Klecks : Ist Leben ohne Handy vorstellbar?

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16-jähriger Güstrower besitzt kein Smartphone – und ist glücklich damit / Nur unter ein Prozent der Schüler besitzt kein Mobilgerät

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20. März 2015, 06:00 Uhr

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Handybesitzer rapide zugenommen. Schon im Grundschulalter besitzt ein Großteil der Kinder ein eigenes Gerät. Häufig reicht schon ein einfaches Handy, mit Anruf- und Nachrichtenfunktion, nicht mehr aus. Ein kostspieliges Smartphone, das internetfähig und mit zahlreichen Unterhaltungsmöglichkeiten ausgestattet ist, muss es meistens schon sein.

Laut einer nicht repräsentativen Umfrage am John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow ist unter ein Prozent der Schüler dort „handylos“. Der Zehntklässler Steffen Dieckhoff ist einer von ihnen. Noch nie besaß er ein Mobiltelefon. „Für mich hat sich nie die Gelegenheit ergeben, mir ein Handy zu wünschen“, erzählt er auf Klecks-Nachfrage. „In den vergangenen Jahren musste ich mich immer entscheiden: Handy oder Fernseher, Handy oder Laptop, Handy oder Computer – die Wahl fiel nie auf das Smartphone.“

Für viele Jugendliche dürfte das Leben ohne ihr technisches Gerät unvorstellbar sein. „Ich finde die vorherrschende ‚Handysucht‘ ziemlich erschreckend. Aber eigentlich ist mir egal, was andere machen“, sagt der 16-Jährige zu seinem Außenseiterdasein. „Ich kenne es ja nicht anders, als immer als Einziger kein Handy zu haben. Ich bin nicht eifersüchtig, wenn meine Mitschüler ihre verwenden.“

Trotz dieser Einstellung sieht der Schüler die Vorteile. „Klar, die Kommunikation mit Familie und Freunden wird erleichtert. Außerdem sind Smartphones sehr unterhaltsam. Wenn ich eines hätte, könnte ich unterwegs Spiele spielen und müsste mir nicht die Handys anderer ausleihen.“ Aber auch einen Nachteil, der ohne Handy nicht gegeben ist, sieht er in dessen Nutzung. „ Ein großes Problem heutzutage ist natürlich die Sicherheit der privaten Daten. Überall auf der Welt sitzen Leute, die wissen, wo du gerade bist und wie du dein Telefon nutzt.“

Trotzdem lebt der Schüler nicht in „völliger Isolation“. Er nutzt seinen Computer und den Videochat-Dienst „Skype“, um sich auf dem Laufenden zu halten. Soziale Netzwerke hingegen kommen für ihn nicht infrage. Nicht zuletzt kann man das gute alte Haustelefon bei ihm finden.

Schon bald wird Güstrow jedoch einen „handylosen“ Gymnasiasten weniger aufweisen können, denn Steffen erzählt: „Zu meinem Geburtstag im Sommer habe ich mir endlich ein Smartphone von meinen Eltern gewünscht und werde es hoffentlich auch bekommen.“ Immerhin bis zur Vollendung seines 17. Lebensjahres hat er es dann ohne Handy geschafft – und er lebt immer noch.  

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