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Uwe-Johnson-Tage : Johnson und das Dokumentarische

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Uwe-Johnson-Tage vom 18. bis 29. September. Zwei Veranstaltungen in Güstrow.

Im Wechselspiel zwischen Güstrow und Neubrandenburg finden die diesjährigen Uwe-Johnson-Tage statt, die am kommenden Montag beginnen. „Dokumente erzählen – Erzählen mit Dokumenten. Uwe Johnson und das Dokumentarische“ lautet das Leitthema der diesjährigen landesweiten Literaturtage rund um den „Dichter beider Deutschland“, wie Johnson von der Literaturkritik auch ehrenvoll bezeichnet wird.

Die Uwe-Johnson-Tage beginnen am 18. September in Neubrandenburg mit der Lesung von Jan Koneffke aus dem Roman „Sonntagskind“, für den er im vergangenen Jahr den Uwe-Johnson-Preis erhielt.

Am Folgetag wird der Autor in Güstrow die ganze Kannmacher-Trilogie vorstellen, deren dritter Teil das preisgekrönte „Sonntagskind“ ist. Es handelt sich um eine pommersche Familiensaga über mehrere Generationen im 20. Jahrhundert.

Am 20. September geht es in Neubrandenburg weiter mit schwarzem Humor, viel Ironie und zugleich hoch emotional. Der Schauspieler Mathias Kopetzki, selbst Adoptivkind, der erst mit Anfang 20 seine iranische Herkunft entdeckte, erzählt in seinem Buch „Bomben-Stimmung – Wenn alle denken, du bist der Terrorist“ von skurrilen Begegnungen mit begriffsstutzigen Sicherheitsleuten, unbelehrbaren Lehrern bis hin zu überfreundlichen Flüchtlingshelfern.

Ein Experiment und zugleich Höhepunkt in Güstrow wird am Donnerstag, 21. September, die Vorstellung der Werkausgabe Johnsons mit extra hierfür einstudierten Hörspielszenen von jungen Schauspieltalenten der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT) sein. Katja Leuchtenberger von der Uwe-Johnson-Gesellschaft erklärt die Besonderheit dieser Akademie-Ausgabe und warum es sich lohnt, Johnsons Werk im Spiegel alter Dokumente neu zu entdecken. Kai Liemann, Anton Luezer, Cinja Schinkovich und Sascha Weißing werden Johnson und seine Romanfiguren dabei zu Wort kommen lassen.

Am Montag, dem 25. September, wird Carsten Gansel sich in Neubrandenburg der Dokumentation seiner literarischen Wiederentdeckung Heinrich Gerlachs widmen. Nach dem großen Erfolg der Herausgabe von Gerlachs „Durchbruch bei Stalingrad“ nach einem Sensationsfund in einem russischen Archiv wird Gansel mit der „Odyssee in Rot“ jenen Dokumentarroman und bisher unveröffentlichtes Material aus russischen Archiven vorstellen, das den Weg von Heinrich Gerlach durch russische Kriegsgefangenenlager beschreibt.

Die Verleihung des Uwe Johnson Förderpreises im Schauspielhaus Neubrandenburg am 29. September wird den Abschluss und Höhepunkt der Uwe-Johnson-Tage 2017 bilden.

Den mit 5000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Förderpreis, der im jährlichen Wechsel mit dem Uwe-Johnson-Preis verliehen wird, erhält Shida Bazyar für ihren Roman „Nachts ist es leise in Teheran“, das im Verlag Verlag Kiepenheuer und Witsch erschienen ist. Die sechsköpfige Jury wählte aus einem Dutzend umfangreicher und vielseitiger Debüts aus den Bereichen Prosa und Essayistik die diesjährige Preisträgerin aus.

Der aus Pommern stammende Uwe Johnson (1934-1984) zählt zu den großen deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Johnson wuchs in Anklam auf, lebte in Güstrow, wo er am Gymnasium das Abitur abgelegt hat, und in Berlin. Die Teilung Deutschlands zieht sich durch seine Werke wie ein Leitmotiv. Er verließ die DDR, ging nach New York und starb 1984 in England. Starke Güstrow-Bezüge hat sein Frühwerk „Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“. Sein Hauptwerk war „Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“.

Programm:

, Uwe-Johnson-Bibliothek, Am Wall 2:

19. September, 19 Uhr: Lesung und Gespräch mit Jan Koneffke „Die Kannmacher-Trilogie“
Donnerstag 21. September, 19 Uhr: „Neuentdeckung Johnson?“ – Vorstellung der neuen Werkausgabe Johnsons mit Live-Hörspielszenen von Katja Leuchtenberger und Schauspieltalenten der HMT

, Regionalbibliothek, Marktplatz 1:
18. September, 19 Uhr: Eröffnung und Lesung von Jan Koneffke „Ein Sonntagskind“
20. September, 19 Uhr: Lesung von Mathias Kopetzki „Bombenstimmung“
25. September, 19 Uhr: Vortrag von Carsten Gansel „Heinrich Gerlach: Odyssee in rot“

, Schauspielhaus/Probebühne, Pfaffenstraße 22:

Freitag 29. September, 19 Uhr: Verleihung des Uwe-Johnson-Förderpreises 2017

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