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Fachkräftemangel : Hürden im Kampf um Pflegekräfte

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Das Güstrower KMG-Klinikum will neue Wege gegen den Pflegekräftemangel beschreiten und stolpert über lokalbehördliche Hürden.

von
erstellt am 12.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Gerade konnte das KMG-Klinikum in Güstrow erfolgreich zwölf ungarische Pflegekräfte in das Klinik-Team integrieren. Neun Monate dauerte der Prozess, bei dem die neuen Fachkräfte die Sprache erlernten und in ihren Bereichen eingearbeitet wurden. Nach erfolgreicher Anerkennung wurden die Männer und Frauen nun fest als Gesundheits- und Krankenpfleger unbefristet am Klinikum angestellt. Ein Pilotprojekt des Klinik-Konzerns KMG, um dem sich stetig verschärfenden Fachkräftemangel im pflegerischen Bereich entgegenzuwirken (SVZ berichtete). Der Erfolg dieses Projektes sei jedoch aber keine Selbstverständlichkeit, räumt Stefan Eschmann, Vorstandsvorsitzender der KMG-Kliniken gegenüber SVZ ein.


Serbische Kräfte angeworben – Visa fehlen


Die KMG-Gruppe habe im vergangenen Sommer mit großem Aufwand begonnen auch Pflegefachkräfte in Serbien einzuwerben. „Die serbische Ausbildung ist sehr gut, mit unserer hier in Deutschland vergleichbar – beste Voraussetzungen für eine Integration bei uns“, beschreibt Stefan Eschmann die Beweggründe und fügt hinzu: „Der Fachkräftemangel ist ja ein bekanntes Problem und im Ausland gibt es gut ausgebildetes Personal, das wir gerne an uns binden wollen.“ Man konkurriere vor Ort mit vielen deutschen Kliniken um die Fachkräfte. „Es ist aber nicht so, dass wir sie abwerben und sie vor Ort fehlen würden – viele finden in ihrer Heimat auch einfach keine Anstellung“, erklärt Thomas Bürger. Der Geschäftsführer des Güstrower Klinikums war selbst nach Serbien gereist, um die Werbetrommel zu rühren.

Fünf Fachkräfte sollten allein in Güstrow ab dem 1. Oktober 2016 beschäftigt werden. So der Plan, denn die Anträge auf Visa für die Pflegekräfte aus dem Nicht-EU-Ausland wurden abgelehnt. Als Begründung führt die Bundesagentur für Arbeit den Paragraf 39 des Aufenthaltsgesetzes ins Feld. Das ist dem Bescheid der Behörde zu entnehmen und weiter: „Laut Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Rostock stehen für die Beschäftigung bevorrechtigte [deutsche, Anm. d. Red.] Arbeitnehmer zur Verfügung.“ Für den KMG-Vorstandsvorsitzenden Stefan Eschmann nicht nachvollziehbar: „Man bezieht sich hier ausschließlich darauf, dass die Serben zunächst nur als Hilfskräfte eingestellt werden – davon gibt es natürlich einige auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt.“ Nach der Erlangung der Berufserlaubnis folge jedoch eine feste Anstellung als Gesundheits- und Krankenpfleger und das sei, so Eschmann, bei der Arbeitsagentur außer Acht gelassen worden. Diese lokalbehördlichen Hindernisse beträfen ausschließlich den Landkreis Rostock. Andernorts – auch in MV – sei eine Anstellung serbischer Pflegefachkräfte für den Konzern bislang kein Problem gewesen, betont Eschmann.


Gespräch zwischen KMG und Arbeitsagentur


„Von den ursprünglich fünf im Sommer geworbenen Serben sind zwei inzwischen abgesprungen. Die drei übrigen haben wir auf andere Häuser innerhalb der Gruppe verteilt“, sagt Eschmann. „Das ist sehr ärgerlich, wenn sich so etwas rumspricht, haben wir das Vertrauen in uns verspielt – immerhin geben die Menschen in ihrer Heimat ja auch viel auf, um bei uns zu arbeiten“, ergänzt Thomas Bürger. Gegen den Bescheid habe der Klinik-Konzern im Januar Widerspruch eingelegt und stehe im Kontakt mit dem Landkreis Rostock. „Ich habe dem KMG-Klinikum im Januar Unterstützung bei der Lösung des Problems angeboten“, bestätigt Dezernent Stephan Meyer. Die Ausländerbehörde habe den Vorgang erneut geprüft und dem KMG Hinweise zur Beantragung gegeben. Es liege im Interesse des Landkreises, das Problem fehlender Pflegekräfte zum Wohle der Patienten zu lösen, betont Meyer.

Auch die Arbeitsagentur hat nun reagiert und für heute einen gemeinsamen Gesprächstermin mit den Personalverantwortlichen des KMG-Klinikums in Güstrow vereinbart. „Der Gesprächstermin wird dazu beitragen, die notwendigen Schritte zu beleuchten, um ggf. einzelfallspezifisch Vorgänge in die Wege zu leiten und Entscheidungen vorzubereiten“, drückt es Thomas Drenckow, Sprecher der Agentur für Arbeit Rostock, verklausuliert aus.

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