Wendorf/Mierendorf: Anwohner stinksauer : "Illegale" Umleitung über Buckelpiste

Der Wendorfer Frank Rothe wohnt direkt an der engen Einmündung in den Mierendorfer Weg, der in den so genannten Zigeunerpfad übergeht. Diese unbefestigte Strecke wird gerade bevorzugt als Umleitung genutzt. Jens Griesbach
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Der Wendorfer Frank Rothe wohnt direkt an der engen Einmündung in den Mierendorfer Weg, der in den so genannten Zigeunerpfad übergeht. Diese unbefestigte Strecke wird gerade bevorzugt als Umleitung genutzt. Jens Griesbach

Idyllisch führt der Mierendorfer Weg und der anschließende "Zigeunerpfad" durch die mecklenburgische Landschaft. Hier herrscht seit kurzem reger Andrang. Autos und auch Lastwagen zwängen sich über die enge Buckelpiste.

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11. Mai 2012, 09:28 Uhr

Wendorf | Idyllisch führt der Mierendorfer Weg und der anschließende "Zigeunerpfad" durch die mecklenburgische Landschaft. Hier, wo sonst die Wendorfer ihren Sonntagsspaziergang jenseits des Verkehrslärms genießen, herrscht seit kurzem reger Andrang. Autos und auch Lastwagen zwängen sich über die enge, unbefestigte Buckelpiste. Es ist ganz schön was los. Grund ist der Neubau der Eisenbahnbrücke bei Plaaz und die Vollsperrung der Hauptstraße (SVZ berichtete). Schnell hat der Verkehr eine kurze Umleitung über diesen Schleichweg gefunden - über Wendorf geht es nach Mierendorf und dann zur Autobahn oder Richtung Güstrow und umgekehrt. Nach Aussagen des Amtes Güstrow-Land handelt es sich beim "Zigeunerpfad" aber nicht um einen öffentlichen Weg. Der Plaazer Bürgermeister Holger Büttner spricht von einer "illegalen Umleitung". Die Ruhe in dem kleinen Dorf in der Gemeinde Plaaz ist auf jeden Fall dahin. Kein Wunder also, dass vor allem die Anwohner des Mierendorfer Weges ziemlich sauer sind.

Anwohner fordern: Weg für Durchgangsverkehr sperren

Bei einem Vor-Ort-Termin am Mittwoch abend mit Vertretern des Amtes Güstrow-Land machten die Wendorfer ihrem Ärger emotionsgeladen Luft. "Ich fordere, dass dieser Weg für den Durchgangsverkehr gesperrt wird. Deshalb sollen während der Bauarbeiten an der Brücke sowohl in Mierendorf als auch in Wendorf Sackgassenschilder mit dem Zusatz ,Keine Wendemöglichkeit’ aufgestellt werden", sagt Frank Rothe. Dem Wendorfer gehört das Grundstück direkt an der engen Einmündung in den Mierendorfer Weg - ein Nadelöhr. "Hier herrscht das Chaos", ergänzt seine Frau Sabine Rothe. Oft sei der Weg verschlammt, 33 Fahrzeuge hätten bereits freigeschleppt werden müssen. Eine Autofahrerin habe zudem einen Jugendlichen durch ihre riskante Fahrweise zu Fall gebracht und sei einfach weitergefahren. Auch seien Anwohner des Mierendorfer Weges beim Verlassen ihres Grundstücks schon von Autofahrern des ständigen Durchgangsverkehrs beleidigt worden, weil sie nicht schnell genug ihr Grundstückstor geschlossen hätten, so Sabine Rothe.

Alle Bemühungen der Wendorfer, bei den Ämtern eine Sperrung des Weges zu erreichen, hätten bisher nicht gefruchtet. "Keiner kümmert sich, keiner ist zuständig", sagt Sabine Rothe. Gekümmert hat sich aber bereits mehrmals das Amt Güs trow-Land. Dreimal habe Ordnungsamtsleiter Harald Teichmann beim zuständigen Straßenverkehrsamt des Landkreises unmittelbar nach Sperrung der Eisenbahnbrücke vorgesprochen, um den "Zigeunerpfad" entlang der Schienen zwischen Wendorf und Mierendorf für den Durchgangsverkehr sperren zu lassen. Er machte vor allem auf erhebliche Straßenschäden aufmerksam. "Bis heute haben wir jedoch keine Antwort erhalten", sagte gestern Jürgen Heinen, Leiter Liegenschaften und Bauamt im Amt Güstrow-Land. Sogar das Straßenbauamt Güstrow spricht sich in einem Schreiben, dass unserer Redaktion vorliegt, für eine Sperrung aus. "Das ist unbedingt notwendig", sagt Heinen. "Vor allem wenn demnächst der Straßenbau in Wendorf beginnt, wird sich die Situation noch verschlimmern."

Die Antwort, die der Landkreis dem Amt Güstrow-Land bisher schuldig geblieben ist, gab es gestern auf SVZ-Nachfrage von Lutz Freier, Sachgebietsleiter Straßenverkehr beim Landkreis: "Wir haben keine Straßenschäden vor Ort festgestellt. Deshalb ist keine Sperrung dieses öffentlichen Weges vorgesehen, nur weil sich Anwohner beschweren." Der Landkreis ist im Gegensatz zum Amt Güstrow-Land davon überzeugt, dass es sich beim "Zigeunerpfad" um einen öffentlichen Weg handelt.

Diese Reaktion wird die Emotionen in Wendorf weiter hochkochen lassen, ist Frank Rothe überzeugt. Sogar von "Selbstjustiz" ist schon die Rede. Rothe will seinen Rechtsbeistand einschalten. "Der Landkreis macht sich lächerlich, wenn er hier einen nichtöffentlichen Weg zu einem öffentlichen erklärt", ist er überzeugt.

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