Flüchtlinge in Mühlengeez : Improvisationsvermögen gefragt

Gert Schmidt steht in einer der großen Hallen, in denen übers Wochenende vier mal acht Meter große Räume eingerichtet werden.
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Gert Schmidt steht in einer der großen Hallen, in denen übers Wochenende vier mal acht Meter große Räume eingerichtet werden.

Gert Schmidt leitet das vom DRK betreute Notaufnahmelager für Flüchtlinge in Mühlengeez

svz.de von
19. September 2015, 06:00 Uhr

In diesen Tagen schlägt bei Gert Schmidt fast im Minutentakt das Handy an. Der 62-Jährige hat seit dieser Woche die Leitung der vom DRK-Kreisverband Güstrow betreuten Notunterkunft für Flüchtlinge im Mecklenburgischen Ausstellungszentrum (MAZ) in Mühlengeez übernommen. Mittwoch werden die ersten Asylsuchenden erwartet, Kapazität soll für bis zu 1600 Menschen geschaffen werden.

Gestern waren Firmen noch mit dem Abbau von Pavillons und Zelten, die bei der Mela gebraucht wurden, beschäftigt. Übers Wochenende sollen insgesamt vier großräumige Zelte für die Flüchtlinge eingerichtet werden. „Drei stehen schon von der Mela, davon wird eins erweitert und ein viertes neu aufgestellt“, erklärt Schmidt. In den Zelten werden Räume in den Abmessungen vier mal acht Meter abgeteilt, um für bis zu jeweils zehn Flüchtlinge wenigstens ein Mindestmaß an Privatsphäre zu schaffen. Ventilatoren und Heizungsaggregate sichern die Verteilung der Wärme. Heizung sei natürlich für die Flüchtlinge wichtig, aber auch für das Zeltdach, damit bei einem frühen Wintereinbruch der Schnee schnell getaut werden kann, erklärt Schmidt. Vorerst sei der Betrieb der Notunterkunft für drei Monate vorgesehen, die Verweildauer der Flüchtlinge in Mühlengeez für bis zu 14 Tagen geplant.

Gert Schmidt, der den DRK-Hausnotruf des Landes Mecklenburg-Vorpommern leitet, weiß, dass er viel improvisieren müssen wird. So sei offen, wie viele Flüchtlinge schon am Mittwoch in Mühlengeez eintreffen werden, für wie lange sie bleiben und welche Helfer – ehren- und hauptamtliche – ihn unterstützen werden. Mit Polizei und Feuerwehr ist das umfangreiche Sicherheits- und Brandschutzkonzept abgestimmt. Noch geklärt werden müssen unter anderem Fragen der Versorgung, der medizinischen Betreuung und der Hygiene. Trotz der Kürze der Zeit wiegelt Schmidt ab. „Keine Hektik, die können wir am wenigsten gebrauchen“, versichert er. Ganz unerfahren ist Schmidt in dem Metier nicht. In der Zeit der Jugoslawien-Kriege in den 1990er-Jahren betreute er bosnische Flüchtlinge, die in Güstrow, Krakow am See und Plaaz untergekommen waren. „Aber was jetzt passiert, das ist schon einige Nummern größer“, sagt er.


DRK benötigt Helfer und Spenden


Für die neue Notunterkunft sucht das DRK Güstrow dringend auch ehrenamtliche Unterstützung. „Ohne Helfer geht es nicht“, sagt Manuela Hamann, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit beim DRK Güstrow. „Vor allem freuen wir uns über jeden, der dolmetschen kann.“ Zudem werden Ehrenamtliche für die Kleiderausgabe sowie für Freizeitbeschäftigungen mit den Flüchtlingen gesucht. Spenden jeder Art seien ebenso wollkommen: Kleiderspenden, Geldspenden, Sonstiges (Spielzeug, Deutschlernmaterialien, Videorecorder und Videos für Kinder, Bälle usw.). Wer in der Notunterkunft in Mühlengeez ehrenamtlich tätig werden oder dafür spenden möchte kann sich beim DRK Güstrow unter der Telefonnummer 08000 365 000 melden. Zudem hat das DRK eine E-Mailadresse freigeschaltet: fluechtlingshilfe@drk-guestrow.de.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.
 

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