Rückrufaktion bei VW : „Im Herbst bekommen wir richtig Druck“

Servicetechniker Mario Kelm vom Autohaus Nord in Güstrow macht ein Software-Update bei einem von der Software-Manipulation bei VW betroffenen Vierzylinder-Diesel EA189.
Servicetechniker Mario Kelm vom Autohaus Nord in Güstrow macht ein Software-Update bei einem von der Software-Manipulation bei VW betroffenen Vierzylinder-Diesel EA189.

Diesel-Abgas-Skandal bei VW: Autohaus Nord in Güstrow rechnet mit Spitzen in Werkstatt.

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01. August 2016, 21:00 Uhr

Jetzt rollt der Diesel-Abgas-Skandal bei VW auch auf die Region zu, denn die Arbeit haben die Autohäuser vor Ort. Die zweite Welle der Rückrufaktion ist angelaufen. „Jetzt sind die Massenfahrzeuge dran, wie z.B. Golf, Jetta, Caddy oder auch Skoda Superb. Auch der Passat ist noch nicht durch“, sagt Uwe Janke, Serviceleiter beim Autohaus Nord in Güstrow. Die Besitzer von Fahrzeugen mit dem von der Software-Manipulation betroffenen Vierzylinder-Diesel EA189 haben in diesen Tagen Post von ihrem Hersteller bekommen. „Bisher war der Ansturm noch nicht groß. Wir haben erst bei 50 Fahrzeugen ein Software-Update durchgeführt. Richtigen Druck bekommen wir aber im Herbst und Winter“, prognostiziert Janke. Allein 700 Stammkunden des Autohauses Nord sind betroffen. Und die brauchen alle einen Werkstatttermin.

Janke rechnet mit bis zu vier manipulierten Dieselfahrzeugen zusätzlich pro Tag in der Werkstatt. „Wir haben uns aber schon auf eine eventuelle Überlastung unserer Werkstatt vorbereitet“, sagt er. So sei unter anderem extra ein Azubi übernommen worden, um Spitzen wegen des notwendigen Software-Updates abdecken zu können. Im Vorfeld wurden die Mitarbeiter zudem in der neuen Software, die die Manipulation rückgängig macht, geschult. VW hat beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht.

„Softwareanpassung für das Steuergerät Motorelektronik“ heißt das, was von dem Diesel-Abgas-Skandal in der Werkstatt übrig bleibt. „Die Software haben wir vom Hersteller. Das Update geht relativ schnell, dauert nur rund eine halbe Stunde“, sagt Servicetechniker Mario Kelm vom Autohaus Nord. Aber fast noch größer ist der administrative Aufwand, ergänzt Janke. Da kommt es ihm sehr gelegen, dass der Hersteller sämtliche Kosten dieser Rückrufaktion übernimmt. „Wir schicken VW und Skoda die Rechnungen“, sagt er. „Ich bin schon überrascht, dass alles übernommen wird“, ergänzt er. Dazu zählen u.a. Arbeitskosten der Mitarbeiter in der Werkstatt oder auch Kosten für ein Ersatzfahrzeug für den Kunden.

Unterdessen hat der Abgas-Skandal dem Güstrower Autohaus Nord nicht geschadet. „Wir setzen nicht weniger Autos ab. Im ersten Halbjahr hatten wir gute Verkaufszahlen, auch bei Diesel“, sagt Janke. „Die Kunden sind uns nicht böse, wir können ja auch nichts dafür. Aber viele sind natürlich vom Hersteller enttäuscht“, hat Uwe Janke in Kundengesprächen festgestellt.

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