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Güstrowerin fürchtet Schließung : Ist das Theater wieder in Gefahr?

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Rita Buchweitz, Vorsitzende des Fördervereins, macht sich Gedanken um das Theater: "Ich bin erbost, dass hinter verschlossenen Türen über die eventuelle Schließung des Güstrower Ernst-Barlach-Theaters verhandelt wird."

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2012 | 10:14 Uhr

Güstrow | "Ich bin erbost, dass Landrat Thomas Leuchert hinter verschlossenen Türen über die eventuelle Schließung des Güstrower Ernst-Barlach-Theaters verhandelt." Das sagt Rita Buchweitz. Die Vorsitzende des Theaterfördervereins kritisiert diese Vorgehensweise. "So etwas muss öffentlich und demokratisch bis zu einer Entscheidung durch den Kreistag geführt werden und nicht hinter dem Rücken der Besucher und Förderer des Theaters", stellte sie gestern gegenüber SVZ klar. Dazu sei das Theater als kulturelle Einrichtung viel zu wichtig.

Rita Buchweitz ist auch deshalb über dieses Vorgehen empört, weil es schon im Altkreis Güstrow von der Verwaltung verfolgt wurde. Allerdings sei damals, erinnert sie, der Kreistag nicht mitgegangen und letztlich habe die Verwaltung unter Landrat Lutz da Cunha erklärt, das Theater zu erhalten.

Neu sei auch nicht, so die Vereinsvorsitzende, das Theater - so wolle es nach ihren Informationen der neue Landrat Thomas Leuchert wieder - der Stadt Güstrow zu übertragen. Es habe in den vergangenen Jahren mehrere Versuche gegeben, aber die Stadt habe aus finanziellen Gründen abgelehnt, sich jedoch weiter zu einem jährlichen Zuschuss verpflichtet.

Kreisverwaltung: keine Schließung Bürgermeister: kein Gespräch

Kreissprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm widerspricht solchen Aussagen und betont: "Zu den Nachfragen von Rita Buchweitz vom Theaterförderverein kann nur unmissverständlich gesagt werden: In der Kreisverwaltung wurde und wird zu keinem Zeitpunkt ein Gedanke an eine eventuelle Schließung des Ernst-Barlach-Theaters verschwendet." Allerdings ergebe sich aus der Nachfrage die Anregung zu weiterführenden Überlegungen, so Zühlsdorf-Böhm. Die da lauten: "Könnte es angesichts der unbestrittenen Bedeutung des Theaters für Güstrow und seine Umgebung regional einen geeigneteren Träger geben? Könnte ein regionaler Träger effektiver mit den Zuschüssen des Landkreises arbeiten?" Die Sprecherin betont aber auch, dass es jedoch völlig klar sei, dass alle dazu notwendigen Entscheidungen allein dem Kreistag zustehen.

Ebenso soll der Landrat auch nicht mit der Stadt bzw. Bürgermeister Schuldt Gespräche geführt haben, dass die Stadt Güstrow das Theater übernehmen soll. Das bestätigt Arne Schuldt. "Es hat keine offiziellen Gespräche zu dem Thema gegeben", sagte er gestern auf SVZ-Nachfrage. Er habe nur, so Schuldt, bei einem Treffen mit dem Landrat über viele Dinge gesprochen, über den Flughafen, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft und eben auch über das Theater. Das bezuschusse die Stadt auch in diesem Jahr mit 72 000 Euro. Das sehe der Etat-Entwurf der Verwaltung vor, bestätigt Schuldt. Er verhehlt aber auch nicht, dass öfter mal Überlegungen auftauchen, wenn es um die Kreisumlage gehe. Wenn die weiter so hoch bleibe, komme man auf den Gedanken, so Schuldt, dass dort die Unterstützung für das Theater dann enthalten sein könnte.

Auch Wolfgang Pfannenschmidt, stellvertretender Vorsitzender des Bildungs- und Kulturausschusses des Kreistages, betätigt: "Ich weiß nichts von solchen Absichten der Verwaltung oder des Kreistages. Unser Ausschuss hat auf seiner vergangenen Sitzung über die wichtigsten Themen gesprochen. Aber das Theater war nicht dabei."

Einen Hintergrund, wenn es dazu käme, gebe es aber natürlich, räumt der Linke-Kommunalpolitiker ein. Genährt würden solche Gedanken von dem allgemeinen Umstand, dass die Kommunen "von einer Unterfinanzierung fast stranguliert" würden. Dass da ein Landrat "Nägel mit Köpfen" machen müsse, sei klar. Aber das werde, wenn es in Richtung Theater geschehen sollte, nicht ohne Protest abgehen. Pfannenschmidt: "Ich bin mir sicher, dass da aus allen Fraktionen heftiger Widerstand kommen würde."

Die Finanzen des Landkreises, der 14 Millionen Euro Schulden vor sich herschiebt, sind das Problem. Nach SVZ-Informationen muss er aus seinem Haushalt bei einem jährlichen Theatervolumen von einer halben Million Euro 212 000 Euro zahlen, um es auszugleichen. Die restlichen Gelder kommen aus den Einnahmen (230 000 bis 250 000 Euro) und der Güstrower Hilfe. Um Kosten zu reduzieren, wurde z.B. das Personal auf vier Mitarbeiter gestutzt. Deshalb finden jetzt statt bisher 130 Veranstaltungen im Jahr nur noch 100 statt. Damit sank die Besucherzahl in der Spielzeit von 30 000 auf 25 000.

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