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Tiergestützte Therapie in Güstrow : Hunde als Co-Therapeuten für Kinder

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Mit wachen Augen sitzt Luna neben ihrem Frauchen und wartet auf das nächste Kommando. Die Arbeit mit dem Hund ist eine Therapie für Kinder mit psychischen Erkrankungen in der Kita des KMG-Klinikums Güstrow.

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erstellt am 09.Okt.2012 | 06:29 Uhr

Güstrow | Mit wachen Augen sitzt Luna neben ihrem Frauchen und wartet auf das nächste Kommando. "Luna, gib Laut", sagt Eric Spanowski. Das laute Bellen des Labrador-Retrievers folgt. Dafür gibt es ein Leckerli. Hund und Kind sind zufrieden. Die anderen vier Kinder klatschen Beifall.

Die Arbeit mit dem Hund ist eine begleitende Therapie für Kinder mit psychischen Erkrankungen in der Kindertagesklinik des KMG-Klinikums Güstrow. "Das Selbstbewusstsein der Kinder wird gestärkt und sie empfinden Spaß an dem Umgang mit dem Hund", ist sich Schwester Jana Walasiak sicher. Seit vier Jahren arbeitet sie in der Tagesklinik des Klinikums. Die zweijährige Luna ist als Welpe zu ihr gekommen, war von Anfang an täglich mit in der Tagesklinik. Gleichzeitig wurde sie von Aniko Ebersberger ausgebildet. Die Hundetrainerin aus Rostock begleitet die Arbeit in der Güstrower Klinik. Sie weiß, dass es schwer ist, mit älteren Hunden zu arbeiten. Kinder sind laut und es herrscht Leben. "Wir haben Luna mit Absicht als Welpe gekauft. Sie ist in der Kinderstation aufgewachsen, kennt die Kinder und die Kinder mögen sie", sagt sie. Die Schwestern wiederum wissen um die Krankheitsbilder der Kinder und letztlich wird abgestimmt, welche Arbeit der Hund dann übernimmt. "Der Hund muss ein Basisprogramm besitzen, das aus Gehorsam und Vorführ tricks besteht", erklärt Aniko Ebersberger. Beispielsweise bauen Kinder einen Turm aus Bausteinen und Luna wirft ihn um.

Luna ist etwas mehr als zwei Jahre alt. Sie ist auch auf anderen Stationen des KMG-Klinikums unterwegs, wird dort als Therapiebegleitung eingesetzt. Besonders beliebt ist der Hund aber auf der Kinderstation. Die hier betreuten 15 Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 18 Jahren mögen das Tier. "Der Hund ist ein Magnet", so Jana Walasiak. Zwischen den Einsätzen benötigt Luna aber unbedingt Pausen. Darauf wird im Laufe des Tages geachtet. Jeden Tag gibt es zweimal Therapien und das Ganze fünfmal die Woche.

Die Ausbildung erhielt Luna von Aniko Ebersberger. Die 46-Jährige ist seit 30 Jahren Hundetrainerin. Auch wegen ihrer Assistenzhundeausbildung kam sie vor elf Jahren nach Rostock. Hier leitet sie das Kleintierzentrum der Tierklinik Rostock. So bildet sie Blindenführhunde, Behindertenbegleithunde, aber auch Signalhunde aus. Außerdem betreibt sie eine Familienhundeschule und eine Tierpension.

Was aber qualifiziert Hunde dazu, auch eine Therapie für psychisch kranke Menschen zu begleiten? "Der Hund ist dafür ein gutes Medium. Er ist gut, offen, voller Aufmerksamkeit und es ist leichter, dem Hund etwas zu erzählen", so Aniko Ebersberger. Die 46-Jährige wurde von anerkannten Verhaltensforschern an der staatlichen Blindenführhundeschule in Budapest ausgebildet. Sowohl in ihrer selbstständigen Arbeit als auch in ihrer Arbeit für Stiftungen gehört sie damit zu den erfahrensten Assistenzhundeausbildern Deutschlands.

Kein Wunder, dass Aniko Ebersberger bei den Herbstgesprächen am KMG-Klinikum unter dem Thema "Tiergestützte Therapie" am Sonnabend um 12.30 Uhr zum Thema "Hunde als Co-Therapeuten" sprechen wird. Beginn der Veranstaltung ist um 9 Uhr im Festsaal des Güstrower Schlosses.

6. Herbstgespräche

• Sonnabend 9.15 Uhr: „Auf den Hund gekommen“, Martin Brüne
• 9.45 Uhr: Mensch-Tier-Beziehung als Therapeutikum, Philipp Tedeschi
• 11.15 Uhr: „Manchmal ist der beste Freund die beste Medizin“, Anne Ingalls Gillespie
• ab 14.30 Uhr: Workshops mit allen Experten
• 16 Uhr: Podiumsdiskussion

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