Zehna, Sarmstorf und Groß Wokern : IB zieht sich aus Kitas zurück

60 Jahre gibt es die Kita „Glückskäfer“ in Sarmstorf, hier ein Bild von der Feier zum 50. Die Gemeinde hofft, dass es nach dem IB-Ausstieg im Sommer weiter gehen wird.
60 Jahre gibt es die Kita „Glückskäfer“ in Sarmstorf, hier ein Bild von der Feier zum 50. Die Gemeinde hofft, dass es nach dem IB-Ausstieg im Sommer weiter gehen wird.

Zehna, Sarmstorf und Groß Wokern „nicht kostendeckend zu betreiben“: Engagement soll zum 31. Juli enden.

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12. Februar 2018, 21:00 Uhr

Schlechte Nachricht für die drei Gemeinden Zehna, Sarmstorf und Groß Wokern: Der Internationale Bund (IB) beendet sein Engagement als Träger der Kindertagesstätten. In den Amtsverwaltungen trudelte die Information in der Woche vor den Ferien ein, Eltern in Groß Wokern wurden erst vergangene Woche informiert. Mit dem 31. Juli werde das IB-Engagement enden, heißt es in einem Informationsschreiben.

Für die Gemeinden ist die Ankündigung völlig unerwartet gekommen. Das erklärt Sarmstorfs Bürgermeisterin Marita Breitenfeld. Die Kita in Sarmstorf mit jeweils 18 Kindergarten- und Krippenplätzen sei ausgebucht. Breitenfeld: „Wir haben eine Warteliste.“ Klein, aber fein, und besonders wegen ihrer Lage in der Verbindung zwischen Güstrow und Rostock sei die Sarmstorfer Kita bei Eltern begehrt.

Ausgerechnet die familiäre Dimension der Einrichtung gibt der IB als Kündigungsgrund an. „Aufgrund der geringen Größe ist es uns nicht möglich, diese Kitas wirtschaftlich kostendeckend zu betreiben“, sagt Michael Hallmann. Der IB-Regionalleiter Ostmecklenburg erklärt: Wenn bei dem vorgegebenen Personalschlüssel eine Kollegin Urlaub macht und eine weitere krank wird, werde es bei den Sarmstorfer „Glückskäfern“ personell schon extrem eng. Für Hort und Kindergarten in Groß Wokern sehe er zudem einen erheblichen Investitionsstau, um Mindeststandards zu gewährleisten. In Zehna wiederum gebe es zu wenig Kinder. Während der Hort mit 50 Plätzen noch ausgelastet ist, seien Kindergarten mit 29 und Krippe mit 12 Plätzen zuletzt nur durch die Verlagerung von etwa einem Dutzend Kindern aus Güstrow voll gewesen. Den Fahrdienst könne sich der IB aber nicht mehr leisten. Hallmann: „Das sind Kosten, auf denen wir sitzenbleiben.“ Der Fahrdienst sei deshalb nun eingestellt worden.

Gemeinden auf Suche nach anderem Träger

Für alle drei Kitas wolle der IB gemeinsam mit Landkreis und Gemeinden eine „tragbare Lösung zur Weiterführung“ anstreben, schreibt der IB an betroffene Eltern. Michael Hallmann betont: „Es nicht unsere Strategie, einseitig zu schließen. Wir möchten aber die Einrichtungen an einen anderen Träger übergeben oder an die Gemeinde.“ Man sei in Gesprächen, habe jedoch bisher „noch nicht wirklich eine Lösung“ gefunden. So sei auch für das betroffene Personal keine Beendigung des Arbeitsverhältnisses beabsichtigt. „Unsere Vorstellung ist es, dass das Personal sich einem neuen Träger anschließt. Falls das nicht geht, haben wir genug offene Stellen hausintern, die wir anbieten wollen“, sagt der IB-Regionalleiter.

Vor allem die Informationspolitik des IB – abgesehen vom unerfreulichen Inhalt der Ankündigung selbst – stößt vor Ort sauer auf. „Wir fanden die ganze Verfahrensweise – schriftlich und ohne Vorwarnung – nicht so gut“, sagt Martina Mickschat, Hauptamtsleiterin in der Verwaltung des Amtes Güstrow-Land. Heike Wachowiak, Bürgermeisterin von Groß Wokern: „Ich habe erst mal ganz schön geschluckt. Das geht so nicht.“

Befürchtungen von Eltern spricht Cindy Gabelmann, Vorsitzende des Elternrats des Wokerner Hortes „Linden-Eulen“ aus: „Wir können doch froh sein, dass wir auf dem flachen Land solche Infrastruktur noch haben. Für manche Eltern kann das existenzbedrohend sein, wenn sie nicht wissen, wo sie während der Arbeit, wenn sie denn welche haben, ihre Kinder unterbringen sollen.“

Aufgeben wollen die Gemeinden die Kita in ihrem Ort so einfach nicht. Das Amt Güstrow-Land hat ein Interessenbekundungsverfahren für eine neue Trägerschaft des „Kellergeister“-Hortes und der Kita „Die Strolche“ in Zehna sowie für die „Glückskäfer“ in Sarmstorf veröffentlicht. Mickschat: „Wir haben auch schon potenzielle Träger direkt angeschrieben.“ Erste Reaktionen habe es bereits gegeben, mit einer Prognose wolle sie konkreten Gesprächen aber nicht vorgreifen. „Wir sind hoffnungsvoll.“ Für Groß Wokern, wo unter anderem auch Langhagener Kinder den Hort besuchen, sagt Bürgermeisterin Wachowiak bestimmt: „Auch nach dem Sommer wird kein Kind ohne Betreuung sein.“ Man habe auch hier jetzt die Trägerschaft neu ausgeschrieben. Und Marita Breitenfeld entschlossen: „Die Kita wird nicht geschlossen!“

Kommentar "Von wegen Ferien" von Eckhard Rosentreter

Von wegen geruhsame Ferien! Immer in der schulfreien Zeit  darf sich keine Kindergärtnerin, kein Lehrer sicher sein, dass vor lauter  Erholung sonst nichts passiert; auf Eltern kann die böse Überraschung lauern, dass sie ihre Kinder demnächst woanders betreuen lassen müssen.

Abgesehen vom unerfreulichen Fakt an sich: Das ganze Verfahren des IB kommt einem irgendwie bekannt vor.  Auch bei erforderlichen Umlenkungen von Kindern in eine andere als die gewünschte Schule hatten wir das schon, dass die Entscheidungen gerne in den Ferien fallen. Angenehmer Nebeneffekt für die Verantwortlichen: Protest und Widerstand fallen so sanfter, weil nicht in gebündelter Ladung zurück kommend, aus. An Zufall mag ich da nicht glauben.

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