Illegale Kletterer auf Rostocker Kirchturm

Achtung Lebensgefahr: Pastor Tilman Jeremias warnt dringend vor Nachahmungstaten. Matthias Bannert
Achtung Lebensgefahr: Pastor Tilman Jeremias warnt dringend vor Nachahmungstaten. Matthias Bannert

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19. Februar 2010, 01:57 Uhr

Rostock | Nervenkitzel pur: Hohe Gebäude wie Kirchtürme oder alte Kräne ziehen junge Kletterer magisch an. Im Schutz der Dunkelheit sind in dieser Woche zwei

Jugendliche das Baugerüst an der Rostocker St.-Marien-Kirche hinaufgeklettert - und

haben damit ein Großaufgebot von Feuerwehr und Polizei auf den Plan gerufen. Als sie wieder Boden unter den Füßen hatten, wurden die Beiden bereits von Beamten erwartet. "Wir mussten letztlich nicht eingreifen, da die Jugendlichen eigenständig herunter kamen", so Feuerwehr-Sprecherin Monika Klaus. Doch zunächst werde generell davon ausgegangen, dass sich Personen auf hohen

Gebäuden das Leben nehmen wollen. "Dann kommt natürlich die Feuerwehr, um zu helfen und Schlimmeres zu verhindern", sagt Klaus.

Beliebt bei illegalen Kletterern sind Kirchtürme oder

alte Kräne. Doch die beiden Jugendlichen, die auf den

Marienturm klettern, wollen nur die Aussicht genießen: "Nachts ist Rostock von oben mit den vielen Lichtern besonders schön", sagt Patrick*, einer der Kletterer. "Wir dachten, das würde keiner bemerken." Er und sein Kumpel warten extra auf die Dunkelheit. Doch Pastor Tilman Jeremias, der direkt an der Kirche in der Rostocker Innenstadt wohnt, ruft die Polizei, als er Stimmen am Baugerüst zu dem

85 Meter hohen Turm hört. Patricks Kumpel war schon mehrmals auf dem Kirchturm - immer ging die Sache gut. "Man muss schon etwas kraxeln", erzählt Patrick.

Die Gefahr schätzen die

Jugendlichen als gering ein. "Schließlich sind Bauarbeiter jeden Tag dort oben", sagt der 21-Jährige. Als die beiden

Jugendlichen die Polizei unten bemerken, versuchen sie zu fliehen. Doch nur schwer finden sie einen anderen Weg abwärts, bringen sich erst recht in Gefahr. Unten angekommen werden Patrick und sein Kumpel auch von dem Pastor der Innenstadtgemeinde empfangen. Jeremias geht auf die Beiden zu, schüttelt ihnen die Hand. Er sieht von einer Anzeige ab, lädt sie sogar zu seinem Gottesdienst am Sonntag ein. "Sie schienen mir sehr vernünftig", sagt er. Dennoch ist das Besteigen des Turmes Hausfriedensbruch. "Der Feuerwehreinsatz kann sehr teuer werden", warnt er Nachahmungstäter. Denn bei selbst verschuldeten Einsätzen können die Kosten in Rechnung gestellt werden.

Patrick und sein Kumpel sind nicht die ersten, die den 85-Meter-Turm bestiegen

haben. "Als das Gerüst aufgestellt wurde, ist das öfter vorgekommen", erinnert sich

Jeremias. "Baustellen dürfen generell nicht betreten werden, das ist gefährlich", sagt er. "Ich möchte nicht, dass

jemand zu Schaden kommt."

* Name geändert

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