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Wildwest in Kuchelmiss : Illegale Aufschüttung nahe der Nebel

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Leser will kein „Wildwest“ in Kuchelmiß. Landkreis untersucht den Vorgang

von
erstellt am 22.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Wird in Kuchelmiß illegal und verschmutzte Erde verklappt? Unser Leser Wolfgang Streck hat diesen Verdacht und ließ Anfang der Woche die SVZ-Lokalredaktion davon wissen. So viel voraus: Bis gestern war das nicht zu klären.

Große Mengen Erdreich habe in den vergangenen Wochen eine ortsansässige Firma im hinteren Bereich des Kuchelmisser Sportplatzes abgeladen. Wolfgang Streck, der in der Nähe wohnt, denkt, es müssten um die 2000 Tonnen sein, die die neue Kante des Sportplatzes bilden. Über geschätzt 60 Meter Länge und vielleicht 15 Meter Breite entstand eine gut zweieinhalb Meter hohe, neue Böschung, die in die angrenzende saftiggrüne Wiese hineinreicht. Mehr noch möchte Wolfgang Streck vermuten: Dieser Boden ist nicht ganz astrein, der müsse von Öl verunreinigt sein. Selbst in der Baubranche tätig, gräbt er mit einer kleinen Schaufel und schnuppert und denkt laut: „Das riecht doch nach Öl!“ Und das im Naturschutzgebiet, in Steinwurfweite eines Nebelarmes, der hinter dem Sportplatz vorbeiführt.

Seine Vermutung schöpft Streck aus der Vergangenheit. Mitte der 1970er-Jahre, als die Autobahn Berlin-Rostock gebaut wurde, stationierte sich an der Ausfahrt Kuchelmiß ein Brückenbauunternehmen aus Dresden, und das hatte für seinen Fuhrpark auch eine Tankstelle, erinnert sich unser Leser. Und, wie leichtfertig zu DDR-Zeiten oftmals mit solchen Sachen umgegangen wurde… Jetzt jedenfalls hebe die heute hier ansässige Firma für ein Regenrückhaltebecken Erde aus, und das erlaube ihm seine Bedenken, sagt der Kuchelmisser, und: „Ich möchte bei uns keine Wildwestmethoden.“

Das sei alles in Ordnung, möchte Bürgermeister Peter Hildebrandt auf SVZ-Nachfrage beruhigen: „Wenn Leute Mutterboden loswerden wollen, haben wir da eine geeignete Stelle anzubieten. Das praktizieren wir schon seit vielen Jahren so. So ist ja die zweite Hälfte des Sportplatzes überhaupt erst entstanden.“ Einerseits tue die Gemeinde so jemandem einen Gefallen, andererseits werde so das Gelände ausgeglichen. Hildebrandt: „Vom Landkreis ist das genehmigt.“

Weil ihm das alles nicht geheuer vorkommt, hat Wolfgang Streck das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz (Stalu) in Rostock informiert. Das sei für solcherart Aufschüttungen nicht zuständig, stellte Dörte Kolbow von der Abteilung Naturschutz, Wasser und Boden zunächst klar. Doch weil zufällig Stalu-Mitarbeiter in der Nähe von Kuchelmiß waren, hätten die jene Stelle gleich in Augenschein genommen und dokumentiert. Zumindest an der Oberfläche sei das angelieferte Material dem Augenschein nach nicht belastet, lässt Kolbow im Ergebnis wissen. Wegen der Zuständigkeit habe man den Vorgang jedoch beim Landkreis angezeigt.

Dies bestätigt Kreissprecher Michael Fengler, nicht jedoch, dass die Aufschüttung mit dem Landkreis abgestimmt oder genehmigt wäre. Ein naturschutzrechtliches Anhörungsverfahren mit dem Grundstückseigentümer sei bereits eingeleitet worden. Gestern habe die Bodenschutzbehörde zudem Untersuchungen des Erdreiches angeordnet. Abhängig von den folgernden Einschätzungen sei über den weiteren Verbleib der Aufschüttung zu befinden. Dem Verursacher wurde untersagt, weitere Materialien dort abzulagern.

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