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Güstrower Altstadt : Hoffnung für verwahrlostes Haus

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Vermutlich 400 Jahre alt und letzter Schandfleck in der Domstraße: Sanierungspläne für Markt 27/28.

von
erstellt am 22.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Mit bloßen Händen gräbt Ulrich Bunnemann im Schuttcontainer, klaubt sich, bevor die auf Nimmerwiedersehen weg sind, mehrere Bodenplatten heraus. „Die sind mindestens 300 Jahre alt und sicher noch verwendbar“, erklärt der Architekt. Der Inhaber der Schelfbauhütte Schwerin, der schon mehrere historische Häuser in Güstrow saniert hat, bekam von den neuen Eigentümern des Hauses Markt 27/28 den Auftrag, auch diesen Komplex wieder bewohnbar zu machen.

„Das wird ein Millionenprojekt“, schätzt der Fachmann für den klassizistisch überbauten Renaissancebau, der die Ecke Markt/Domstraße dominiert, ein. Fürwahr, ein Blick in und hinter das Gebäude, das äußerlich den Eindruck von vier Häusern macht, offenbart ein Bild des Jammers. Gerade erst ist der kleine Hof, erreichbar nur durch eine Durchfahrt von der Domstraße aus, bereits entkernt; das verbreitet leisen Optimismus. Den historischen Hofkeller, bekundet Bunnemann, wolle man erhalten.

Zumindest der Hausteil 28 ist als Einzeldenkmal ausgewiesen, er stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Genau wisse er es noch nicht, sagt Bunnemann. Hier gibt es 200 Jahre alte, erhaltenswerte Fenster. Auch gelte es einige Deckenmalereien genauer zu bestimmen. Aber das sind schon Details; zunächst müsse der Statiker noch mal ran. Der gibt sich mit Brandschutz und Restauratoren gerade die Klinke in die Hand. Bedenklich neigt sich zum Beispiel der Baukörper des Kemladens an der Domstraße zum Hof hin – höchste Eile, dass hier etwas passiert. Ulrich Bunnemann weiß: „Alle müssen das Haus noch gründlich kennen lernen.“ Danach sei zu sehen, ob sich die Planung mit den Tatsachen deckt. „Da wird sicherlich einiges zu überarbeiten sein“, glaubt der Experte – und denkt nur mal an die „Herausforderung“, die der geplante Ausbau des Dachbodens darstelle. Überraschungen seien bei solch einem Gebäude, zumal viele Jahre verwahrlost, nicht ausgeschlossen. „Aber ich freue mich, dass sich Investoren gefunden haben, und dass ich das machen darf.“

Bis zu acht Wohnungen in den oberen Etagen, dazu Parterre zwei noch offene Gewerbeeinheiten sollen hier in exquisiter Innenstadtlage entstehen. In diesen Tagen will der Architekt den Bauantrag stellen. Auf eine Teilbaugenehmigung hoffe er noch für dieses Jahr. Dann könnte alles Ende 2018 fertig werden. „Ein ambitioniertes Ziel“, weiß der Architekt Ulrich Bunnemann.

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