zur Navigation springen

Filetstück am Markt : Hotel „Stadt Güstrow“ verkauft

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Voyage-Hotelgruppe scheitert an Sanierung des leerstehenden Traditionshauses am Markt - Neuer Investor: Elgeti Brothers Berlin.

Seit vier Jahren steht das traditionsreiche Hotel „Stadt Güstrow leer – ein Geisterhaus mitten im Herzen Güstrows. Jetzt wurde das „Sahnestück“ am Markt verkauft. Käufer soll nach SVZ-Informationen die Elgeti Brothers GmbH aus Berlin sein. Dem Immobilienunternehmen gehören Hunderte Immobilien in ganz Deutschland, u.a. auch Wohn- und Geschäftshäuser in Güstrow. Geschäftsführer ist laut Handelsregister Horant Elgeti, Bruder des Finanz- und Immobilienspekulanten Rolf Elgeti, Großinvestor beim FC Hansa Rostock. Elgeti Brothers war gestern für eine Stellungnahme zum Kauf der Immobilie nicht zu erreichen.

Den Verkauf des Hotels – allerdings nicht den Namen des Käufers – bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung der Güstrower Architekt Stephan Thoß. Er war vom vormaligen Besitzer, der BAG-Bank, beauftragt worden, die Planungen für die Sanierung des Hotels zu erstellen. Der Eigentümer BAG hatte bisher die Voyage-Hotelgruppe, eine 100-prozentige Tochter der BAG, vor Ort beauftragt, das Hotel wieder zu eröffnen. Dafür war auch bereits ein so genanntes Pre-Opening-Büro im Hotel eingerichtet worden. Immer wieder hatte die Voyage-Hotelgruppe gegenüber unserer Zeitung und der Güstrower Öffentlichkeit beteuert, das Hotel mit 70 Zimmern wieder öffnen zu wollen. Doch der geplante Termin musste aufgrund des großen Sanierungsbedarfs – laut Voyage im zweistelligen Millionenbereich – immer wieder verschoben werden. Jetzt sind die BAG und damit Voyage endgültig aus dem Hotel „Stadt Güstrow“ ausgestiegen. „Voyage ist von der Struktur her nicht darauf ausgelegt, Hotels baulich zu sanieren“, erklärt der Architekt Stephan Thoß. Das Unternehmen sei an den baulichen Strukturen gescheitert. Und der Betrieb des Hotels sei ohne bauliche Veränderungen nicht möglich, schiebt er hinterher.

Thoß ist davon überzeugt, dass der neue Investor, mit dem er sich bereits vor Ort getroffen habe, entschlossen zur Sache gehen werde. „Sie hätten das Objekt nicht gekauft, wenn sie kein festes Vorhaben hätten. Die Planungen sind beim neuen Eigentümer in guten Händen“, sagt er. Der Kaufpreis ist bisher nicht bekannt. Allerdings betrug der Verkehrswert des Hotels im Jahr 2014 2,6 Millionen Euro.

Doch welches Konzept der neue Bauherr verfolgt, ist noch unklar. Offensichtlich ist aber wieder eine Hotelnutzung geplant. Auch eine Gaststätte sowie Läden im Erdgeschoss sind angedacht. Für eine Hotelnutzung seien aber „Anpassungsarbeiten“ notwendig, unterstreicht Thoß. Das Gebäude sei sehr verschachtelt, die vielen Gänge verwirrend für die Gäste. Auch im großen Ballsaal seien Ertüchtigungsarbeiten notwendig. Für den Saal kann sich Thoß eine Mischnutzung durch das Hotel sowie die Öffentlichkeit vorstellen. Auch sei es möglich, nicht das gesamte Gebäude weiter als Hotel zu betreiben, sondern nur noch einen Teil. „Man kann die Nutzung splitten“, sagt Thoß.

Laut dem Güstrower Architekten habe das Hotel „Stadt Güstrow“ ein „unheimliches Potenzial für verschiedene Nutzungen“, vorzugsweise aber als Hotel wegen der zentralen Lage. Auch favorisiert er eine Gastronomie mit Außenbewirtschaftung. „Das Hotel ist ein Schatz, ein Highlight für Güstrow. Man kann mit so einem Gebäude in so einer Lage nicht viel falsch machen“, ist Stephan Thoß überzeugt.

 
Kommentar: "Viele Fragezeichen" von Jens Griesbach

Ist das Hotel „Stadt Güstrow“ jetzt gerettet? Es bleiben noch viele Fragezeichen. Zu lange wurden die Güstrower schon hingehalten. Zunächst gibt es jetzt einen neuen Investor, der das Traditionshaus wieder beleben möchte. Das ist auch gut so. Denn seit Jahren fordern die Einwohner, dass mit dem Hotel endlich wieder etwas passiert. Die Voyage-Hotelgruppe hat auf ganzer Linie enttäuscht. Gebetsmühlenartig wiederholten deren Vertreter immer wieder, das Hotel wiedereröffnen zu wollen. Jetzt sind sie sang- und klanglos verschwunden. Hoffentlich hat der neue Eigentümer ein besseres Händchen – zum Wohle der Barlachstadt.

 

zur Startseite

von
erstellt am 10.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen