49-Jähriger muss für acht Jahre hinter Gitter : Hohe Haftstrafe für Tarnower Drogenboss

Sieben Jahre und neun Monate Gefängnis lautete am Mittwochnachmittag das Urteil des Landgerichtes Rostock gegen Le Coung H.. Das Gericht hält den 49-Jährigen für schuldig.

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17. Mai 2012, 05:50 Uhr

Rostock/Tarnow | Sieben Jahre und neun Monate Gefängnis lautete am Mittwochnachmittag das Urteil der 3. Großen Strafkammer des Landgerichtes Rostock gegen Le Coung H.. Das Gericht hält den 49-Jährigen des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in zehn Fällen für schuldig.

In der Urteilsbegründung widmete der Vorsitzende Richter dem Werdegang des Vietnamesen ausgiebig Raum. 1993 reiste der Angeklagte unter falschem Namen nach Deutschland ein. Ein erster Asylantrag wurde abgelehnt, was ihn nicht hinderte, hier zu bleiben. Zweimal ging er den Zöllnern als Zigarettenschmuggler ins Netz und wurde verurteilt. Als gelernten Seemann zog es ihn dann ans Wasser, er landete in Rostock. Als auch ein zweiter Asylantrag ergebnislos blieb, heiratete er eine Hansestädterin und wurde Vater einer Tochter. Von da an handelte er mit gebrauchten Lkw, die er in seine Heimat transportierte und womit er viel Geld verdiente. Der umtriebige Zeitgenosse hielt in Rostock gleich zwei Wohnungen und erwarb eine Gaststättenerlaubnis. Ab 2008 wandte er sich noch lukrativerem Gelderwerb zu: Er suchte einzeln stehende Häuser in abgelegenen Gegenden, um Cannabisplantagen anzubauen. Mit Hilfe von Landsleuten, die sich als Mieter ausgaben, wurde er in Tarnow und Gnemern fündig. Über Vermittler in Berlin wurden Vietnamesen eingeschleust, die in den Häusern in Tarnow und Gnemern als Gärtner arbeiten mussten. Der Angeklagte sorgte für den Abtransport der Ernten und versorgte die Mitarbeiter.

Als die ganze Sache aufflog, sah Le Coung H. im sicheren Abstand von seinem silbernen Audi A6 aus der Festnahme seiner Landsleute zu. In den beiden Häusern wurden große Mengen Cannabispflanzen verschiedener Wachstumsphasen gefunden, dazu viele abgeerntete Sträucher. Der Vorsitzende Richter ging in seiner Urteilsbegründung von 120 Kilo Marihuana aus, die in Tarnow und Gnemern geerntet wurden. Mit dem Verkauf der Droge erzielte der Angeklagte 398 500 Euro.

In dem langwierigen Verfahren (SVZ berichtete laufend) wurde Le Coung H. von seinen Landsleuten der Tat beschuldigt. Er selber leistete keinen freiwilligen Beitrag zur Aufklärung. Im Gegenteil, als er endlich eine Erklärung abgeben wollte, drehte er den Spieß um und schob den anderen allein die Schuld in die Schuhe. Deshalb sah das Gericht auch keinen Grund für eine Milderung des Strafmaßes, dafür aber eine Reihe strafverschärfender Faktoren, wie die große Menge an Drogen, die durch sein Handeln auf den Markt kamen und die enorme kriminelle Energie, über die der Angeklagte verfügt. Zu dem hohen Urteil kommt der Einzug des Geldgewinns, wozu auch die 21 500 Euro aus einem Bankschließfach gehören, sowie sein Auto. Die Anklage hatte für Le Coung H. eine Strafe von neuneinhalb Jahren gefordert.

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