Güstrow : Im Spannungsfeld der Gegensätze

Kamen in der Ausstellung miteinander ins Gespräch: Lothar Dünkel und Kuratorin Franziska Hell.
Kamen in der Ausstellung miteinander ins Gespräch: Lothar Dünkel und Kuratorin Franziska Hell.

Ausstellung „Vom ‚Liebesseufzer‘ zur ‚Totenklage‘. Kontrastierende Motivwelten bei Ernst Barlach“ eröffnet.

svz.de von
15. April 2018, 21:00 Uhr

Nach der als sehr erfolgreich eingeschätzten Ausstellung mit Werken des Rostocker Bildhauers Wolfgang Friedrich bildete eine Vernissage am Sonntag den Auftakt zur ersten Präsentation des Jahres in der Ernst-Barlach-Stiftung. Als Kuratorin hatte Franziska Hell die Ausstellung „Vom ‚Liebesseufzer‘ bis zur ‚Totenklage‘. Kontrastierende Motivwelten bei Ernst Barlach“ erarbeitet.

Sie konnte dabei aus dem umfangreichen Fundus der Stiftung schöpfen und hatte oft genug die Qual der Wahl. Die 60 im Graphikkabinett und die 36 im großen Ausstellungsraum gezeigten Zeichnungen, Graphiken und Plastiken können dann auch nur exemplarisch für die Spannweite des Themas stehen. „Ich habe mir zunächst Motivkreise vorgegeben und für Belege in allen Schaffensperioden Barlachs gesucht“, erklärte die Kuratorin ihre Vorgehensweise. Dabei stellte sie Gegensätze zueinander: Liebe und Hass, Armut und Reichtum, Trauer und Fröhlichkeit. „Deutlich wird, dass der Künstler sich mit allen Bereichen des menschlichen Lebens auseinandersetzt“, betonte sie. Einen Leitfaden fand Franziska Hell im Credo Barlachs, den Menschen in den Mittelpunkt seines Schaffens zu stellen. „Es war auch das Leitmotiv Barlachs, zu dem er verstärkt nach seiner Russland-Reise im Sommer 1906 fand“, hob die Kuratorin hervor. Wie auch Barlach selbst Wandlungen in den Kontrasten durchlebte – beispielsweise in seiner Sicht auf den Krieg –, hatte er den Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch euphorisch begrüßt, so änderte er seine Haltung angesichts des Massensterbens auf den Schlachtfeldern und entwickelte sich zu einem entschiedenen Kriegsgegner.

Apropos Weltkrieg. Museumsleiter Dr. Volker Probst kündigte für Mitte Oktober eine Ausstellung zur 100. Wiederkehr des Endes des Ersten Weltkrieges an. Sie trägt den Titel „Der Große Krieg im Kleinformat“. Dazwischen liegt die Sommerausstellung, in der die Stiftung ihre Erwerbungen der Jahre 2005 bis 2018 unter dem Titel „Vom Glück des Sammelns“ präsentiert. Franziska Hell fällt dabei der Part der Druckgrafiken und der zahlreichen Autographen zu.

Zur Begleitung der aktuellen Ausstellung hat die Kuratorin eine reich bebilderte Broschüre erarbeitet, die die kontrastierenden Motivwelten anschaulich nahebringt.


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