Konzert : Hofmusik kehrt ins Schloss zurück

Johanna Otterbach betrachtet im Güstrower Schloss das um 1530 gemalte Bild eines vermutlich venezianischen Künstlers, auf dem eine Drehleier, ein typisches Instrument aus der Hochzeit der Güstrower Hofkapelle, zu sehen ist.
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Johanna Otterbach betrachtet im Güstrower Schloss das um 1530 gemalte Bild eines vermutlich venezianischen Künstlers, auf dem eine Drehleier, ein typisches Instrument aus der Hochzeit der Güstrower Hofkapelle, zu sehen ist.

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern schneidern Güstrower Renaissancebau Konzert auf den Leib

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12. August 2015, 06:00 Uhr

Eine hervorragende Halbzeitbilanz haben die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in ihrer Jubiläumssaison gezogen. Zahlreiche Konzerte sind längst ausverkauft, ein Besucherrekord bahnt sich an. Höchstens noch Restkarten an der Abendkasse könnten auch für das einzige Konzert in Güstrow noch erhältlich sein. Kein Wunder, zählt doch das Schloss zu den kleineren Spielstätten – nur 200 Plätze können im Festsaal aufgestellt werden. War in den vergangenen Jahren auch die Ernst-Barlach-Stätte gelegentlich Gastgeber, so bleibt in der Barlachstadt in diesem Jahr, am 27. August, nur das Renaissanceschloss wieder einmal Gastgeber.

Das Ensemble Marais Consort bringt Hofmusik aus der Zeit des Barock und der Renaissance zu Gehör: „Ein Porträt der Güstrower Hofkapelle“. Renommierte Musiker waren Dauergast besonders am Hofe Gustav Adolfs, dem letzten Herzog, der in Güstrow residierte. Oft waren es Migranten, die bei jeder festlichen Gelegenheit bei Hofe aufspielten. Wie etwa der englische Gambenvirtuose William Brade. Als der 1590 nach Deutschland kam, hielt er sich 1619/20 auch in Güstrow auf. Fast 400 Jahre später spielt nun das Marais Consort nach seinem Auftritt in der Festspielreihe „Musik aus MV“ im Sommer 2013 erneut ein Konzert im Güstrower Schloss. Mit dem Hinweis ,,In Sonderheit auff Fiolen zu gebrauchen“ gab Brade an, welches Instrument sich zur Interpretation der Stücke am besten eignete, nämlich die Fiole, die heute als Viola da Gamba bekannt ist. Bei den für dieses Güstrower Festspiel-Konzert ausgewählten Werken von Brade, Schütz und Vierdanck ist dies der Fall.

Zur Architektur des Hauses kommen das Interieur und der Klang der Instrumente – ein Konzert also, das voll auf das Güstrower Renaissanceschloss und seine Ausstellungen zugeschnitten ist. „Es ist Musik aus der Hohezeit des Schlosses“, freut sich Regina Erbentraut schon auf den Konzertabend. Wie gebaut für die Instrumente aus der damaligen Zeit wäre der Festsaal. „Vor zwei Jahren hatte ich das schon mal erlebt, es ist ein unvergleichlicher Klang!“, schwärmt die Schlossleiterin.

Dem Konzert vorangestellt ist ein Einführungsvortrag. Unter dem Titel „Eine kulturgeschichtliche Betrachtung des Musiklebens am Güstrower Hof im Kontext der (Nord-)Europäischen Hofmusik in Renaissance und Barock“ spricht Anselm Pell. Der Güstrower Historiker erscheint, wie der Veranstaltungsort, prädestiniert für dieses Thema. Nach praktischer Arbeit im Haus hatte sich der Historiker auch in seiner Bachelor-Arbeit mit der Güstrower Hofmusik befasst.

Bei Interesse: Für den Vortrag mit Anselm Pell, Beginn ist um 18 Uhr im Wirtschaftsgebäude, können bei der SVZ noch Tickets gebucht werden. Vielleicht ergibt sich so ja die Chance, am Abend noch eine Restkarte zu ergattern.

Konzertkarten für die Festspiele MV gibt es auch in der Güstrower SVZ-Geschäftsstelle in der Domstraße 9.

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