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Jeder Dritte Lehrling im Handwerk schafft Prüfung nicht

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Zentrale Freisprechung eröffnete Handwerkerball / Nachwuchssorgen werden größer

svz.de von
erstellt am 15.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Das Handwerk schlägt Alarm. Jahr für Jahr finden ausbildungswillige Betriebe weniger Lehrlinge, so dass die Zahl der offenen Lehrstellen zunimmt. Gleichzeitig beklagen die Handwerker mangelnden Einsatzwillen und fehlende Motivation des Berufsnachwuchses. Die Folge: Zahlreiche Lehrlinge schaffen die Gesellenprüfung nicht oder meistern sie mit nur mittelmäßigen Ergebnissen.

Genau dieser Trend zeigte sich auch bei der Freisprechung für die Ausbildungsberufe Dachdecker, Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Friseur, Metallbauer, Tischler, Fahrzeuglackierer, Maler und Lackierer. Die Freisprechung eröffnete den Handwerkerball am Freitagabend. Vor eher spärlicher Kulisse konnte Kreishandwerksmeister Rainer Müller 20 Azubis von ihren Pflichten als Lehrlinge freisprechen und in den Gesellenstand erheben. Zu den Prüfungen zugelassen worden waren 30 Lehrlinge, von denen zehn das Ziel nicht erreichten. „Drei scheiterten in der praktischen und fünf in der theoretischen Gesellenprüfung. Zwei Azubis bewältigten beide Prüfungsteile nicht“, teilte Müller die Statistik mit und fügte hinzu: „Eine Durchfallerquote von 33 Prozent ist einfach inakzeptabel.“ Zumal auch die anderen Ergebnisse alles andere als berauschend waren: Achtmal stand unter den Zeugnissen die Note „befriedigend“ und neunmal „ausreichend“. Lediglich drei Azubis schlossen die Prüfungen mit „gut“ ab. Der Kreishandwerksmeister machte für die alarmierende Situation eine unzureichende Vorbereitung in den allgemeinbildenden Schulen verantwortlich, aber auch eine fehlende Leistungsbereitschaft der Lehrlinge. Als Jahrgangsbester wurde Marcel Rutz von der Mercedes Benz Vertriebsgesellschaft mbH in Upahl im Ausbildungsberuf Fahrzeuglackierer ausgezeichnet.

Nicht minder Sorge bereitet den Kreishandwerkermeister der Rückgang der Lehrlingszahlen. Hatten 2011 noch 77 Azubis die Prüfungen in Angriff genommen, waren es in den beiden Folgejahren nur noch je 42. Und in diesem Jahr lediglich 30. „Diese Entwicklung gefährdet das Handwerk“, warnte Müller und rief die Ausbildungsbetriebe auf, die Werbeportale der Imagekampagne noch besser zu nutzen. Auch sollten Handwerker mehr in die Schulen gehen und für ihren Beruf begeistern. Kritisch sieht Müller die Option, Studienabbrecher gezielt zu werben. „Ob in deren Lebensplanung ein Handwerkerberuf passt ist fraglich“, meinte er.

Die Freisprechung stand am Anfang eines Handwerkerballs, der eher mäßig besucht wurde. Martin Biemann zeigte sich dennoch mit der Stimmung und dem Ambiente zufrieden. „Nach zehn Jahren Pause ist es der erste Ball. Es wird sich herumsprechen und das nächste Mal kommen auch mehr Handwerker“, ist er sich zuversichtlich.

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