zur Navigation springen

Künstler : In der Alten Molkerei zaubern sie Grafiken, Bilder und Terrakotten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ins Atelier geschaut: Katrin und Ernst Lau haben sich ein Kleinod der Kunst in Baumgarten geschaffen / Auf Märkten und in Galerien bieten sie ihre Werke nicht an

Im ersten Moment fürchtet man, sich verirrt zu haben. „Genossenschafts Molkerei Baumgarten.“ verkündet ein Emailleschild, obwohl man doch zu Katrin und Ernst Lau will. Beim zweiten Hinsehen wird deutlich, dass man die Kunstgalerie der Laus gefunden hat. „Das Schild stammt von 1889, als die Molkerei in Betrieb genommen wurde. Bis 1959 wurde hier Milch verarbeitet“, informiert der Hausherr im Schnelldurchgang.

Seit 2007 ist Baumgarten das Refugium des Künstlerpaares. Ein Jahr, das die Diplom-Restauratorin Katrin Lau, die als Fachgebiet die Konservierung und Restaurierung von Leinwandbildern angibt, nicht so schnell vergessen wird. Zu der Zeit stand die Konservierung des großformatigen Bildes von Daniel Block, das Johann Albrecht II zu Mecklenburg-Güstrow zeigt, in ihrem Auftragsbuch. Gleichzeitig brachte sie mit ihrem Mann das Kunststück fertig, die heruntergekommene Alte Molkerei in Baumgarten in sieben Monaten in ein Galerie- und Wohngebäude zu verwandeln. „Ich bin damals ständig zwischen Schloss Güstrow und unserer Baustelle gependelt“, erinnert sich die 58-Jährige.


Grundlagen in Dresden gelernt


Katrin Lau ist Restauratorin und Malerin. Schon während des Studiums an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden lag ein Ausbildungsschwerpunkt im Zeichnen und Malen, aber die Arbeit als freischaffende Restauratorin in Sachsen ließ ihr wenig Raum für die Verwirklichung eigener künstlerischer Ambitionen. Erst ab der Jahrtausendwende widmete sie sich intensiv der Malerei und Grafik. „Ich habe in meinem Leben die Bilder so vieler Maler unter meinen Händen gehabt, dass es nun an der Zeit ist, selbst kreativ tätig zu werden“, schmunzelt sie. Ihr Beruf schafft ihr dabei die finanzielle Basis für die Malerei. „Ich brauche meine Bilder nicht auf Märkten oder in Galerien zu veräußern. Die Zeit dafür verwende ich lieber für die Arbeit im Atelier“, sagt sie. Seit 2010 versucht sich Katrin Lau auch an plastischen Arbeiten. „Bei der Porträtmalerei habe ich mir die Frage gestellt, wie das Motiv wohl dreidimensional aussieht“, erinnert sie sich. Kurz entschlossen besorgte sich Katrin Lau Ton, formte Porträtbüsten, brannte und bemalte sie. Inzwischen bevölkert eine Galerie attraktiver Damen – aber wieso eigentlich nur Damen? – ihre Internetpräsentation (www.galeriebaumgarten.de).

Auch für Ernst Lau bedeutete das Jahr 2007 eine Zäsur. Da beendete der gelernte Fotograf nach fast 35 Jahren seine Tätigkeit als Drucker von Grafiken. 1974 hatten ihm erste Aufträge und Kontakte zu Armin Münch und Otto Niemeyer Holstein den Eintritt in die Szene vermittelt. Seine Zuverlässigkeit und sein hoher Qualitätsanspruch – Ernst Lau: „Das 100. Blatt muss noch genau so aussehen wie das erste.“ – bescherten ihm weitere Kunden. Lau druckte unter anderem für Grafiker wie Albin Brunowski, Inge Jastram, Joachim John, Bernhard Kretzschmar, Max Schwimmer oder Heinz Zander. „Insgesamt sind wohl 100 000 Drucke durch meine Hände gegangen“, bilanziert Lau. Von jeder Arbeit bleibt ein Belegexemplar beim Drucker, so dass er heute über einen umfangreichen Bestand verfügt.


Stets großer Anspruch an Qualität


In wechselnden Ausstellungen präsentiert Ernst Lau diese Drucke in der Galerie in Baumgarten. Zurzeit sind dort neben Arbeiten seiner Frau Katrin bis zum 30. September Radierungen von Ernst Hassebrauk zu sehen. „Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, wechseln wir die Ausstellungen. Die nächste wird am 5. Oktober eröffnet“, informiert Lau.

Übrigens: Feste Öffnungszeiten gibt es für die Galerie der beiden Künstler in Baumgarten nicht. Wer die Ausstellungen besichtigen will, sollte sich anmelden (Tel. 038462/28412). Und wenn der Besucher in der Warnowstraße die „Genossenschafts Molkerei Baumgarten.“ entdeckt, ist er angekommen.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen