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Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2017 | 03:23 Uhr

Seegrube : Invasion der Kormorane

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Bernd Lembcke aus Seegrube sieht die Kormorane als Problem auf dem Krakower See. Sie kommen vor allem aus dem Naturschutzgebiet Obersee. Lembcke sagt, dass etwas geschehen muss, weil Angler, Berufsfischer, die Natur und der Tourismus darunter leiden.

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erstellt am 11.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Bernd Lembcke steht auf dem Bade- und Angelsteg in Seegrube und schimpft auf die Kormorane. Gerade haben sie sich wieder in einem großen Pulk vom Obersee, wo sie auf der Insel „Lobwerder“ brüten, in die Serrahner Bucht gestürzt. Inzwischen verkürzen sie ihren Flug sogar, denn unmittelbar vor Seegrube hat sich eine neue Kolonie auf der kleinen Insel „Wolbenwerder“ eingenistet. Der 59-Jährigen, der den Krakower See wie seine Westentasche kennt, sieht das als großes Problem. „Das ist weder für den Tourismus und für die Fischerei noch für die Freizeitbeschäftigung Angeln gut“, nennt er Argumente gegen die Invasion der Kormorane. Auch die Natur leide, kritisiert er. „Lobwerder“ auf dem Obersee mit ihren gespenstischen Bäumen passt für ihn in jeden Gruselfilm. Lembcke hat seine Konsequenz gezogen. „Ich angle nicht mehr, weil es sich nicht mehr lohnt“, erzählt er. Und er berichtet auch von Touristen, die Angler sind, sich für den Krakower See für 29 Euro aber keine Angelkarte mehr kaufen.

Der Grund für den Ärger Bernd Lembckes sind in der Tat die Kormorane auf dem Krakower Obersee, aber auch die so genannten Durchzügler. Im Kormoranbericht des Landes 2013 werden 822 Nester genannt. Am Wochenende wird Sebastian Lorenz, Betreuer des Obersees, die nächste Zählung vornehmen. Der bestätigt allerdings nicht die Zahl von 3000 Kormoranen, sondern nennt nach der abgeschlossenen Brut bisher 1500 bis 1800 Tiere. Lorenz verweist beim Obersee jedoch auf den Status als Naturschutzgebiet. Hier gibt es keine Chance, gegen die Kormorane vorzugehen.

In die Klagen Bernd Lembckes fallen auch die Berufsfischer ein. Die Bimes, die auch auf dem Krakower See fischt, wird durch Kormorane jährlich um 300 000 Euro geschädigt. Geschäftsführer Guido Thies sagt deshalb: „Es muss etwas getan werden.“ Um im gleichen Atemzug schulterzuckend zu bemerken: „Es gab schon so viele Versammlungen, aber immer ohne Ergebnis.“

Wie kürzlich die Jahreshauptversammlung des Anglervereins Krakow am See, der 220 Mitglieder hat. „Uns wird durch die Kormorane das Angeln versalzen“, ärgert sich der Vorsitzende Dirk Rojahn. Wolfgang Jansen, Mitglied des Präsidiums im Landesanglerverband (LAV), bekräftigt das Problem. Bestätigt aber auch den Kormoranbericht 2013, der aussagt, dass sich die Kormoran-Brut 2013 um 17 Prozent gegenüber 2012 verringerte. Trotzdem bleibt die Forderung des LAV, dass der Bestand auf ein „erträgliches Maß reduziert werden muss“. „Weil es kein natürlicher Bestand ist“, sagt er. Wie es außerhalb von Schutzgebieten gehen kann? Jansen empfiehlt Laserpointer, die die Kormorane aufscheuchen und in der Brut stören, und per Ausnahmegenehmigung die Tiere abzuschießen. Hier habe Krakows Bürgermeister Wolfgang Geistert auf der Versammlung gesagt, dass er mit Jägern darüber sprechen wolle, so Jansen.

Keine Chance gibt er Ideen, Kormoranfleisch auf den Speiseplan von Gaststätten zu bringen. Jansen: „Kormoran soll zwar wie Rindfleisch schmecken, ist aber mit zu vielen Schadstoffen belastet.“


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