Wahlkampf : In der Krakower Wokra brodelt es

Was ist in der Wokra verkehrt gelaufen? Das soll jetzt aufgearbeitet werden.  Fotos: hans-jürgen kowalzik (2), Archiv
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Was ist in der Wokra verkehrt gelaufen? Das soll jetzt aufgearbeitet werden. Fotos: hans-jürgen kowalzik (2), Archiv

Aufsichtsratschef Gundolf Botefür zurückgetreten / Geschäftsführer Jens Wiese abberufen / Vorwürfe gegen Bürgermeister Wolfgang Geistert

svz.de von
13. März 2014, 06:00 Uhr

In der Wohnungsgesellschaft Krakow am See Wokra, ein 100-prozentige Tochter der Stadt, brodelt es: Der Aufsichtratschef Gundolf Botefür ist zurückgetreten und der Geschäftsführer Jens Wiese wurde abberufen. In der Sitzung der Stadtvertretung Krakow am See am Dienstagabend wurden Vorwürfe gegen den Bürgermeister Wolfgang Geistert (parteilos für SPD) als Hauptgesellschafter der Wokra laut.

Nach SVZ-Informationen geht es u.a. um Fehlentscheidungen beim Bau der Senioren-Wohnungen in der Ernst-Thälmann-Straße 17. Hier soll vom Wokra-Geschäftsführer ein Kredit von 130 000 Euro aufgenommen worden sein, weil sich die Bausumme erhöhte. Das geschah ohne Stadtvertreterbeschluss.


Kommunikation verbessern


In nichtöffentlicher Sitzung listete der Aufsichtsrat weitere Punkte auf. Norbert Schlesiger, der neue Vorsitzende, wollte sich aber nicht äußern, verwies auf eine gesetzliche Schweigepflicht.

Jens Wiese, seit 2004 Geschäftsführer der Wokra und Tourismus GmbH, war gestern nicht zu erreichen. Er soll krank sein.

Gundolf Botefür räumt ein, dass der Aufsichtsrat zum Kredit nicht informiert wurde und ein Beschluss hätte gefasst werden müssen. Gleichzeitig verweist er darauf, dass sich über das gleiche Vorgehen jahrelang keiner beschwert habe, als die Wokra mit Städtebaufördermitteln sanierte Objekte per Kredit kaufte und soInvestitionen bei der Stadt blieben. Der Ex-Aufsichtsrat betont, dass aus seiner Sicht das Objekt „seriös“ gebaut wurde.

Auch Wolfgang Geistert sagt, dass alle Sachentscheidungen richtig gewesen seien. Günstiger sei das Bauen nicht möglich gewesen. Einzig bei der Klinkerfassade hätte man sparen können. Geistert räumt ein, dass er Aufsichtsrat und Geschäftsführung nicht ausreichend kontrolliert hat. Auch seien die Jahresabschlüsse zu spät fertig geworden. Das habe er in Gesellschafterversammlungen angemahnt. Jedoch habe die Kontrolle gefehlt. Geistert: „Für mich ist die Diskussion ein deutlicher Hinweis, dass die Kommunikation verbessert werden muss.“ Aber von allen Seiten, auch vom Aufsichtsrat, betont er. Im überarbeiteten Gesellschaftsvertrag kündigt er einen Bericht einmal im Jahr an.

Wokra-Prokuristin Birgit Kort, als Interimsgeschäftsführerin bestellt, bestätigte gestern in einer Mitteilung der Geschäftsführung, dass „Mitglieder des Aufsichtsrates der Wokra Unregelmäßigkeiten in der Unternehmensführung festgestellt haben“. Das habe zur Abberufung des Geschäftsführers und zum Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden geführt. Kort bestätigte, dass eine Prüfung erfolgen werde. Sie erklärte, dass das Unternehmen durch die Fehler geschwächt worden sei, aber keine Gefahr mehr für eine Insolvenz bestehe.


Keine Gefahr mehr für eine Insolvenz


Die Fraktionen reagierten abwartend und wiegeln das ab, was Einwohner diskutieren: Das Thema soll eine willkommene Gelegenheit vor den Wahlen sein, Bürgermeister Geistert zu beschädigen. Zur Erinnerung: Geistert, seit 20 Jahren Bürgermeister, geriet immer wieder durch seinen ehrenamtlichen Posten als Bürgermeister und als Inhaber eines Planungsbüros, das viel für die Stadt arbeitete, in die Kritik. Geistert: „Das machen andere Stadtvertreter auch.“ In dieser Situation sieht er sich sogar für eine erneute Kandidatur bestätigt. „Jetzt muss ich antreten, weil ich angegriffen werde“, sagt er. Aufklärung hat er aber versprochen. Die Stadtvertretung legte fest, dass er Stellung beziehen muss.


Vor Wahlen Bürgermeister schädigen


Darauf warten die Fraktionen und Jörg Oppitz, Heimatverein Charlottenthal. Für ihn sieht es zwar nach Wahlkampf aus. Aber er glaubt es nicht. Oppitz hofft auf eine „ehrliche Aufarbeitung“, bei der alle Karten auf den Tisch kommen und bei der der Bürgermeister mitarbeitet.

Michael Altmann, SPD-Fraktionschef, will wissen, welche Fehler der Aufsichtsrat gemacht hat. Altmann: „Einer allein trägt nicht die Schuld.“

Für Christoph Küsters, Linke-Fraktionschef, erkennt Fehlverhalten. Das habe auch der Rechnungsprüfungsausschuss festgestellt, so Küsters. Eine Mitverantwortung des alten Aufsichtsratsvorsitzenden und des Bürgermeisters müsse aber erst geklärt werden.

Lucia Dirks, stellvertretende CDU-Fraktionschefin, sagt, dass es Hinweise zu unzulässigen Verquickungen gebe. Das werde jetzt geprüft, vor allem in der Verantwortung gegenüber den Bürgern.



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