Regel vor einem anderen historischen Hintergrund geschlossen wurden und heute in dieser Form von ihren Zielvorstellungen her nicht mehr tragen“.

Eine Entscheidung, die im Rotenburger Kreishaus bisher nicht offiziell eingetroffen ist. Doch Rotenburgs Landrat Hermann Luttmann (CDU) ist darüber nicht allzu traurig. Sprecher Gerd Hachmöller gibt zu, „dass die Partnerschaft in den vergangenen Jahren, bis auf die Barlach-Ausstellung in Bremervörde im Jahre 2011, nicht mehr mit Leben erfüllt war“. Der Austausch auf den Ebenen der Kreispolitik und Kreisverwaltung, wie er in den 1990er-Jahren noch geführt wurde, finde seit längerem nicht mehr statt. In jener Zeit sei aufgrund der in den neuen Bundesländern aufzubauenden Verwaltungsstrukturen und der hier geringen Erfahrungen in der Kommunalpolitik der Bedarf an Austausch naturgemäß noch hoch gewesen. Das sei Geschichte. Hachmöller: „Vor diesem Hintergrund wird eine Auflösung dieser Partnerschaft heute vom Landrat als unschädlich angesehen.“ Folgen für die Kreisverwaltung und -politik habe eine solche Auflösung zunächst keine. Inwieweit andere Kontakte, zum Beispiel auf dem Gebiet des Ehrenamtes, von einem solchen Schritt berührt werden, bleibe abzuwarten. Soweit die offizielle Haltung in der Rotenburger Behörde.


Erinnerung an erhebliche Hilfe aus Rotenburg


Deutlicher wird der CDU-Ehrenvorsitzende Albert Rathjen aus Bremervörde, der die Beziehungen mit Güstrow lange Zeit mitgeprägt hat. Er kritisiert die einseitige Kündigung der Partnerschaft: „Diese Mitteilung ist schon deshalb gewöhnungsbedürftig, weil der Landkreis Rotenburg nach der Wende dem Landkreis Güstrow erhebliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt und auch Personal in die dortige Kreisverwaltung geschickt hat. Daran darf man sicherlich in aller Bescheidenheit erinnern.“

Derzeit strebt der Landkreis Rotenburg keine neuen Partnerschaften an. Die bestehenden Beziehungen mit Falmouth in England, Pays Foyen in Frankreich und Marlbork in Polen sowie die freundschaftlichen Beziehungen zu den polnischen Landkreisen Sztum und Wegorzewo werden weiter gepflegt und mit Leben gefüllt, heißt es aus dem Kreishaus an der Wümme.

Und am Wall in Güstrow? Zunächst wolle man noch rechtlich prüfen, ob die Beendigung der offiziellen Partnerschaft formal noch durch den Kreistag beschlossen werden muss. Eventuelle neue Partnerschaften, so Kreissprecher Neumann, wären dann Angelegenheit des Kreistages. Aber: Partnerschaften lebten nicht nur von den „Organen“, wirft Neumann in die Debatte, sondern auch von den persönlichen Kontakten. Solche wären natürlich weiterhin gern gesehen.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen