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Güstrower Anzeiger

18. Dezember 2017 | 19:19 Uhr

Güstrow : Hohe Erwartung auf Klosterhof

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Archäologen stoßen bei erstem von vier Baufeldern auf Reste der Eckbebauung Pferdemarkt/Armesünderstraße.

von
erstellt am 14.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Groß sind die Erwartungen und ebenso groß ist das Interesse an den Ausgrabungen auf dem Klosterhofgelände zwischen Pferdemarkt und Armesünderstraße in Güstrow. Bevor die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschft (AWG) hier Wohnhäuser errichten und das historische Gebäude Pferdemarkt 45 sanieren wird, ist ein Grabungsteam am Zuge. Das erste von vier Baufeldern entlang der Armesünderstraße ist auf einer Fläche von 180 Quadratmetern freigelegt. „Wir sind erst auf der ersten Ebene, gehen noch tiefer runter. Aber es sieht nicht so aus, als dass wir hier schon die Reste historisch belegter Gebäude finden“, schätzt Grabungsleiter Dr. Holger Fries ein.

Synagoge, Heiligblutkapelle, Klosterkirche, Klosterfriedhof, Brauerei, Vorratsgebäude – die Liste historische belegter Bauten und Nutzungen ist lang. „Aber keiner weiß, wo was genau gestanden hat“, sagt Fries. Spannend ist es für den Archäologen, der seit vielen Jahren Grabungen in der Güstrower Innenstadt leitet, welche dieser historischen Fakten belegt werden können.

Auf der ersten Grabungsebene habe man wie erwartet die Reste der ehemaligen Eckbebauung – Pferdemarkt 46 – gefunden. Das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert hatten einen in Fachwerk ausgeführten Anbau an der Armesünderstraße und war 1939 abgerissen worden, berichtet Fries (siehe auch kleine SVZ-Reihe zur Besiedlung des Klosterhofes/Ulrich Schirow). Dabei würden sich die Baureste in Grenzen halten: ein Feldsteinfundament, Brunnen oder Latrine und Katzenkopfpflaster. Damit, so erläutert der Archäologe, sei keineswegs eine Straße befestigt worden. „Der Sandboden hier ist für größere Gebäude denkbar schlecht geeignet. Also haben unsere Altvorderen das Pflaster aufgebracht, um den Untergrund zu befestigen“, berichtet Fries. Darauf sei eine Lehmschicht gekommen. Diese fungierte als Hydrauliksperre gegen Bodenfeuchtigkeit. Ebensolche Befundet hatte man auch auf der gegenüberliegenden Seite der Armesünderstraße 2012 schon ausgegraben.

Jetzt werde geputzt, fotografiert und gezeichnet. Danach gehe man tiefer. „Vielleicht finden wir unter dem Pflaster etwas“, sagt der Archäologe und freut sich über das große Interesse der Güstrower. „Immer stehen Leute am Zaun – schauen und fragen. Das ist doch schön“, sagt er. Noch bis Mitte Oktober werden die Ausgrabungen laufen. Fries freut sich darauf, danach wieder ein Stück Bau- und Besiedlungsgeschichte in der Barlachstadt wie ein Puzzle, bei dem immer irgendwelche Teile fehlen, zusammensetzen zu können.

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