Wardow : „Jeder hat sein eigenes Reich“

Unter einem Dach leben die Großeltern Peter und Helga, die Kinder Max und lena sowie die Eltern Sylvia und Bernd Harlof (v.l.).
Unter einem Dach leben die Großeltern Peter und Helga, die Kinder Max und lena sowie die Eltern Sylvia und Bernd Harlof (v.l.).

In Wardow leben und arbeiten drei Generationen auf einem Bauernhof

23-11367750_23-66109655_1416395986.JPG von
09. April 2019, 05:00 Uhr

Ein F im Familiennamen ist ihnen zwar über die Jahrzehnte wie auch immer verloren gegangen, Familie aber wird bei Harlofs in Wardow nach wie vor groß geschrieben. „Drei Generationen haben wohl immer in dem Haus gelebt, in den 1990er-Jahren waren es sogar vier“, erzählt Sylvia Harlof. Derzeit sind es drei Generationen. Der Bauernhof verbindet sie. Peter (80), Bernd (50) und Max (24) Harlof sind Landwirte. Mit einem kleinen Familienbetrieb insbesondere nach den vergangenen Jahren mit miserablen Ernten über die Runden zu kommen, sei nicht einfach, gibt der Jungbauer zu bedenken, aber er könne sich nichts anderes, nichts besseres vorstellen.

Der Junior kümmert sich um den Feldbau, der Vater um Pferde und Rinder, der Großvater ist irgendwie immer dabei. „Natürlich müssen wir manche Dinge untereinander ausdiskutieren. Mit meinem Vater bin ich zu 90 Prozent einer Meinung, mit Opa…“, sagt Max Harlof. Der hatte nach dem frühen Tod seines Vaters mit 15 den Hof übernommen und ihn mit seiner Mutter geführt. Er war es gewohnt zu entscheiden. Nach DDR-Jahren in der Genossenschaft, war die Wiedereinrichtung 1990 keine Frage für ihn, sondern Selbstverständlichkeit. „Meinungsverschiedenheiten müssen ausdiskutiert werden“, sagt Bernd Harlof. Sein Sohn käme gern mit neuen Ideen. Das sei normal. Stolz ist er auf seinen Max. der nach der Lehre erfolgreich eine Ausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt absolvierte.

Was für die Arbeit gilt, gelte auch für das Zusammenleben auf dem Hof. Im Untergeschoss des großen Bauernhauses leben die Großeltern, unter dem Dach Sylvia und Bernd Harlof mit Tochter Lena, die noch zur Schule geht, sowie Max Harlof mit seiner Freundin Julia. „Jeder hat sein eigenes Reich und kann sich zurückziehen“, sagt Sylvia Harlof. Anders ginge es nicht. Sich mit Schwiegermutter oder Schwiegertochter die Küche zu teilen, kann sie sich nicht vorstellen. Dabei seien alle überall zu Hause. Mal ist die Jugend bei Oma, mal bei Mama zum Essen. „Natürlich gibt es auch mal Streit“, gesteht Sylvia Harlof. Der müsse ausgefochten werden.

Ohnehin, das bestätigen alle, laufe bei Mutter Sylvia vieles zusammen. „Bei mir heulen sich alle aus“, sagt die 52-Jährige und fügt hinzu: „Ich bin jetzt seit 30 Jahren auf dem Hof. Also ist es auszuhalten.“ Es funktioniere in der Familie bis heute und das betreffe nicht nur die Generationen unter dem einen Dach. Auch die beiden älteren Töchter, die inzwischen Familie und ihr eigenes Zuhause haben, sind oft zu Gast. „Wenn man sie braucht, sind sie da“, sagt die Mutter.

Generell stehe man füreinander ein, helfe sich untereinander. Das sei das Schöne am Zusammenleben: Es ist immer jemand da. Man ist nie allein. Jeder hat seine Begabungen, von denen alle profitieren. Wenn einer mal etwas vorhat, bleibt die Arbeit deshalb nicht liegen. Ein anderer erledigt sie. „Ich bin dann mal weg“, ist ein Satz, den Opa und Junior öfter von Bernd Harlof hören. Es wird akzeptiert. „Natürlich muss man mal raus. Dann nehmen wir uns unsere Freiheit“, betont Max Harlof.

Gerade die jungen Leute würden für Leben auf dem Hof sorgen, meint Sylvia Harlof, die sich um die Büroarbeit kümmert. Immerhin sind da auch schon drei Enkelkinder, und das vierte kündigt sich an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen