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SVZ-Sommertour : „Ist das ein Bild und ein Blick!“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Leser genossen gestern bei der SVZ-Sommertour nach einem Schweiß treibenden Aufstieg die herrliche Aussicht von einem Windrad

Vor dem Erlebnis mussten gestern die gegurteten und angeleinten Leser der SVZ-Sommertour, die sich für den Aufstieg auf ein Windrad im Windpark Mistorf/Groß Schwiesow entschieden hatten, erst einmal schwitzen. Denn die herrliche Aussicht auf die Mecklenburger Landschaft aus dem Maschinenraum wartete in 80 Metern Höhe. Bis dahin waren auf einer Leiter, immer mit dem Rücken zur Wand, 324 Stufen zu erklimmen. Dann hatte auch Ruth Kriewall den Aufstieg geschafft. Die Güstrowerin erfüllte sich mit der Sommertour einen Herzenswunsch. „Ist das ein Bild“, rief sie begeistert aus. Kurz hinter ihr tauchte Frank Becker auf. Auch der Karower schaute gleich in die Runde. „Was für ein Blick“, staunte er, zückte den Fotoapparat und genoss die interessante Stunde.


47 Anlagen im Windpark bei Mistorf


Die füllte Johann-Georg Jaeger, denn Jaeger hat diesen Windpark von der Pike an ab 1999 mit aufgebaut. Außerdem ist er für die technische Betriebsführung verantwortlich. In dem Frage-und-Antwort-Spiel erfuhren die Leser, dass der Windpark 47 Anlagen hat. Ein weiterer Ausbau ist nicht vorgesehen. Die „Windmühlen“, das wollte Jürgen Lasogga wissen, stehen auf einem festen Fundament. Es ist 1,80 Meter dick und hat einen Durchmesser von 18 Metern. Aber auch weitere zehn Meter des Turms geben dem Windrad Halt. Insgesamt enthält das Fundament 1000 Tonen Beton und Stahl. Trotzdem wäre diese Masse nicht genug, vermutet Jaeger, einem Tornado wie in Bützow stand zu halten. Da der Windpark in die Jahre gekommen sei, müssten die Betreiber nach einer Laufzeit von 20 Jahren entscheiden, ob die Anlagen zurückgebaut oder dafür neue errichtet werden. Die wären laut Jaeger in der Zahl weniger, würden mehr Strom geben und wären leiser.

Jaeger bezifferte für die elf Anlagen, die er betreut, die Strommenge auf 35 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Rein rechnerisch würde das bedeuten, dass mit diesen Anlagen 12 000 Haushalte versorgt werden könnten. Das geschieht letztlich aber doch nicht, weil die Anlagen relativ häufig abgeschaltet werden, im vergangenen Jahr bis zu 15 Prozent der Leistung. „Ein Prozent sind volkswirtschaftlich sinnvoll“, betonte Jaeger. Der Betreiber macht damit allerdings keine Miesen, denn ihm wird das verloren gegangene Geld für nicht eingespeisten Strom ersetzt.

In der Diskussion, die die Politik richten müsse, wenn der Klimaschutz mit Windenergie weiter vorangetrieben werden solle, sieht Jaeger zwei Probleme, die der Windradbranche das Leben schwer machen: die Standortwahl und das zu bürokratische und damit nicht gut funktionierende Bürgerbeteiligungsgesetz. Würde z.B., so Jaeger, der Abstand der Windräder auf zwei Kilometer zu Wohnbebauungen erhöht, würden von den gegenwärtig 13 000 Hektar Windeignungsgebieten nur 750 Hektar übrig bleiben. Für den Windenergie-Experten nicht auszudenken.

Anke Weitendorf konnte Jaeger ohne Weiteres bei seinen Ausführungen folgen. Sie, die in Goldewin wohnt und diesen Windpark vor der Nase hat, ihn aber erträglich findet, möchte von solchen Investitionen endlich mal etwas haben. „Seit 1999 hat sich der Strompreis für mich von 19 Pfennig auf 26 Cent erhöht. Das sind mehr als 100 Prozent. Das kann nicht sein, wenn sich damit die Energiekonzerne immer reicher machen“, rechnete sie vor.

Den ernsten Worten folgte dann aber noch ein versöhnliches Selfie mit ihrem Lebensgefährten und ein Dank an die SVZ für das Erlebnis.

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