Bürgermeisterwahl 2017 : „Identifiziere mich mit diesem Amt“

Bürgermeister Arne Schuldt in seinem Amtszimmer im Güstrower Rathaus. Hinter ihm ein Porträt seines Vorbildes Otto Dahse, der 49 Jahre lang Bürgermeister von Güstrow war.
Bürgermeister Arne Schuldt in seinem Amtszimmer im Güstrower Rathaus. Hinter ihm ein Porträt seines Vorbildes Otto Dahse, der 49 Jahre lang Bürgermeister von Güstrow war.

Interview mit dem Güstrower Bürgermeister, Arne Schuldt (parteilos): Der 58-Jährige strebt seine dritte Amtszeit an.

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01. September 2017, 05:00 Uhr

Zur Wahl des neuen Güstrower Bürgermeisters, gleichzeitig mit der Bundestagswahl am 24. September, stellen sich lediglich zwei parteilose Einzelbewerber: der amtierende Chef im Rathaus, Arne Schuldt, und sein Herausforderer Kevin Sell. Im SVZ-Kandidateninterview antwortet heute Amtsinhaber Arne Schuldt den Redakteuren Eckhard Rosentreter und Jens Griesbach.

Herr Schuldt, Sie sind bereits fast 14 Bürgermeister der Barlachstadt Güstrow, länger als die Kanzlerschaft Angela Merkels andauert. Was macht Ihnen „Bock“ auf weitere sieben Jahre?
Schuldt: Einmal die sehr schöne Aufgabe, in der Heimatstadt, in der ich geboren bin, dieses Amt ausüben zu dürfen. Dann natürlich das Vertrauen der Bürger dafür zu haben und dieses auch rechtfertigen zu wollen. Und manches, das noch nicht fertig ist; ich denke besonders an die Altstadtsanierung, bei der sich die Arbeit an einer kontinuierlichen Fortentwicklung allemal lohnt. An die Sanierung der Thomas-Müntzer-Schule, die mir sehr am Herzen liegt. Wir müssen uns auch die Entwicklung der Kindertagesstätten- und Schulplätze ansehen, denn es gibt wieder mehr Kinder. Obwohl das eigentlich ja Kreissache ist, sollte eine Stadt wie Güstrow da auch ihre eigene Planung machen.

Haben Sie in 14 Jahren Ihrer Amtszeit etwas vergessen, das Sie unbedingt noch nachholen wollen?
Es ist, glaube ich, erkennbar, dass ich eine kontinuierliche Politik machen will. Erinnern Sie sich bitte an meine Anfangszeit als Bürgermeister, da musste die Stadt um ihre finanzielle Ausstattung kämpfen. Sogar betriebsbedingte Kündigungen haben gedroht und wir konnten das Schlimmste nur mit verkürzten Arbeitszeiten verhindern. Heute haben wir eine gute Liquidität, eine geringe Verschuldung und ein hohes Eigenkapital. Der Wildpark, obwohl ich da eher der Bremser bin, entwickelt sich weiter. Als nächstes großes Projekt wird da die Büdnerei gebaut. Und die „Oase“ wollen wir gesichert ins nächste Jahrzehnt bringen. Das ist mit sehr viel Geld verbunden. Ich halte es für machbar, dass unsere Stadtwerke das können.

Oder ist Ihnen einfach die Rente noch zu weit weg?
Das auf jeden Fall auch!

Sie wollen doch wiedergewählt werden, bisher sucht man jedoch vergeblich nach Wahlwerbung von Ihnen. Haben Sie das nicht nötig?
Es wäre ein Fehler, gar keine zu machen. Auch wenn die Leute mich kennen, manche schon im Kindergarten – ich weiß auch nicht, warum. Es kommt jetzt, in einem angemessenen Zeitraum vor der Wahl, etwas in die Briefkästen und ich habe mir in Zeitungen – SVZ, Express, Blitz – schon die Plätze für Anzeigen reserviert. Großflächen bei Wosch habe ich auch schon angemietet. Ich werde mich aber nicht an Laternenmasten anbammeln, das habe ich vor sieben Jahren auch nicht gemacht, und das würde jetzt im Bundestagswahlkampf auch untergehen. Wahlkampf betreibe ich ja, wenn Sie so wollen, die ganzen 14 Jahre lang durch meine tägliche Arbeit.

Die Gefahr einer ungültigen Wahl wegen möglicherweise zu geringer Wahlbeteiligung ist ja dank der Kandidatur eines zweiten Bewerbers gebannt. Sind Sie Herrn Sell dankbar?
Ja.

Hätten Sie denn sonst ein Debakel befürchtet?
Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl hätte ich diese Befürchtung nicht gehabt.

Was fürchten Sie an Ihrem Herausforderer?
Eigentlich nichts.

