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Erlebnisbericht als Entwicklungshelferin : Jenny und ihre Arbeit als Profa

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Jennifer Nitzschke berichtet aus Mao, Valverde, Dominikanische Republik über ihre Erfahrungen zum Thema Umweltbildung.

Profa Jenny, so nennen mich die Schüler der elften Klasse eines der Gymnasien in Mao. Doch wie kommt es, dass ich mit meinen 20 Jahren als Lehrerin arbeite? Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung macht es mit seinem sogenannten „weltwärts-Programm“ möglich. Ein Jahr lang in einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst arbeiten – und das auf der ganzen Welt.

Mich hat es in die Dominikanische Republik verschlagen. Zum einen wollte ich schon immer spanisch lernen und zum anderen gefielen mir die Partnerorganisation und seine Projekte sehr gut. Nun arbeite ich also mit dem ökologischen Verein der Region Valverde in Umweltbildungsprojekten


Mülltrennung ist hier ein Fremdwort


Was mich in dieser elften Klasse erwartete, hat mich schockiert. Die Jugendlichen wissen nicht, was Kompost ist, kennen keine Mülltrennung und über gesunde Ernährung haben sie höchstens etwas im Fernsehen gesehen. Im Schulfach Naturwissenschaften haben sie zwar die Photosynthese auswendig gelernt, aber haben nicht begriffen, wie wichtig Pflanzen und Bäume für den natürlichen Kreislauf sind.

Hier wurde mir deutlich, wie wichtig eine gute Bildung für die Gesellschaft ist, denn in den Entwicklungsländern findet man meist nur wenig davon. Als ich nach einer Definition für Umweltverschmutzung fragte, meldeten sich eifrig zwei Schüler und antworteten: „Das ist, wenn wir die Umwelt verschmutzen.“ Selbstständiges Denken, individuelle Entwicklung, Kreativität und eigene Ideen werden in diesem Land kaum gefördert. Frontalunterricht und Auswendiglernen sind die Regel an den Schulen in der Dominikanischen Republik.

All dies entspricht jedoch nicht meinen Vorstellungen von guter Bildung. Neben Theorie-Einheiten über verschiedene Umweltthemen überlegte ich mir verschiedene Projekte. Bei einem Pflanzenexperiment staunten sogar die Lehrer über die Auswirkungen von verschiedenen Chemikalien auf die Entwicklung von Bohnenpflanzen. Während eines Theatertages unter dem Motto „Mülltrennung“ bekamen die Schüler die Möglichkeit ihre Kreativität zu zeigen. Mein größtes Projekt besteht jedoch darin, mit einer Schülergruppe einen kurzen Dokumentarfilm über Wasser und Wasserverschmutzung der Stadt Mao zu drehen.

Während meiner täglichen Arbeit spüre ich, dass die Jugendlichen viel Interesse am Unterricht haben und am liebsten alles lernen und anwenden wollen – die Möglichkeiten in diesem Land sind jedoch sehr begrenzt.

Nach all diesen vielfältigen Erfahrungen in den vergangenen Monaten, ist in mir der Wunsch aufgekeimt auch in Zukunft weiterhin im Umweltbildungsbereich zu arbeiten. Am liebsten in den Ländern der Dritten Welt, um dort eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen.

Die Lösung zur Hilfe in Entwicklungsländern gibt ein altes chinesisches Sprichwort: „Gib dem Hungernden einen Fisch, und er wird einen Tag lang satt – lehre ihn fischen, und er wird nie mehr hungern.“ Für mich macht genau das eine gute Entwicklungshilfe aus und in den vergangenen Wochen und Monaten habe ich stets versucht, genau das umzusetzen.

Infos zum „weltwärts-Programm“ im Internet www.weltwaerts.de.


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