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Einwohnerversammlung : Hoffen auf viel Wind und Wetter

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Zeppelinhalle in Suckow verärgert die Bürger / Die machten sich auf einer Einwohnerversammlung Luft

von
erstellt am 18.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Die so genannte Zeppelinhalle, in der nach Expertenmeinung vermutlich nie Zeppeline standen, sondern bestenfalls Fesselballone oder Prallluftschiffen, ist seit zehn Jahren das Lieblingsthema bei Einwohnerversammlungen in Suckow. Man bleibt sich treu. Auch am Donnerstagabend drehte sich zunächst alles um den Schandfleck am Eingang des Dorfes. Fazit: Am Zustand des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wird sich nichts ändern. Einzige Hoffnung: ein sehr, sehr kräftiger Herbststurm.

„Man muss den Eigentümer doch zwingen aktiv zu werden“, denkt Horst Kurrasch. „Notfalls enteignen“, fügt Erhard Kurrasch hinzu. „Auf dem Grundstück gehen die Ratten spazieren“, berichtet Johanna Reddig. „Es kann doch nicht sein…!“, meinen die Suckower und mussten von Bürgermeister Arne Schuldt hören: „Ich finde es auch schrecklich, dass man dem Zerfall zusehen muss.“ Aber ein Drittel das Daches sei doch schon heruntergebrochen. Schuldt verwies auf den Landkreis mit Unterer Denkmalschutzbehörde und Bauaufsicht. Die habe nun zumindest veranlasst, dass ein Bauzaun das Grundstück mit der riesigen Halle einfriedet. Mehr sei nicht drin, bestätigte gestern noch einmal Landkreissprecher Kay-Uwe Neumann. „Der Landkreis darf immer nur das mildeste Mittel anwenden, um Gefahren abzuwenden“, betont Neumann. Alles andere wäre „ein zu starker Grundrechtseingriff“, erklärt er weiter.

Johanna Reddig befürchtet nun, dass es auch dem Gutshaus nicht anders ergehen werde als der Zeppelinhalle. Es sei derselbe Eigentümer. Auch das Haus vegetiere vor sich hin. Schuldt antwortete mit Schulterzucken.


Illegale Müllentsorgung und Hilflosigkeit


Ein gerüttelt Maß Hilflosigkeit begleitete auch die weiteren Sorgen der Suckower. Holger Dehnel ärgert sich über parkende Laster im Dorf. So breit seien die Straßen nicht. Martina Wittenberg wünscht sich, dass ein Schleichweg zwischen Krankenhaus und Distelberg ein wenig ausgebaut werden könnte. „Auf privatem Grund“, wiegelte Schuldt ab. Und dann philosophierte man noch vortrefflich über illegale Müllentsorgung. Da ging es u.a. um einen Weg, der jetzt mit Schlagbaum abgeriegelt ist. Damit soll verhindert werden, dass dort weiter Müll abgeladen wird, erklärte Detlef Wenzek, Abteilungsleiter im Stadtentwicklungsamt. Grünschnitt und Bauschutt habe er selbst dort gesehen. Ob eine Schranke hilft? Müll finde sich auch am Teich, beklagte eine Suckowerin und dachte an ein Schild. Ob aber ein Schild hilft? Vielleicht könne es helfen, die Umweltfrevler anzusprechen, sie zur Rede zu stellen oder auch mit den Lkw-Fahrern zu sprechen, regte Schuldt an. Aber wer macht das schon? Man wolle am Ende nicht als der Böse dastehen, erklärte Holger Dehnel die allgemeine Zurückhaltung in solchen Dingen.

Die den Bürgermeister begleitende Rathausmannschaft notierte die Sorgen und wird nun prüfen. Zu vermuten ist, dass in einem Jahr Bürgermeister Schuldt zur nächsten Einwohnerversammlung in Suckow über die Problem-Abarbeitung berichten wird und die Luftschiffhalle dann vielleicht zwei Drittel ihres Daches beraubt ist.

Übrigens: Im Sommer 2003 hatte die Halle schon kurz vor dem Abriss gestanden. Denkmalbehörde und Fachleute hatten protestiert. Die Halle blieb stehen und wurde später an Privat verkauft. Es gab 2009 eine Bauvoranfrage für eine Multifunktionsstätte und das war’s.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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