Was schätzen Sie an ihm? Halten Sie Herrn Sell für fähig, Ihr Amt zu bekleiden?
Ich kenne ihn kaum. Er sitzt zwar immer bei Sitzungen der Stadtvertreter und der Ausschüsse, er ist aber nie etwa mit einer Frage in Erscheinung getreten. Ich kann das also nicht einschätzen.

Was denken Sie, warum keine Partei einen Gegenkandidaten aufgestellt hat?
Sie haben ja diverse Wahlerfahrungen und es möchte wohl keiner, auch mit Blick auf die Zukunft, eine Wahl verlieren. Es ist ja bekannt, dass es eine Angst davor gibt – wer einmal verliert, gilt als verbrannt.

Was befähigt Sie denn nach 14 doch sicher sehr anstrengender, zuweilen vermutlich auch zermürbender Arbeit als Bürgermeister zur Fortführung Ihres Amtes?
Ich fühle mich noch fit genug dafür und ich denke, die Bürger haben ein Recht auf einen funktionierenden Bürgermeister. Wenn ich auch nicht die 49 Jahre Amtszeit meines großen Vorbildes, Otto Dahse, erreichen kann. Aber ich identifiziere mich mit diesem Amt und beabsichtige auch, die Wahlperiode zu beenden… und dann passt das auch mit der Rente.

Was halten Sie denn von frischem Wind im Rathaus?
Frischen Wind finde ich immer gut. Die Verwaltung ist ja auch in einer Phase der Umstrukturierung, die Führungsriege teils in einem „gehobeben Alter“. Der erste Austausch mit Frau Mater ist bereits gelungen. Schon jetzt hatten und haben wir viele junge Einstellungen. Da wird also viel frischer Wind kommen. Ich halte mich jedenfalls für flexibel genug, mit neuen, jungen Leuten mitzugehen.


Vor 14 Jahren hatten Sie sich von der SPD vorschlagen lassen. Vor sieben Jahren sollte das wieder so sein, doch da lief bei der Nominierung etwas schief und Sie sind wegen der Rechtssicherheit als Einzelbewerber angetreten. Jetzt setzen Sie von vornherein auf eine Einzelbewerbung ohne Parteinominierung – an welcher Stelle haben Sie sich von der Sozialdemokratie verabschiedet?
Eigentlich an keiner. Ich komme ja von früher vom Neuen Forum her und war enttäuscht, dass diese Bürgerbewegung sich zur Partei wandelte. Ich habe nämlich aus der DDR-Zeit eine Abneigung gegen Parteien. Ich möchte aber erinnern, dass mich vor 14 Jahren auch die Grünen und die FDP mitgetragen haben, die Linke tolerierte mich. Für die Bürger ist es auch gut, wenn es einen parteilosen Bürgermeister gibt, der sich nicht an eine Partei klemmt. Auch in der Stadtvertretung hat sich das inzwischen eingespielt. Es ist gut, wenn man da nur für die Verwaltung steht und nicht auch noch für eine Fraktion.

Heißt das, Sie haben die Unterstützung einer Partei nicht mehr nötig?
Das kann man auch so sehen. Das war vor 14 Jahren eine andere Situation, mir fehlte die Erfahrung im Wahlkampf, Bekanntheitsgrad… Da wäre es ohne die Unterstützung durch wenigstens eine der beiden großen Volksparteien sicher schwer geworden. Jetzt, nach 14 Jahren und mit dem Bonus des Amtsinhabers, ist es für mich einfacher, ohne eine klare Unterstützungspartei in den Wahlkampf zu gehen.

Was wird sich nach weiteren sieben Bürgermeister-Schuldt-Jahren in Güstrow verändert haben?
Ich hoffe, dass die Altstadtsanierung dann fertig ist. Wobei man da nie „fertig“ sagen kann. Aber dass wir sehr viel weiter sind und alle wichtigen Häuser, die wir erhalten können, erhalten sind. Dass die beiden großen Plätze, der Markt und der Franz-Parr-Platz, saniert und neu gestaltet sind. Dann, dass Güstrow in der Einwohnerzahl noch etwas zulegen und sich stabilisieren kann. Auch wenn die Prognosen etwas anderes aussagen, habe ich die Hoffnung, dass wir vielleicht 33  000 Einwohner haben werden, wenn es gut läuft.

Güstrow wird nach dem Ende meiner dritten Amtszeit auf 800 Jahre zugehen. Auch wenn die Feier dann meinem Amtsnachfolger zukommen wird, werde ich das ja mit vorbereiten.

Güstrow wird eine weltoffene Kulturstadt sein, finanziell gut aufgestellt.

Und was wird sich nach 21 Jahren Bürgermeister Schuldt nicht geändert haben?
Dass ich mit dem Fahrrad fahre.



 

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