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Fahrradwerkstatt : Im Rentenalter Zeit für Oldtimer

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Fahrradmechanikermeister Walter Meiser feiert 30-jähriges Firmenjubiläum / Schon in DDR mit Fahrradwerkstatt selbstständig gemacht

Sein 30-jähriges Firmenjubiläum feiert jetzt Walter Meiser in seiner Fahrradwerkstatt in der Güstrower Bachstraße 1a. Gelernt hatte Meiser im Landtechnischen Instandsetzungswerk (LIW) Güstrow. 1975 bestand er seine Meisterprüfung im Maschinenbau. Seine Arbeitsstellen waren die Textilreinigung und der VEB Metallwaren Güstrow, wo er als Hauptmechaniker tätig war. „Als Meister stand man immer zwischen Baum und Borke, war der Puffer zwischen unten und oben“, beschreibt er die damalige Zeit. Da hörte er, dass ein Fahrradmechaniker gesucht wurde. In ganz Güstrow soll es nur einen gegeben haben. Das erklärt, dass Meiser innerhalb von drei Monaten seine Zulassung erhielt und sogar einen Telefonanschluss – Goldstaub zur damaligen Zeit.


Arbeit war immer genug da


Allerdings legte man ihm den Eintritt in die Partei nahe. Meiser entschied sich für die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD). „Wir sagten immer 3-Mark-Partei dazu, weil das der monatliche Beitrag war“, schmunzelt Meiser heute. Nach Lehrgängen im Finanzamt und dem Nachweis eines Fahrradmechanikers, den er in der Metalldreherei von Horst Homuth erhielt, konnte Walter Meiser am 1. Juli 1984 als Selbstständiger loslegen. Seine damalige Werkstatt in einem kleinen Gebäude auf dem Hinterhof der Plauer Straße 11 war gut versteckt, aber die Kunden fanden sie schnell. „Eine Woche habe ich Fahrräder angenommen und dann für acht Wochen Arbeit gehabt“, erinnert sich der 65-Jährige. Arbeit, sagt er, war immer genug da.

Auch nach der Wende. Da kamen neue Marken und Modelle auf den Markt und Meiser hatte zu tun. „Pro Tag habe ich in den ersten Jahren im Schnitt zwei Fahrräder verkauft“, sagt er. Seinen Sohn Ralf nahm er in die Lehre und 1992 konnten die Meisers das Grundstück in der Bachstraße erwerben. Im Parterre richtete er eine Werkstatt ein und fühlt sich hier noch heute wohl.

Inzwischen Rentner, hat er sich mit der Rekonstruktion von historischen Fahrrädern ein im Fach liegendes Hobby zugelegt. „Im Winter 2012 zu 2013 habe ich die Arbeit an den ersten Oldtimern begonnen. Inzwischen sind 30 Fahrräder voll einsatzfähig und ungefähr sechs, sieben warten noch darauf, instand gesetzt zu werden“, sagt der Meister. Fast 100 Jahre alt ist sein ältestes Fahrrad, eine 1917 gebaute „Wanderer“. Weil die guten Stücke bewegt werden wollen, hat Walter Meiser eine Interessengemeinschaft gegründet, die regelmäßig Ausfahrten unternimmt. Am Sonnabend zum Beispiel nach Lüssow, wo die Gruppe am Festumzug zum Dorfjubiläum teilnahm.

„Wenn der Herrgott einverstanden ist, würde ich gern noch 20 Jahre in meiner Werkstatt arbeiten“, schmunzelt Meiser. Zum 50. Betriebsjubiläum gäbe es dann sicher eine zünftige Ausfahrt mit den Oldtimern.




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