Kleingarten : Hoffnung trotz Leerstand

Doreen Klan und Claudia Zielke besprechen schnell etwas am Gartentor. Am 29. April ist Vereinsversammlung.
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Doreen Klan und Claudia Zielke besprechen schnell etwas am Gartentor. Am 29. April ist Vereinsversammlung.

Wer in Diekhof einen Kleingarten bewirtschaftet, pflegt auch gleichzeitig eine ungenutzte Parzelle.

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07. April 2017, 12:14 Uhr

In der Kleingartenanlage in Diekhof regt sich wieder Leben. 32 Parzellen hat die Anlage, der Verein lediglich 15 Mitglieder. Doch von Untergangsstimmung keine Spur. „Wir lassen uns nicht unterkriegen und machen weiter. Den Verein und die Anlage aufzulösen kommt für uns überhaupt nicht infrage“, betont Vereinsvorsitzende Claudia Zielke (48). Ein solcher Gedanke sei insbesondere im Frühjahr absurd, meinen die drei Frauen vom Vereinsvorstand.

Dabei müssten alle mit anpacken, betont die Vereinsvorsitzende. Es brauche Regularien, um die Anlage bei so vielen ungenutzten Parzellen in Ordnung zu halten. „Bei uns muss jeder die Patenschaft über einen unbebauten Garten übernehmen und dafür sorgen, dass der nicht zum Schandfleck wird oder sich in einen Dschungel verwandelt“, berichtet Claudia Zielke. Das sei mehrheitlich beschlossen und werde so durchgesetzt.


Naturausgleich zur Plattenbauwohnung


Wer seinen Garten abgibt, muss ihn geharkt übergeben, möglichst alles ausräumen, damit hinterher nur noch eine Rasenfläche gepflegt werden muss. Baufällige Gartenhäuser müssten ebenfalls abgerissen werden. Passable Häuschen dürfen stehen bleiben. „Für einen Garten mit Häuschen findet man schneller einen Nachnutzer“, erklärt Claudia Zielke. Gern würde sie sich viel mehr junge Leute mit Interesse für Obst und Gemüse wünschen. Überaltert aber sei der Verein nicht. „Wir haben auch einen Garten, in dem vier Generationen wirtschaften“, freut sich die 48-Jährige insbesondere auch über Kinder in der Anlage.

Selbstverständlich sind auch gemeinschaftliche Arbeitseinsätz, z.B. Hecke schneiden. Das die Kleingärtner nicht nur zusammen arbeiten, sondern auch feiern, sei selbstverständlich. „Gegrillt wird bei uns fast immer“, sagt Doreen Klan (40) vom Vereinsvorstand. Die Diekhofer Kleingärtner wohnen in den Mehrfamilienhäusern. „Da brauche ich einen Garten, ein Stück Natur“, erklärt die 40-Jährige und fügt hinzu: „Unsere Anlage ist ein kleines Idyll, gut nach außen abgeschottet und drinnen offen und weitläufig, ohne hohe Hecken.“ Das gebe es kaum noch auf einem Dorf.


Kleingartenanlage seit über 30 Jahren


Annegret Bremer (65) kennt die Geschichte der Diekhofer Gartenanlage. Als 1986 noch ein weiterer 16-WE-Block gebaut wurde, mussten an der Stelle Gärten, die Bewohner der bereits vorhandenen Wohnblöcke nutzten, verschwinden. So wurde ein Stück Ackerland zwischen zwei Siedlerhöfen zur Gartenanlage, berichtet Annegret Bremer. Für sie ist es selbstverständlich, einen Garten zu haben. Und Claudia Zielke mag ihn nicht mehr missen. „Wenn ich am Sonntag Mittag koche und feststelle, es fehlt Petersilie, kann ich in den Garten fahren und welche holen“, erklärt sie. Außerdem sei der Garten ein wunderbarer Ort, um den Kopf wieder freizubekommen. Das Gärtnern sei für sie Ausgleich zur überwiegenden Kopfarbeit, die sie im Leibnitz-Institut für Katalyse in Rostock leistet. Was die Dritteleinteilung im deutschen Kleingartenwesen anbelangt – je ein Drittel Gemüse, Obst und Rasen/Freizeit – läuft man in Diekhof nicht mit dem Maßband durch die Gärten.

Acht Kleingartenanlagen auf Dörfern – u.a. auch Lalendorf, Kritzkow und Lüssow – zählt der Kreisverband der Gartenfreunde Güstrow (Region Güstrow, Bützow, Teterow) noch, berichtet Verbandsgeschäftsführer Volker Knop. Darüber hinaus weiß er von weiteren rund 20 Anlagen, die nicht Mitglied im Kreisverband sind.

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