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Güstrower Anzeiger

24. Oktober 2017 | 08:02 Uhr

Ausstellung : Inge Jastrams Bilder in Kossow

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Am Geburtstag der Künstlerin Ausstellung in der Galerie/Künstlerarchiv Johannes Müller eröffnet.

Nach der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Galerie in Kossow hätte Inge Jastram gut ein Blumengeschäft beliefern können. Abweichend von der Gewohnheit, die Vernissage auf einen Sonnabend zu legen, wählte Galeristin Doreen Müller den Geburtstag der Künstlerin zur Ausstellungseröffnung. Gut 100 Menschen – Freunde, Verwandte, Bekannte, Künstlerkollegen – fanden so am späten Freitagnachmittag den Weg in das abseits der B 108 liegende Dorf und beschenkten die Künstlerin zum 83.

Anfang der 90er-Jahre zog der bekannte Maler und Grafiker Johannes Müller (1935-2012) mit seiner Frau Doreen nach Kossow. Die Witwe verhehlt nicht, dass der Umzug von Rostock vor allem auf ihr Betreiben erfolgt sei und dem Stadtmenschen Müller einiges abverlangt habe. Nach dem Tod ihres Mannes entschloss sich die Witwe, auf dem Grundstück eine Galerie mit Archivmöglichkeiten zu errichten. Dort werden nun alternierend Ausstellungen mit Werken von Johannes Müller und von mit ihm befreundeter Künstler gezeigt. „Ich bin mit der Aufarbeitung des Nachlasses meines Mannes noch längst nicht durch. Zurzeit sind wir dabei, seine Werke zu digitalisieren. Immer wieder entdecke ich in Schubladen neue Arbeiten. Aber das ist auch nicht verwunderlich. Für meinen Mann gab es immer Arbeit, Arbeit, Arbeit“, erzählt Doreen Müller. So fällt es ihr nicht schwer, aus der Fülle des Konvoluts thematische Ausstellungen zusammenzustellen.

Daneben steht der quadratische Galerie- und Archivbau für die Arbeiten befreundeter Künstler offen. Hans W. Scheibner, Oliver Dohr, Susanne Rast und andere stellten bereits aus. Seit den 50er-Jahren verband Johannes Müller eine tiefe Freundschaft mit dem Rostocker Bildhauer Jo Jastram (1928-2011) und seiner Frau Inge. Das Trio bildete über viele Jahre das Zentrum einer lebendigen Künstlerszene, die die Hansestadt und das Umland beeinflusste. „Da wurde es Zeit, dass Inge nun endlich auch in der Galerie in Kossow ausstellt“, sagt Doreen Müller.


Jastrams und Müllers: eine tiefe Freundschaft


In zwei Räumen und im Flurbereich sind die Werke Inge Jastrams, die seit vielen Jahren in Kneese bei Marlow lebt, zu sehen. Für die Schau ausgewählt hat sie vor allem Radierungen der letzten 30 Jahre. Die Häufung grafischer Blätter aus dem Zirkus- und Schaustellermilieu belegen ihren gesellschaftspolitischen Anspruch, Sprachrohr von Minderheiten zu sein. Ein weiterer Schwerpunkt sind Motive, die Inge Jastram in Cafés entdeckte. Der Kunstwissenschaftler Klaus Tiedemann bekannte in seiner Laudatio, in den letzten 20 Jahren bereits 13 Reden zu Ausstellungseröffnungen von Inge Jastram gehalten zu haben. In Anspielung an das Barlach-Wort, wonach Kunst immer zwei Menschen erfordere, stellte er fest: „Die Kunst von Inge Jastram wird gebraucht, weil sie sich dem Schicksal des Menschen zuwendet und nach seinem Woher und Wohin fragt.“

Die Galerie in Kossow hat von Mittwoch bis Freitag von 16 bis 18 Uhr und am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Arbeiten von Inge Jastram sind bis Februar zu sehen. Zeit für Doreen Müller, eine neue Ausstellung mit Werken ihres verstorbenen Mannes vorzubereiten.







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