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Müll statt Idyll : „Idyll“ gleicht einem Sperrmülllager

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Unbekannte nutzen Naturstück an der Beke, um Bauschutt und Unrat abzuladen / Stadt Schwaan zieht Konsequenzen

Mango Chutney ist sicher nicht in diesen Tonnen, auch wenn es auf jeder einzelnen steht. Gut 80 der blauen Fässer – scheinbar alle mit Bauschutt gefüllt – wurden von Unbekannten an der Beke gegenüber von Bootshäusern abgestellt – auf einer Fläche der Stadt Schwaan, die eigentlich unberührt sein sollte.

Aber von vorn: Weil einige Erlen am Weg gegenüber mehrerer Bootshäuser zu kippen drohen, meldeten die Pächter der Stadt das Problem und forderten zum Handeln auf. Es besteht die so genannte Verkehrssicherungspflicht. Bei der Begehung allerdings stockte Schwaans Bürgermeister Mathias Schauer der Atem. Die Bäume sind hier wahrlich nicht das einzige Problem. Schon von weitem sind zahlreiche blaue Tonnen sichtbar. Mitten in der Natur. Gegenüber befinden sich insgesamt 18 Grundstücke, wunderbar an der Beke gelegen und nur wenige Meter von der Mündung in die Warnow entfernt.


Statt bei Entsorgung in der Pflicht


An anderer Stelle am Wegrand wurden Feuerstellen errichtet oder Tiere gehalten, Hütten und Komposthaufen finden sich ebenfalls. Besonders ärgert sich Schauer aber über gut 80 blaue Fässer voll mit Bauschutt. „Das ist schon dreist.“ Für die Entsorgung muss nun die Stadt Schwaan aufkommen, denn stehen bleiben können die Tonnen hier nicht. „Wir sind Eigentümer, also sind wir in der Pflicht“, stellt Schauer klar. Und weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass nicht auch belastetes Material in den Tonnen schlummert, wird jede einzelne geprüft werden müssen.


„Hier wird jetzt aufgeräumt“


Hier wird jetzt aufgeräumt, kündigt Schauer entschlossen an. „Aber es wird für uns natürlich schwer, den Nachweis zu erbringen.“ Dazu muss ermittelt werden, wer hier seinen Unrat abgestellt hat. „Wir wissen ja nicht, wer die Ablagerungen vorgenommen hat“, fügt Viola Präfke vom Ordnungsamt an.

Ironie schwingt in jedem Fall mit in diesem Fall. An einem Tor heißt ein Schild mit der Aufschrift „Willkommen in der Idylle“ Besucher willkommen. Auf der anderen Seite des Weges türmt sich Unrat, der seit Jahren hier liegen muss.

„Sonst sieht es gepflegt aus“, stellt Viola Präfke fest, dass einige Grundstücke in einem ordentlichen Zustand sind. „Das ist im Sommer eine richtig schöne Ecke“, pflichtet ihr der Bürgermeister bei.

Alarmiert von den Müllbergen wurde auch in die Verträge geschaut und dabei kam der nächste ans Licht: Nur für acht Grundstücke gibt es tatsächlich einen gültigen Pachtvertrag – diese oft noch aus DDR-Zeiten. „Wir müssen da jetzt mal aufräumen“, sagt Bürgermeister Schauer. So müssten beispielsweise auch die bestehenden Pachtverträge dringend angepasst werden. Teilweise werden für die Grundstücke nur zehn Cent pro Quadratmeter und zwei Euro pro Quadratmeter für bebaute Flächen fällig – das sind meist weniger als 50 Euro im Jahr. „Wir vermieten ja auch Parkplätze in Schwaan. Da nehmen wir 20 Euro – im Monat“, zieht Schauer einen Vergleich. „Das steht in keinem Verhältnis.“ In der kompletten Angelegenheit soll nun schnellstmögliche eine klare Linie geschaffen werden.

Um die Bäume – das eigentliche Ursprungsproblem – kümmert sich die Stadt Schwaan in den kommenden Tagen. Mindestens 40 Prozent müssen womöglich weggenommen werden, fürchtet der Bürgermeister. Was den ganzen Müll und Unrat auf dem ganzen Areal an der Beke angeht, schließt die Verwaltung nicht aus, weitere rechtliche Schritte einzuleiten bzw. Anzeige zu erstatten.

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