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"Ich feiere jetzt auch am 8. April immer Geburtstag"

vom

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2011 | 06:06 Uhr

Güstrow | "Ich feiere jetzt auch am 8. April immer Geburtstag." Das sagt Steffen Geuf ke. Der Güstrower ist am Freitag bei der Massenkarambolage auf der A19 dem Tod entronnen. Das Bild des 40-Jährigen ging auf vielen Sendern um die Welt, weil er von Reportern befragt wurde, wie er den Unfall erlebt hat. Der schlimmste Unfall in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns wirkt bei ihm aber immer noch nach. "In ein Auto werde ich in der nächsten Zeit nicht einsteigen. Das ist wie eine Blockade", erzählte er gestern SVZ. "Bei allem Unglück habe ich aber glücklicherweise kein Blut und keine verkohlte Leiche gesehen. Geholfen hat mir, glaube ich, dass ich vielen Freunden und Bekannten erzählen sollte, wie das war. Dadurch habe ich das alles wohl ganz gut verarbeitet", erläutert er.

Steffen Geufke war Freitag wie immer um die Mittagszeit aus Rostock von der Arbeit gekommen. Er ist Berufsschullehrer. Als einer der letzten wurde er in den Massenunfall verwickelt. "Als ob eine Wand runterfällt und man urplötzlich nichts mehr sieht", beschreibt er den Moment. Da war es auch schon passiert. Ob er mit dem Auto auffuhr oder ob er auf das Auto vor ihm geschoben wurde, weiß er aber bis heute nicht. Jedenfalls habe es einen Knall gegeben und die Airbags lösten aus. Er sei aber erst einmal sitzen geblieben und habe geistesgegenwärtig nach hinten geschaut, was weiter passiert. Als sich alles "beruhigte", obwohl man davon insgesamt natürlich nicht sprechen konnte, sei er ausgestiegen, habe die Familie angerufen und sofort geholfen.

Das tat auch Philipp Eberle. Der 23-jährige Mitarbeiter des Natur- und Umweltparks (Nup) Güstrow kam mit seinem Kollegen Bernd Meier aus der Nähe von Stralsund. Sie transportierten mit ihrem Auto 1,50 Meter lange Störe für den Aqua-Tunnel. Die schwammen in einem Kübel mit zwei Tonnen Wasser. Ihr Auto schob sich unter ein anderes, das dadurch auf dem Dach ihres Autos lag. Neben ihrem Auto brannte der Gefahrgut-Lkw. "Der Wind blies die Flammen aber von unserem Auto weg", schildert Philipp Eberle. Der blieb unverletzt, fing sich relativ schnell und brachte zuerst seinen Kollegen, der das Auto fuhr und unter Schock stand, zum Parkplatz, wo die Verletzten versorgt wurden. Dann half Eberle, wo er nur konnte. Aber auch die Fische gingen ihm nicht aus dem Sinn. "Wir hatten den Kauf lange für unser Schaugewässer vorbereitet, deshalb wollte ich sie ebenfalls unbedingt retten", berichtete er gestern. Das gelang. Er rief seinen ehemaligen Fischereimeister, Werner Loch aus Hohen Sprenz, an. Der kam mit einem Auto und einem Wasserkübel über einen Feldweg zur Unfallstelle. "Ich habe bei Werner Loch Fischwirt gelernt und kenne in der Umgebung der Unfallstelle alle Wege. Daher konnte ich ihm das gut beschreiben. Inzwischen sind die Störe im Aqua-Tunnel."

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