DomRep mal anders : Jenny in Mao diesmal auf Reisen

Kultur: Jenny beim Karneval mit einem der Teufel in traditioneller Verkleidung und zwei weiteren Freiwilligen  Fotos: jennifer nitzschke
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Kultur: Jenny beim Karneval mit einem der Teufel in traditioneller Verkleidung und zwei weiteren Freiwilligen Fotos: jennifer nitzschke

Von Nord nach Süd und Ost nach West / Jennifer Nitzschke berichtet für Klecks aus Mao, Valverde, Dominikanische Republik / Teil 2

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25. Juli 2014, 06:00 Uhr

Heute machen wir eine Reise auf dominikanische Art und Weise. Wie geht das? Spontan und mit wenig Geld. Weiße endlose Strände haben wir bereits genug gesehen. Wir wollen Abwechslung. Natürliche Vielfalt hat dieses Land zu genüge zu bieten. Man muss nur wissen wann, wo und wie.

Mao, meine derzeitige Heimatstadt, liegt im nördlichen Tal „Cibao“ und hat kulturell gesehen nicht besonders viel zu bieten. Mit 70 000 Einwohnern kommt mir die Stadt kleiner vor als Güstrow. Das Leben findet vor allem auf der Straße statt. Mit einem Bier in der Hand setzt man sich mit Plastestühlen vors Haus, spielt Domino und beobachtet die Leute. Einige Bars und sogar eine Disko bieten etwas mehr Unterhaltung. Man sollte sich jedoch Ohrstöpsel mitnehmen. Für Dominikaner gilt: Je lauter die Musik, umso besser ist sie. Spätestens um zwei Uhr wird die Musik ausgeschaltet und alles abgeriegelt – so ist das Gesetz. Komischerweise fangen um diese Uhrzeit auch die Hähne an zu krähen. Merkwürdige Gewohnheiten hier!

Fahren wir lieber weiter. Aber bloß nicht selbst. Der Straßenverkehr ist einer der gefährlichsten der Welt mit seinen eigentümlichen Regeln. Zum Beispiel: Wer zuerst hupt, fährt zuerst. In Deutschland habe ich nicht einen Autounfall mit verfolgt, hier bereits mehrere, einmal sogar tödlich. Da nutze ich lieber die öffentlichen Verkehrsmittel. Zu Spottpreisen kommt man mit den Kleinbussen, die Guaguas genannt werden, überall hin. Der niedrige Preis hat allerdings auch seinen Grund. Meine ungemütlichste Guaguafahrt habe ich mit drei weiteren Frauen, drei Kindern und dem Rucksack auf dem Schoß auf der Rückbank verbracht, die für drei Personen konstruiert ist…


Natur: Geheimtipp Südwesten


Aber wo wollen wir hin? Zuerst wollen wir Natur spüren. Im Osten der Insel liegen die bekannten Touristengebiete Punta Cana, Boca Chica, Samaná und so weiter. Hier reihen sich oftmals die Hotels aneinander und das Urlaubsleben findet in der Anlage und am Strand zwischen tausenden Urlaubern statt. Es lohnt sich daher wirklich den Schritt in die Natur zu wagen. Im Frühjahr kann man in der Bucht von Samaná Buckelwale beobachten, die dort jährlich hinkommen, um sich zu paaren und Junge zu gebären.

Am Lago Enriquillo erlebt man ein einzigartiges Naturschauspiel. Zwischen Krokodilen, Flamingos und Leguanen fährt man mit dem Boot durch einen Palmenfriedhof. In den vergangenen Jahren ist auf unerklärliche Weise der Wasserspiegel des Sees so stark angestiegen, so dass die ehemaligen Ufer überflutet und alle Palmen abgestorben sind.

Dort südwestlich befinden sich auch viele Flüsse und natürliche, erstaunlich kalte Pools, in denen man entspannen kann. Den Südwesten nenne ich so oft, da er touristisch noch sehr unberührt ist und er als Geheimtipp unter Dominikanern gilt. Meine Strandtipps sind Bahía de las Aguilas (Adlerbucht) im Südwesten, Playa Rincon am Nordostzipfel auf der Halbinsel Samaná und Montecristi am nordwestlichen Ende des Landes, nahe der Grenze zu Haiti. Dort liegt der „Moro“, ein kleiner Strandabschnitt und ein Fels in einer ungewöhnlichen Form. Diesen Felsen hat Kolumbus in seinem Logbuch wegen seiner Gestalt erwähnt. In der Region haben er und seine Mannschaft auch angelegt, sind jedoch nicht lange geblieben, da sie von Kannibalisten besiedelt war.


Kultur: Santo Domingo strotzt davon


Jetzt wollen wir Kultur erleben. Santo Domingo ist die älteste noch bestehende von Europäern gegründete Siedlung in der Neuen Welt. Vor allem die Kolonialzone strotzt vor Kultur und beeindruckenden Ruinen. Kunst und Musik sind vor allem in den beiden größten Städten des Landes anzutreffen. Neben der Hauptstadt ist dies Santiago, nördlich gelegen und eine Stunde Autofahrt von Mao entfernt. Empfehlenswert sind einige Nationalparks wie Los Haitises, in dem man etwas über das Leben auf der Insel vor Kolumbus erfährt und Höhlen mit alten Malereien besichtigt.

Im Februar und März findet auch hier Karneval statt, ein Riesenereignis. In allen Städten wird groß gefeiert und vor allem die Straßenumzüge mit traditioneller Tracht enden oftmals in einem allgemeinen Besäufnis. Man muss jedoch aufpassen, dass einem die verkleideten „Teufel‘“ mit ihren Gummibällen nicht den Hintern versohlen. Der Legende nach spüren die sündfreien Menschen den Schmerz nicht. Dann muss ich äußerst viel gesündigt zu haben.


Abenteuer: Stadt Jarabacoa ein Muss


An der Nordküste, vor allem in Cabarete, sind alle Arten von Wassersport möglich. Für Anfänger wie mich gibt es günstige Kurse, die den Einstieg spaßig und erfolgreich machen. Im ganzen Land kann man Wasserfälle herunterspringen und Flussläufe erforschen wie El Limon, den man auf Samaná nach einer einstündigen Wanderung oder einem Ritt auf Pferden mit Führern durch die Natur erreichen kann. Ein Muss für alle Abenteurer ist die Stadt Jarabacoa. In den bergigen Höhen sind hier die Temperaturen angenehmer und für wenig Geld werden einem Canyoning, Paragliden, Wildwasserraften und einiges mehr angeboten. Der Ort ist gleichzeitig das ökologische Zentrum für alle Naturfreunde. Wer dort lebt oder viel Zeit hat, kann sogar lernen selbst mit dem Gleitschirm zu fliegen. Ich habe bisher nur einen Flug gemacht, doch es ist ein tolles Gefühl, das ich unbedingt wiederholen würde.

Dieses Land hat viel zu bieten. Doch ich bin ja nicht hier, um nur Urlaub zu machen. Nächste Woche werde ich über meine Freiwilligenarbeit berichten.

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