Totschlag-Prozess : Hohe Haftstrafen gefordert

Gerichtsreport: Gutachter bestätigt volle Schuldfähigkeit der Angeklagten

von
26. Februar 2014, 06:00 Uhr

Wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags in jeweils zwei Fällen beantragte gestern die Vertreterin der Rostocker Staatsanwaltschaft für Maik R. (29) eine Haftstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten und für Sven G. (23) eine achtjährige Freiheitsstrafe sowie seine Unterbringung in eine Entziehungsklinik.

„Wir verhandeln hier über eine der schwersten Straftaten, die es im Gesetzbuch überhaupt gibt“, begann die Anklägerin ihr Plädoyer. Für sie gab es keinen Zweifel, dass sich die beiden Güstrower Angeklagten am Nachmittag des 14. August 2013 mit den späteren Opfern Christian H. (34) und Frank U. (49) sowie zwei weiteren Männern in einem Abrissgebäude der ehemaligen Kleiderwerke in der Eisenbahnstraße, trafen (SVZ berichtete). Es wurde Bier getrunken und Nachschub organisiert. Ein Streit sei wegen 3,20 Euro entstanden, als Sven G. feststellte, dass das Leergut verschwunden war. Als Diebe des Bierkastens hätte er Christian H. und Frank U. ausgemacht. Für beide Opfer begann jetzt eine wahre Tortur, wobei Sven G. der Initiator war. Christian H. und Frank U. seien von beiden Angeklagten zusammengeschlagen, erbarmungslos getreten, in die zweite Etage gezerrt und anschießend aus einem Fenster aus einer Höhe von 4,50 Meter in die Tiefe gestoßen worden. Die Opfer wurden am 15. August von Olaf K. (42), Angestellter des Öffentlichen Dienstes der Stadt Güstrow, gefunden. Beide Männer waren schwer verletzt und befanden sich in akuter Lebensgefahr.


DNA-Spuren der Opfer an Kleidung


Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft rechnete das ausführliche Geständnis, das beide Angeklagten bereits am ersten Prozesstag ablegten, zu ihren Gunsten. Auch, dass sie sich bei ihren Opfern entschuldigten, kam ihnen zu Gute. Ansonsten folgte sie den Angaben des psychologischen Gutachters, Reinhard Doberenz, der beide Angeklagten für voll schuldfähig beurteilt hatte, und der DNA-Gutachterin, Dr. Iris Lindner. Sie hatte an allen Kleidungsstücken der Angeklagten Blutflecken mit DNA-Spuren der Opfer gefunden.

Trotz ihres Alkoholkonsums am Nachmittag und Abend des Tattages sei es den Angeklagten gelungen, die schwer verletzten Christian H. und Frank U. in der Finsternis – nur ein beleuchtetes Handy zeigte ihnen den Weg – in die zweite Etage zu ziehen und aus dem Fenster zu stoßen, erläuterte die Staatsanwältin als Beweis für die volle Einsichts- und Steuerungsfähigkeit der Angeklagten. „Es ging ganz leicht“, hätte Sven G. gemeint. Die erheblichen Vorstrafen der Angeklagten rechnete sie ihnen als strafverschärfend an.

Beide Verteidiger beantragten für ihre Mandanten eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. Sie wiesen auf die Absprache mit dem Gericht hin, wonach bei einem glaubhaften Geständnis, woran sich die Angeklagten gehalten hätten, Strafen von siebeneinhalb bis neun Jahren in Betracht kämen. Das Urteil wird am 4. März verkündet.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen